Gemeinde plant einschneidende Kürzungen im Brandschutz

Alsbach-Hähnlein: Freiwillige Feuerwehr Alsbach | Die Kürzung der finanziellen Mittel für die Feuerwehren erweckt Unverständnis bei den Einsatzkräften der Gemeinde Alsbach-Hähnlein. Mit zusammen etwa 40 Feuerwehrleuten nahmen die Wehren Alsbach und Hähnlein an der Bürgerversammlung zur Vorstellung des Haushaltsplans für das Jahr 2015 ihrer Gemeinde teil. Thematisiert wurden hierbei unter anderem auch finanzielle Abstriche im Bereich des Brandschutzes.

Wehrführer Dr. Marcus Jung (Alsbach) sieht sich mit Kürzungen um 30 Prozent im Bereich der Aus- und Weiterbildung konfrontiert. Dies sei laut Dr. Jung dramatisch, da ein angemessener Ausbildungsstand der Einsatzkräfte, neben der persönlicher Schutzausrüstung, die "Lebensversicherung" eines jeden Brandschützers im Einsatzfall darstellt. Hier zu sparen sei unverantwortlich und repräsentiere eine bedenkliche Haltung der Fraktionen gegenüber der Ausgestaltung von Ehrenamt.

Des Weiteren kritisierte Dr. Jung die geplante Beauftragung eines externen Unternehmens mit der Erstellung eines Bedarfs- und Entwicklungsplanes für den Brandschutz in der Gemeinde. Für dieses Gutachten plane die Gemeinde Kosten in der Höhe von 15000 Euro ein. Mit diesem Schritt übergehe sie nicht nur die bereits in der Kommune vorhandenen, und zudem steuerfinanzierten, Instrumente zur Beurteilung der zeitgemäßen Aufstellung der Feuerwehren, sondern misstraue damit ebenfalls der Fachkompetenz der Einsatzkräfte. So sei dieses Gutachten üblicherweise eine Gemeinschaftsarbeit des Gemeindebrandinspektors, der Wehrführungen und des Ordnungsamtes, erläuterte Dr. Jung. Anschließend gäbe die Aufsichtsbehörde des Landkreises eine Stellungnahme dazu ab. Dass ein Unternehmen für dieses Vorhaben eingekauft werde, sei im Landkreis Darmstadt-Dieburg einzigartig und stelle ohne Zweifel den falschen Weg dar, kritisierte der Wehrführer. Die Fraktionsvorsitzende der IUHAS, Doris Lochmann, zeigte zwar Verständnis für die Wahrnehmung dieser Entscheidung durch die Einsatzkräfte, versuchte jedoch den Eindruck des Misstrauens auszuräumen und gab an, die Feuerwehren in diesem Prozess "mitnehmen" zu wollen. Die Fraktionsvorsitzende der SPD, Anke Paul, fügte dieser Stellungnahme hinzu, lediglich im Hinblick auf die steigenden Kosten bei den Ausgaben für die Feuerwehren reagieren zu wollen. Die bestehenden Strukturen könne man damit angemessen weiterentwickeln. Dass der Haushalt der Feuerwehr Alsbach in den vergangenen fünf Jahren allerdings bereits um 16% reduziert wurde, scheint die Fraktionsvorsitzende dabei übersehen zu haben. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung äußerten sich einige Vertreter der Fraktionen dahingehend, dass die durch dieses Gutachten entstehenden Kosten später locker wieder hereingeholt werden können. Di e berechtigte Frage des Wehrführers, welche weiteren Kürzungen sich die entsprechenden Fraktionen mit diesem Gutachten erkaufen wollen, blieb jedoch, wie erwartet, unbeantwortet.

Im weiteren Verlauf der Diskussion zeigte sich auch der Gemeindebrandinspektor Holger Wildner im Hinblick auf die anstehenden Kürzungen im Bereich der Ausstattung besorgt. Wie vom Hessischen Ministerium des Innern empfohlen, ist die Alsbacher Feuerwehr seit Neuestem bestens für einen möglichen Katastrophenfall mit Stromausfall gerüstet. Sowohl die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren, wie auch die Versorgung der Bevölkerung mit Strom, sollte bei diesem Szenario kein Problem darstellen. Zumindest in der Theorie stimmt das. In der Praxis fehlt allerdings ein Stromgenerator um die Notstromeinspeisung am Gerätehaus in Betrieb zu nehmen. Die Anschaffung dieses Geräts wurde durch die Gemeinde auf Eis gelegt, allerdings erst nachdem die Umbauarbeiten am Gerätehaus bereits durchgeführt wurden. Ursprünglich sollte diese Einrichtung den Bürgerinneren und Bürgern der Gemeinde im Katastrophenfall einen warmen Aufenthaltsort und die Möglichkeit, Verpflegung zuzubereiten, bieten. Besonders auch im Hinblick auf das in der Gemeinde vorhandene Seniorenwohnheim, kann ein solcher Ort gerade bei tiefen Temperaturen und einem länger anhaltenden Zusammenbruch des Stromnetzes im Katastrophenfall, bei dem auch andere Institutionen ausgelastet sind, überlebenswichtig sein.

Zwar wurden die Kritikpunkte der Feuerwehr von den Vertretern der Gemeinde angehört, allerdings signalisierten sie eindeutig, an ihren Kürzungsplänen festhalten zu wollen. Hierbei wird offensichtlich ignoriert, dass die Feuerwehren Alsbach und Hähnlein mit ihrer Ausbildung, Ausstattung und Fachkompetenz eine Schlüsselfunktion für die Sicherheit der Gemeinde einnehmen. Mit finanziellen Abstrichen beim Brandschutz nehmen die Verantwortlichen somit gleichwohl Abstriche bei der Sicherheit einer jeden Bürgerin und eines jeden Bürgers der Gemeinde Alsbach-Hähnlein billigend in Kauf. Diese Pläne können die Feuerwehren nicht unterstützen. www.feuerwehr-alsbach.de
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Rainer Diefenbach aus Pfungstadt | 01.02.2015 | 09:15  
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