Lothar Bergmanns satirische Kunst vom Feinsten

Alptraum

Künstler Lothar Bergmann nach Ausstellungspause wieder aktiv

Satirische Kunst zu schaffen, ohne in Peinlichkeit abzugleiten, ist eine schwierige Aufgabe, die dem Zeichner und Maler Lothar Bergmann spielend gelingt.
Der 1952 geborene Künstler aus Reinheim absolvierte an der Freien Kunstschule in Darmstadt Portrait und Aktzeichenkurse, bezeichnet sich dennoch als Autodidakt. Seine gekonnte realistische Malweise ist mit der eines Rudi Hurzlmeier oder Michael Sowa zu vergleichen- auch wenn der bescheidene Künstler dies nie von sich behaupten würde.
Lothar Bergmann schaut den großen komischen und ernsten Meistern gern „über die Schulter“ geht in Ausstellungen und Museen, lässt sich mit seinem hellwachen Blick inspirieren. Explosive Kreativität zeichnet den Künstler aus- die Ideen für seine Motive kommen ihm dann einfach.
Minutiös-akribisch ist die detailreiche Ausarbeitung. Im Diptychon ‚Und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren‘ stecken drei Monate Arbeitszeit, bis Adam mit herrlich einfältig-überraschtem Ausdruck seines Körpers ansichtig wurde, den Eva glutäugig bewundert. In einem anderen Bild ‚Frau Bergmann, Carlo und Herr Schwarz‘ zaubert Bergmann ein esoterisches Paradiesgärtlein mit selig-entrückter und gleich einem Heiligenschein Schmetterling umkränzten Ehefrau zusammen mit den beiden Katzen: der heimische Garten als Ort des Eins-Seins-mit-der -Schöpfung hinter Thuja und Ligusterhecken. Neben der Religion nimmt der satirische Bergmann auch Politik- und Umweltthemen ins Visier. Ein zerschmetterter Storch im Schatten eines Windrads zeugt von der ‚Energiewende‘, eine Mülldeponie hinter Wohnblocks wird von Bergmann fein ausgearbeitet wie ein Stillleben. Der sozialistische Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker erzeugt in Bergmanns malerischer Fortschreibung der Szene zwei laszive Altherrengesichter, verbunden durch einen schleimigen Speichelfaden an den Mündern.
Und natürlich ist auch die Selbstironie des Künstlers ausgeprägt. So zeigt er sich in seinem ‚Alptraum‘ auf wegbrechendem Boden mit seinen nächtlichen Dämonen: furchterregende Kreaturen, Einflüsterer, ein übergroßes zweites Ich und ein lüsternes Weib.
Lothar Bergmanns Bilder waren nach längerer Ausstellungspause des Künstlers auf den Kunst und Kulturtagen in Babenhausen zu sehen und sorgten dort sofort für große Beachtung bei Kennern der komischen Kunst. Auf die nächste Ausstellung des augenzwinkernden Reinheimers kann man sich freuen- wo sie stattfindet, wird man rechtzeitig erfahren.
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