Die Privatinsolvenz - Welche Bedeutung hat sie für den Schuldner?

Die Privatinsolvenz - Welche Bedeutung hat sie für den Schuldner?
Die Zahl der Überschuldeten in Deutschland nimmt seit dem Jahr 2014 immer weiter zu. Das meldete der Schuldneratlas, welcher von Creditreform herausgegeben wurde. Sind erst einmal zu viele Schulden angehäuft, gibt es meist nur einen Weg, um sich wieder aus der finanziellen Notlage zu befreien: die Privatinsolvenz. Der folgende Text klärt auf.

In Deutschland sind mehr als 6,9 Millionen Menschen über 18 Jahre überschuldet. Eine Überschuldung liegt immer dann vor, wenn Personen mehr Geld ausgeben, als ihnen zur Verfügung steht. Dadurch können offene Posten, wie die Miete oder der Handy- Vertrag nicht mehr bezahlt, so dass dadurch eine regelrechte Schuldenspirale entsteht. Durch die Privatinsolvenz soll es dem Betroffenen ermöglicht werden, sich nach spätestens sechs Jahren wieder aus seiner finanziellen Notlage befreit zu haben und ein schuldenfreies Leben zu führen.

Kann ein Schuldner seine Posten nicht mehr bezahlen, gilt er als zahlungsunfähig. In diesem Fall können Privatpersonen das sogenannte „Insolvenzverfahren“ anstreben. Hierbei wird das Vermögen sowie das Einkommen des Betroffenen auf einen Treuhänder, also einen Insolvenzverwalter, übertragen, so dass dieser es verwalten kann. Zudem kümmert er sich darum, dass alle Gläubiger einen Teil ihrer offenen Forderungen erhalten. Ein weiterer Teil geht an den Schuldner selbst, damit dieser damit wirtschaften kann.

Die Privatinsolvenz ist in ihrem Ablauf genauestens geregelt. Im ersten Schritt wird ein außergerichtliches Einigungsverfahren mit den Gläubigern angestrebt. Hierzu wird ein Schuldenbereinigungsplan aufgestellt, welchem zu entnehmen sein muss, wie der Schuldner gedenkt, seine Schulden abzutragen. Dieser Schritt sollte jedoch niemals vom Verschuldeten selbst sondern mit professioneller Hilfe, also z.B. einem Rechtsanwalt oder Schuldnerberatung, eingeleitet werden. Scheitert nämlich der Versuch einer außergerichtlichen Einigung, muss die Beratungsperson darüber eine Bescheinigung ausstellen, damit die Privatinsolvenz weiterhin ablaufen kann.

Nachdem die außergerichtliche Einigung gescheitert ist, kann die Insolvenz bei einem zuständigen Gericht angemeldet werden. In diesem Zuge ist auch die Restschuldbefreiung zu beantragen. Doch auch zu diesem Zeitpunkt startet das eigentliche Insolvenzverfahren noch nicht, da zunächst über das Gericht versucht wird, ein weiteres Schuldenbereinigungsverfahren einzuleiten. Dieses soll erneut zu einer außergerichtlichen Einigung mit den Gläubigern beitragen. Erst wenn auch dieser Versuch fehlschlägt, kommt es zur eigentlichen Insolvenz.

Dabei wird zunächst vom Gericht geklärt, ob der Schuldner die anfallenden Kosten, also die Gerichtskosten, die Auslagen sowie die Kosten für den Treuhänder, eigenständig zahlen kann oder ob eine Stundung nötig ist. Danach wird das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet. Das Gericht legt einen Treuhänder fest und befugt diesen, über die Insolvenzmasse zu verfügen. Nachdem das Vermögen entsprechend auf die Gläubiger verteilt wurde, wird ein Schlusstermin festgelegt, bei dem sowohl der Schuldner als auch die Gläubiger angehört werden. Danach kann das Gericht entscheiden, ob eine Restschuldbefreiung möglich ist. Dazu muss der Schuldner während
der sich anschließenden Wohlverhaltensperiode seinen Pflichten – Obliegenheiten
genannt - nachkommen.
Hat dieser nun die Wohlverhaltensperiode überstanden, kommt es zur Restschuldbefreiung. Durch diese werden alle, zu dem Zeitpunkt noch offenen Forderungen ungültig. Ab diesem Zeitpunkt gilt der Betroffene als schuldenfrei und kann in eine neue Lebensphase starten.

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Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. wurde im Januar 2017 vom Rechtsjournalisten Marcel Weber in Berlin gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Transparenz im Bereich Sozialrecht zu schaffen, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die wichtigsten Themen zu bieten.

Ziel und Zweck der Interessengemeinschaft e.V. ist die Beobachtung sozialrechtlicher Entwicklungen, Analyse und Kommentierung aktueller Rechtsprechungen sowie der Bereitstellung von Informationen und Hilfestellungen für Leistungsempfänger und Interessierte. Dabei verfolgt der Verein keinerlei eigenwirtschaftliche Zwecke. Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden. In ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Vereins erhalten diese keine Zuwendungen oder Gewinnanteile aus Mitteln des Vereins.
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