Honorartief bei den Literaturübersetzern

(Foto: Klaus Thormann / pixelio.de)
Man stelle sich einmal vor, man käme in einen Buchladen und die Regale wären so gut wie leer. Nur noch die deutschen Titel von deutschen Autoren stünden in den Regalen, doch von neuen Werken ausländischer Autoren wäre keine Spur zu sehen. Die Menschen würden schon sehr dumm aus der Wäsche gucken, würde sich ein solches Szenario tatsächlich abspielen. Dass dies so wirklich eintritt, ist zwar relativ unrealistisch, doch was realistisch ist, ist die stark abnehmende Zahl beim Nachwuchs der literarischen Übersetzer in Deutschland. Auf diesem Gebiet war das Honorar noch nie besonders hoch. Doch scheinbar haben sich die bisherigen Generationen an Literaturübersetzern dies gefallen lassen. Dies ist so nicht mehr der Fall. Laut einer Studie des Verbands deutscher Übersetzer sind nur noch 8,4 Prozent der literarischen Übersetzer jünger als 35 Jahre.

Fragt man Leute, die sich auskennen müssten, können selbst diese sich den plötzlichen Nachwuchsschwund nicht erklären. Wahrscheinlich ist aber wohl, dass sich die jungen Leute und nachwachsenden Übersetzer eines größeren wirtschaftlichen Bewusstseins erfreuen als ihre älteren Kollegen und sich deshalb die schlechten Preise, die ihnen Verlage bieten, nicht bieten lassen wollen. Wer ein Studium der Literaturübersetzung hinter sich hat, wechselt da lieber zu dem sehr viel besser vergüteten Bereich der Fachübersetzungen und wird dort zwar nicht reich, kann sich aber über ein besseres Honorar freuen als rund 1000 Euro im Monat. Mit dem Gehalt muss sich nämlich im Durchschnitt ein literarischer Übersetzer herumschlagen. Urlaub oder Auto sind da einfach nicht drin. Vielmehr ist es ein Leben, wie es auch ein Student führt, nur mit teurerer Krankenversicherung und schlechterer Absicherung allgemein.

Man kann den jungen Leuten, die gerade von der Uni kommen und sich als Übersetzer selbstständig machen, also nicht verübeln, dass sie sich diesen Berufszweig eben nicht aussuchen wollen, denn es ist schon sehr schwer einzusehen, warum ein Verlag, der mit einem Bestseller aus dem Ausland vermutlich sehr viel Geld machen wird, einem Übersetzer nicht mehr zahlt, obwohl dieser dafür sorgt, dass eine ganze Nation, die die Ausgangssprache vermutlich nicht spricht, sich an diesem Werk erfreuen kann. Bei englischen Büchern ist es mittlerweile nicht mehr ganz so schlimm, denn Englisch spricht inzwischen so gut wie jeder. Doch was ist mit Werken aus Skandinavien, Israel oder Japan? Wer findet sich da noch zurecht und versteht ein Wort? Vermutlich nur die wenigsten. Deshalb ist zu hoffen, dass sich der Nachwuchsschwund im Bereich der literarischen Übersetzer wieder relativieren kann, ihnen mehr gezahlt wird und so nicht das oben beschriebene Szenario tatsächlich irgendwann eintritt, wenn wir nämlich keine ausländischen Bücher mehr in den Regalen stehen haben, weil es niemanden mehr gibt, der diese übersetzen will.
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