Von vorne hui, von hinten ...

Blick vom Hof in den kleinen Garten
 
... und so sieht es die Anwohnerin auf 18 Metern Länge
 
Die schöne Seite des Bauwerks
Lapidarium bereichert das Babenhäuser Territorialmuseum....
und verschlechtert die Lebensqualität der direkten Nachbarschaft


Als alteingesessene Bürgerin (Jahrgang 1930) Babenhausens, und Gründungsmitglied des Heimat- und Geschichtsverein e.V. Babenhausen im Jahre 1980, ist sie für alles offen was die Geschichte ihrer Geburtsstadt betrifft. Sie freut sich darüber, dass es hier Menschen gibt die sich diesbezüglich sehr engagieren, dass es ein Territorialmuseum gibt, dessen Gelände sich direkt neben ihrem Haus und Grundstück befindet. Sie selbst wohnt seit 1948 in diesem Haus in der Blaugasse 11, in Babenhausen, das bereits den Eltern ihres verstorbenen Mannes gehörte, und sich im Kern der Babenhäuser Altstadt befindet. In dem angrenzenden Museum werden wichtige Epochen der Stadt- und Regionalgeschichte präsentiert, und es sind viele Dinge zu finden die die Geschichte unserer Stadt und die der Region dokumentieren, was sie besonders erfreut.

Hier wurde nun auch auf dem Außengelände ein Lapidarium eingerichtet, also eine Sammlung von Steinwerken, zu der Grabsteine, Grabplatten, Andachtsbilder sowie Grenz- und Markierungssteine gehören, das sich direkt hinter der Begrenzungsmauer zu ihrem Grundstück befindet. Auch darüber ist sie hocherfreut. Dafür wurde eine Überdachung errichtet um die Exponate vor Wind und Wetter zu schützen. Was hier nun allerdings ihre allgemeine Freude doch gänzlich trübt, ist die Ausfertigung dieses Objektes, und die damit verbundene Einschränkung ihrer Lebensqualität. Eine entsprechende Bilddokumentation zeigt die Situation auf.

Die eigentliche Begrenzungsmauer ihres Grundstückes ist 18 m lang und 2,10 m hoch, und wird nun um knapp einen Meter, mit einer Höhe von 3,10 m auf der gesamten Länge durch die Konstruktion überragt. Die Durchgangsbreite zu ihrem kleinen, hinteren Garten beträgt 1,70 m. Hätte man die Überdachung bündig an die Ecke der Mauer, und mit einem ihrerseits geduldeten Abschluss mit der Innenkante der Begrenzugsmauer angeschlossen, hätte dies auch ihre Zustimmung gefunden und es wäre alles noch erträglich. Dies wäre eine Erhöhung um knapp 30 cm, und mit der Draufsicht auf die roten Abschlussziegel optisch auch vertretbar. Aber so schaut man nun in die Gebälkkonstruktion und fühlt sich noch eingeengter als zuvor.

Der Besitzer des Hauses Amtsgasse 32, in dem sich das Museum befindet, wurde vor Errichtung der Dachkonstruktion bei ihr vorstellig und bat darum einen sich auf der Mauer befindlichen Zaunpfosten versetzen zu dürfen, wofür sie auch ihre Zustimmung gab. Über die Ausführung insgesamt, bezüglich der Art und geplanten Höhe des Bauwerkes, wurde zu diesem Zeitpunkt und auch später nicht mit ihr gesprochen. Auf die Einwände der Anwohnerin hin, die sie bei dem Besitzer nach Erstellung des Bauwerkes gemacht hatte, kam dieser am 08.07.2016 in Begleitung des Museumsleiters, in Persona dem ersten Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen, zur Besichtigung. Nach nochmaligen entsprechenden Einwänden ihrerseits kam es zur Aussage "ich werde einmal mit meinem Architekten und Zimmermann sprechen", ohne weitere Angaben oder Nennung eines eventuellen Lösungsvorschlags.

