Gemeinde verlegt 16 neue Stolpersteine

Wann? 16.11.2014 14:00 Uhr

Wo? Historisches Rathaus, Ober-Beerbacher Str. 1, 64342 Seeheim-Jugenheim DE
Seeheim-Jugenheim: Historisches Rathaus | SEEHEIM-JUGENHEIM. An weiteren sieben Orten werden in Seeheim und Jugenheim am Sonntag (16.November) Stolpersteine verlegt. Sechszehn Steine erinnern an jüdische Opfer, die von den Nationalsozialisten verfolgt, gequält, deportiert, ermordet, zur Flucht oder Auswanderung getrieben. Die Verlegung
beginnt um14 Uhr vor dem Historischen Rathaus, Ober-Beerbacher-Straße 1, anschließend geht es weiter zur Schloßstraße 24.
Der zweite Teil der Verlegung ist vor den Häusern Zwingenberger Straße 20 und Alsbacher Straße 34 in Jugenheim.
Schüler des Schuldorfes Bergstraße verlesen die Biografien der Opfer. An der Zeremonie beteiligt sind Bürgermeister Olaf Kühn, Rabbiner Andrew Steiman von der Budge-Stiftung aus Frankfurt, Pfarrer Martin Kleespieß und Ulla Becker von der Katholischen Kirchengemeinde sowie die Evangelischen Pfarrer Monika Bertram und Hans Peter Rabenau. Musikalische Beiträge leisten Monika Bertram, Felix Schmidt und Christian Kess-ler. Die Moderation hat Hans Josef Runde.
Getragen wird die Stolpersteinverlegung vom Runden Tisch „Wider das Vergessen von NS-Opfern“ und der Stabsstelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Gemeindevorstandes, dem Arbeitskreis Ökumene Seeheim-Jugenheim sowie von Soroptimist International Seeheim-Jugenheim.

Auguste Frank wohnte in der Darmstädter Straße Nummer 7. Das Ehepaar Milton und Hedwig Mayer betrieb in der Darmstädter Straße Nummer 9 einen Futtermittelhandel. Im Jahr 1933 erließen die Nazis einen Boykottaufruf gegen
jüdische Geschäfte. Das Paar fühlte sich immer häufiger judenfeindlichen Belästigungen ausgesetzt und zog deshalb 1938 nach Frankfurt am Main. Am 7. November 1938 wurde Milton Mayer verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar verschleppt. Nach seiner Entlassung flohen die Eheleute über Holland in die USA.
Sally Mayer lebte mit seiner Frau Klementine und den Töchtern Inge und Ruth in der Kirchstraße 1. Gegenüber in der Mühltalstraße 5 sorgte die alleinerziehende Cäcilie Silber für ihre Kinder Manfred und Gerdi. Die Nazis bewirkten, dass die Mutter ihren Arbeitsplatz im Hotel Hufnagel verlor und in die USA auswanderte. Ihr Sohn Manfred ging in den Widerstand und kämpfte in Frankreich in der Resistance. 1942 wurde er von den Nazi-Schergen gefasst und in das KZ Auschwitz deportiert. Er überlebte den mörderischen Todesmarsch ins KZ Belsen und wurde 1945 von englischen Soldaten befreit.

In der ehemaligen Synagoge (Schloßstraße 24) wohnte die Familie Willy, Else, Richard und Edith Schneider. Ada Brodnitz betrieb in der Zwingenberger Straße 20 eine Sprachschule.
In der Alsbacher Straße 34 hatte Dr. Julius Sachse sich ein Haus gebaut und wurde vom Deutschen Reich enteignet. Im September 1942 verhafteten die Nazis Dr. Sachse und deportierten ihn in das Konzentrationslager Theresienstadt. Dort wurde er am 30. Dezember 1942 ermordet.
Der Künstler Gunter Demnig, der diese Form der Erinnerung ins Leben rief und durchführt, kommt zum dritten Mal in die Gemeinde. Hier hat er bereits 24 Stolpersteine verlegt.
Ein Stein kostet 120 Euro. Gespendet wurden die kleinen Denkmale auf den Gehwegen von Bürgern.



psj


Pressestelle der Gemeinde Seeheim-Jugenheim
Pressesprecher Karsten Paetzold
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