Kunst im Dreieck und Viereck

Christopher Street Day "Happy"
 
ungezwungene Atmosphäre
Babenhausen: Rathaus |

Gudrun J. Gottstein stellt im Rathaus Babenhausen aus

Die Vernissage an einem stürmischen und verregneten Sonntagmittag im Rathaus Babenhausen war kurzweilig. In lockerem Trialog zwischen der Bürgermeisterin Gabi Coutandin, der Künstlerin Gudrun J. Gottstein und ihrer Tochter Sabine konnten sich Interessierte über Malweise, Techniken und das Projekt der Künstlerin informieren. Mit dabei war auch ein Bild, das nach der Vernissage sofort in die Säulenhalle nach Groß-Umstadt umziehen musste, in der die Künstlerin am 08.11. eine Ausstellung mit großformatigen Bildern bestreitet, die so im Rathaus Babenhausen keinen Platz hätten.

karibische Farben aus Frankfurt am Main

Auf dem ersten Blick mutet das Bild "Happy!" karibisch an, mutmaßt auch die Bürgermeisterin. Erst nach kurzem Betrachten wird klar, dass es ein Motiv der näheren Umgebung ist. Gezeigt wird hier nämlich eine Straßenszene vom Christopher Street Day in Frankfurt. Aber warum steht auf der Warnweste eines der abgebildeten Menschen "SPD"? Gudrun Gottstein erläutert, dass auf dem Christopher Street Day auch Parteien für die Ausstattung der Wagen Sponsoring betreiben bzw. eigene Wagen mitfahren lassen. Damit dabei niemand unter die Räder dieser oft aufwändig geschmückten LKWs und Traktoren kommt, laufen "Radwächter" neben den Wagen her. So ein Radwächter wird bei dem Bild "Happy!" in der Rückenansicht gezeigt und eben diese beinhaltet den Schriftzug der Partei. Vor allem in solchen großformatigen Bildern verstecken sich oft Worte und Symbole in verschiedenen Schriftarten. Gottstein will dadurch kein politisches Statement setzen. Es ist vielmehr die ästhetische Wahrnehmung von chiffrenartigen Komponenten in einem Gesamtbild. "Warum soll ich etwas nicht malen dürfen, was ich sehe? Unsere Umgebung ist ja voll mit Schriftsprache, Symbolen und Codes. Man nimmt sie alle erst einmal als Teil der Umwelt wahr.", sagt sie.

Das Problem am anderen Ende der Leine

Außerdem finden sich eine ganze Reihe von Hundemotiven aus Paris. Wie sich Menschen an der Leine, dieser Nabelschnur zwischen Hund und Mensch, bewegen hat die Künstlerin interessiert. Die kleinformatigen Parisbilder sind außerdem der Kristallisationspunkt des Projekts "Mit fremden Augen". Erst beim Malen dieser Motive, verbunden mit den Reisegeschichten ihrer Tochter, kam Gudrun J. Gottstein auf die Idee, via Internet dazu aufzurufen, Urlaubsmotive mit bewegten, spontanen Szenen zuzusenden. Mittlerweile sind hunderte Motive eingegangen und die Künstlerin hat die Qual der Wahl, welche Motive es nun malerisch umzusetzen gilt. Einen großen Teil der im Rahmen des Projekts entstandenen Gemälde kann man auf der Homepage der Künstlerin sehen.

freches Motiv vor dem Standesamtzimmer

Neben vielen Pferdezeichnungen wird im Rahmen der Ausstellung das Thema Tanz und Performance gewürdigt, dem sich die Künstlerin schon lange widmet. Drei Tänzer-Motive in Dreiecken fanden hier besondere Aufmerksamkeit. Nicht nur wegen des ungewöhnlichen Formats, sondern auch wegen des dynamischen Motivs, das dieses Format jeweils aufgreift. Eine moderne Performance, die Gottstein "Weiberfasching" tituliert zeigt raufende Frauen und Männer. Dass dieses Motiv vor dem Standesamt zu finden ist, rief widersprüchliche Reaktionen hervor. Als "skandalös" bezeichneten es gar zwei Besucherinnen, herzerfrischend und genau richtig für gutgelaunte Brautpaare stufte die Mehrheit das Motiv ein. Schließlich geht es mit großen Schritten auf die fünfte Jahreszeit zu, die in Babenhausen schon immer gern gefeiert wird- da sollte man das mit der teilentblößten Brust vielleicht nicht ganz so eng sehen.
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