Nach Rückfrage bei der Bauverwaltung der Stadt Babenhausen wurde ihr erklärt "wir sind dafür nicht zuständig, dies ist Sache des Kreisbauamtes". Deshalb habe ich auf ihre Bitte hin (sie ist die Patin meiner Frau) und in ihrem Auftrag am 12.07.2016 einen Brief verfasst und als „Einschreiben“ an die Behörde geschickt. Darin wurde die Bitte um Auskunft geäußert ob diese Baumaßnahme bekannt ist, ob dies in der ausgeführten Form beantragt und seitens des Kreisbauamtes so genehmigt wurde, und ob es eine gesetzliche Grundlage gibt warum der betroffene Nachbar bei einer solchen, stark in das Lebensumfeld eingreifenden Maßnahme, vorher nicht mit einbezogen werden muss. Als Abschlusssatz war vermerkt „Ich darf doch mit einer entsprechenden Antwort ihrerseits rechnen?“. Diese steht aber bis heute noch aus, und nicht einmal eine Eingangsbestätigung des Schreibens geschweige denn die Prüfung der Angelegenheit wurde signalisiert. Die Rückfrage bei der Post, ob das Einschreiben in Empfang genommen wurde, ergab die Auskunft "eine positive Empfangsbestätigung ist am 17.07. bei uns eingetroffen". Nun ja, es sind ja auch erst acht Wochen vergangen. Auch auf die Aussage hin mit dem Architekten und Zimmermann zu sprechen ist bis heute ebenfalls noch keine Reaktion erfolgt.

Wie man hier mit einer nunmehr 85 Jahre alten und allein stehenden Frau umgeht hat mich nun bewegt hierüber zu berichten. Zunächst sollte in Absprache mit der Anwohnerin der Weg über die offiziellen Stellen beschritten und die Antworten abgewartet werden, was auch getan wurde. Doch da nun nach über acht Wochen hier keine Reaktionen erfolgten wurde nun dieser Weg gewählt um einmal im wahrsten Sinne des Wortes „die Kehrseite der Medaille“, mit der man sich so gerne schmückt, aufzuzeigen. Interessierte Besucher des bevorstehenden Altstadtfestes am kommenden Wochenende können sich Vorort dieses Bauwerk ansehen und sich ihre eigene Meinung bilden. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, auch ich bin für alles was hier zur Erhaltung der Geschichte Babenhausens getan wird, und diesbezüglich absolut der gleichen Auffassung wie die Anwohnerin, doch der Seelenfrieden eines lieben Menschen, der spürbar gestört ist, steht mir in diesem Fall näher.

Deshalb hatte ich den Artikel am 05.09. als "Bürgerreporter" verfasst. Dieser bedarf nun einer Ergänzung, denn am 09.09. kam ein Mitarbeiter des zuständigen Kreisbauamts Dieburg vorbei, besichtigte das Bauwerk, nahm die Maße auf und und gab zur Auskunft, dass er die Unterlagen zur weiteren Bearbeitung an die entsprechende Stelle im Kreisbauamt weiterleiten werde. Man darf also auf Prüfung und Bewertung der Baumaßnahme gespannt sein. Mit dem Ergebnis wird der Artikel dann abschließend ebenfalls ergänzt.

Die Prüfung ergab, es "liegt für die Dachkonstruktion gar keine Baugenehmigung vor, die aber notwendig sei. Diese könne zwar nachträglich erteilt werden, allerdings sei dazu die nachbarschaftliche Zustimmung notwendig". Diese wird jedoch von der Betroffenen in der ausgeführten Form des "Bauwerkes" nicht gegeben, mit der vorgenannten Kompromisslösung (Abschluss auf der Mauer) könnte sie allerdings leben. Für Mittwoch, den 2. November, ist nun eine Ortsbesichtigung durch das Kreisbauamt vorgesehen, Teilnehmer der Kreisbauamtsleiter, dessen stellvertretende Leitung, sowie auch die Amtsleiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde. Wahrscheinlich werden auch der Besitzer des Anwesens Amtsgasse 32 und der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsverein mit anwesend sein, hierüber liegen keine Informationen vor. Man darf gespannt sein.
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