Kunst im gARTenhaus: überwältigende Winterausstellung

Arno Räder: Schatten des Sommers. gemalt nach Delius "in a summer garden"
 
was monolithisch wirkt, erwacht bei kleinster Berührung zum Leben: Skulptur von Jürgen Heinz
Babenhausen: Galerie gARTenhaus | Die Galerie im gARTenhaus in Babenhausen ist seit Jahren ein Geheimtipp. Zur Eröffnung der Winterausstellungen fanden sich daher auch in diesem Jahr Kunstinteressierte aus der ganzen Republik ein, um Kunst in einem außergewöhnlichen, hochwertigen Arrangement im ehemaligen Gewächshaus zu betrachten und eine kunstsinnige Atmosphäre zu erleben.
Neben Malerei von Arno Räder wurden Skulpturen von Erika Hacker, Jürgen Heinz, Angela Littwin-Pieper, Reiner Schlestein und Waltraud Schroll gezeigt.

Arno Räder lebt und arbeitet in der Galerie im gARTenhaus. Seine Liebe zur Musik, zu Rhythmus und Klang sind Triebfedern und Inspirationquellen seiner Kunst. Sicher übersetzt er Stimmungen in abstrakte Farblandschaften, zum Teil mit dickem Farbauftrag zum Teil als duftige lasurnahe Malerei. In zahlreichen Bildern benutzt er Chiffren, Wortfragmente und Lyrik. In seinen oft durch leidenschaftlich-dynamischen Duktus geprägten Bildern findet sich nie feindselige Dekonstruktion - selbst wenn Arno Räder das Chaos malerisch beschreibt, tut er dies mit der Liebe eines neu entstehenden Farbkosmos, immer schöpferisch und achtsam für das Leben stehend, voller Poesie.

Waltraud Schroll ist Holzbildhauerin. Ihre fein polierten Skulpturen aus heimischen Hölzern leben von der Schlichtheit der Form, dem Archaischen welches in Kontrast zur schmeichelglatten Oberfläche und der feinen Holzmaserung steht. Auch Risse und Spuren des lebendigen Werkstoffes werden in das Gesamtkunstwerk eingebaut, geschmirgelt, poliert.

Reiner Schlestein ist ein vielseitiger Glaskünstler der mit heißem Glas arbeitet und Objekte von fragiler Schönheit schafft. Zum Eröffnungswochenende wurden im Sonnenlicht diese Skulpturen zu einem wahren Fest für die Augen. Die Plastiken schaffen Spannung durch das zerbrechliche Material im Kontrast zu zum Teil derben Bearbeitungs- und Formungsspuren. Schlestein lebt an der Bergstraße und unterrichtet an der Hochschule Darmstadt.

Angela Littwin-Pieper benutzt für ihre magisch-mystischen Plastiken Treibholz (das sie auf eigenen Reisen sammelt) und Keramik. Sie erzielt verblüffende Effekte durch naturalistische Darstellung der keramischen Elemente, die in unsichtbarem Materialübergang in die abstrakt anmutende Formensprache des Treibholzes nahtlos übergeht, Spuren des Zeitwirkens und innerer Kraft offenbart.

Erika Hackers Bronzeplastiken und Steinskulpturen finden sich weltweit in renommierten privaten und öffentlichen Kunstsammlungen. Ihre immer gegenständlichen Figuren wagen es, fernab vom Minimalismusswahn zu stehen. Fließende, geschmeidige Formen faszinieren, als das Typische in der Linie- Raum zur eigenen Deutung durch den Betrachtenden. Erika Hacker lebt und arbeitet in München.

„Moving Sculptures“ sind das Motto des Metallbildhauers Jürgen Heinz. Beim Betrachten der geschlossen und statisch wirkenden Skulpturen in Quader- oder Säulenform reicht ein Atemhauch, eine sanfte Berührung der Skulptur und plötzlich gerät das vormals unbeweglich anmutende Kunstwerk in Bewegung. Es ist ein Überraschungsmoment, der sich nicht verbraucht. Lange schwingen die Skulpturen, immer wieder entstehen neue Konfigurationen, dann erstirbt die Bewegung, ist gerade noch so erahnbar, bis das Kunstwerk wieder in den Stillstand kommt und auf erneute Berührung wartet.

Den Maler Arno Räder und die fünf unterschiedlichen Bildhauer so gekonnt in Szene zu setzen, dass sich ein Gesamtarrangement dieser Sonderklasse ergibt, ist der Verdienst von Norbert Brähler, der für die Galerie im gARTenhaus gezielt Künstler sucht und die Ausstellungskonzepte erarbeitet.
Die fein komponierte Ausstellung ist nach vorheriger terminlicher Vereinbarung unter Kunst@galerie-gartenhaus.de bis März 2015 zu besichtigen.
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