Erinnerung an die NS-Opfer: Gemeinde gedenkt mit Lesung am Holocausttag

Lesung der Autorin Imke Müller-Hellmann am Holocausttag (27.Januar) in Seeheim-Jugenheim
Seeheim-Jugenheim: Haus Hufnagel | SEEHEIM-JUGENHEIM. Wider das Vergessen der Opfer des Nationalsozialismus ist Ziel des Holocaustages. Daran erinnerte die Gemeinde mit einer Lesung der Bremer Autorin Imke Müller-Hellmann am vergangen Mittwoch. Über 80 Zuhörer waren ins Haus Hufnagel gekommen, um mehr über die Gräuel in den Konzentrationslegern zu erfahren.
Imke Müller-Hellmann wurde 30 Jahre nach Ende des Dritten Reiches im Jahr 1975 geboren. Mit ihrer Großmutter Elsche Müller, die in dem Ort von 1940 bis 1948 wohnte, besuchte sie den Gedenkstein für das KZ-Engerhafe, dem einzigen in Ostfriesland. Beim Besuch des Friedhofs mit vielen „exotischen“ Namen der Häftlinge verstummte Elsche Müller.
Insgesamt waren im KZ-Engerhafe zirka 2000 Gefangenen unter unvorstellbar grausamen Bedingungen inhaftiert. Die Ge-fangenen mussten einen Panzergraben ausheben.
„Eisiger Regen, Schnee, nasse Erde bis zu den Köcheln. Feuch-te Kälte, die bis ins Knochenmark drang und böiger Wind von der Meeresküste. Im November und Dezember mussten die durchnässten und nur mit Fetzen bekleideten Häftlingen in ihren Händen, die steif vor Kälte waren, einen Spaten halten und im matschigen Boden Löcher graben. Extreme Unterernährung, unhygienische Zustände, primitive Lebensbedingungen, Schmutz und menschenverachtende Behandlung verursachten die völlige Erschöpfung“, las die Autorin aus ihrem Buch
„Verschwunden in Deutschland“.
Elf Menschen von den 188 Ermordeten hat sie mit ihren Biographien in ihrem Buch ein Denkmal gesetzt. Doch sie vergisst kein Opfer, denn sie liest deren sämtliche Namen vor. Dabei spricht sie die Namen so aus, dass die Hörer die Herkunft der Länder Spanien, Polen, Frankreich, Niederlande und Portugal erkennen.
Imker Müller-Hellmann hat die Familien der Opfer in sieben Ländern besucht. Sie schilderte, was ihr auf den Reisen passierte und wie ihr die Hinterbliebenen begegnet sind. Manche von ihnen haben erst dadurch erfahren, wo ihre Angehörigen ermordet und begraben werden. Einige Frauen hatten auf die Rückkehr ihrer Männer gewartet. Eine Reihe von den Nachkommen besuchen den Friedhof und die Gedenkstätte in Engerhafe, einem Außenlager des KZ Neuengamme.



psj


Pressestelle der Gemeinde Seeheim-Jugenheim
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