Weitere Stolpersteine für jüdische Nachbarn

Wann? 21.11.2013 15:00 Uhr

Wo? Ludwigstraße 15-19, Ludwigstraße 15, 64342 Seeheim-Jugenheim DE
Seeheim-Jugenheim: Ludwigstraße 15-19 | Verlegung kleiner Denkmale in Jugenheim

SEEHEIM-JUGENHEIM. „Hier wohnte…“ so beginnt die Inschrift auf den Stolpersteinen, die an Juden und weitere Verfolgte des NS-Regimes erinnern. Zum zweiten Mal verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig im Rahmen seines Erinnerungsprojek-tes am Donnerstag (21.) in der Bergstraßengemeinde
Stolpersteine. Die Verlegung in Jugenheim beginnt um 15 Uhr vor dem Anwesen Ludwigstraße 15 – 19. Anschließend werden Steine vor den Anwesen Hauptstraße 24 und 48 in den Gehweg eingelassen.
Um die Inschrift, die den Vornamen und Familiennamen, das Geburtsjahr, den Deportationsort und das Deportationsjahr sowie Angaben zum Schicksal aufführt, lesen zu können, muss man sich verbeugen.
„Wider das Vergessen – Ständige Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus“, lautet der Auftrag, den die Gemeindevertretung der Gemeinde gegeben hat. Zusammen mit den Bürgern vom „Runden Tisch – Stolpersteine wider das Vergessen“ und der lokalen Organisation Soroptimist International bereitet die Stabsstelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Gemeindevorstand die Veranstaltung vor.
Nach der Ansprache der ersten Beigeordneten Karin Neipp, verlesen Schüler vom Schuldorf Bergstraße die Lebensläufe der jüdischen Opfer. Danach sprechen Vertreter der Evangelischen und Katholischen Kirchen ein Gebet. Umrahmt wird die Veranstaltung mit Musik. Als Gäste kommen vier Familienangehörige von Opfern. Sie reisen eigens von ihren englischen Wohnorten an. Finanziert werden die Steine mit Spenden von Bürgern.

Familie Koppel

Verlegt werden Steine für Heinrich, Julius, Mathilde, Karl und Irma Koppel. Heinrich Koppel (1870) führte in der heutigen Ludwigstraße die Pension „Sandmühle“. Sein Sohn Julius und dessen Frau Mathilde übernahmen die Pension, konnten sie aber aufgrund der NS-Gesetze nicht mehr halten. Sie wurden im Vernichtungslager Kulmhof ermordet. Vater Heinrich wurde im Vernichtungslager Treblinka umgebracht. Sein Sohn Karl verlor seine kassenärztliche Zulassung als Zahnarzt und floh mit seiner Frau Irma in die USA.

Familie Brodnitz

Der Facharzt für Chirurgie Siegfried Brodnitz (1866) verlor gleich zu Beginn der Nazi-Diktatur seinen Arbeitsplatz und wenig später auch die Erlaubnis zur Ausübung seines Berufes. Zusammen mit seiner Frau Ottilie wurde er ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort ermordet. Ihre jüngste Tochter Marta, die zuletzt als Krankenschwester in Frankfurt arbeitete, wurde nach Raasiku in Estland deportiert und getötet. Der Sohn Peter floh nach England und fiel als Soldat in Ita-lien im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Die ältere Tochter Louise war Dolmetscherin. Mit ihrem Mann, dem Chemiker Heinrich Türck, konnte sie sich mit ihrer Familie in England in Sicherheit bringen.

Moritz Abraham

Der arme Kleinwarenhändler Moritz Abraham (1882) wurde von den NS-Bürokraten diskriminiert. Bereits 1938 wurde er in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Dort wurde er gequält und schikaniert. Nach seiner Entlassung wurde er rund drei Jahre später erneut verhaftet und nach Piaski im besetzten Polen deportiert. Von hier aus wurden die Häftlinge in die Todeslager gebracht und ermordet.


Bürgermeister Olaf Kühn und die Mitglieder vom Runden Tisch bitten angesichts der mit gestohlenen Stolpersteinen aus einer Nachbarkommune eingeworfenen Fenster des Rathauses, dass viele Bürger an der Stolpersteinverlegung teilnehmen. Diese Tat wurde vermutlich von rechtsextremistischen Personen begangen worden. Zum Anlass könnten sie die Ausstellung gegen Rechtsextremismus vom Landesbüro der
Friedrich-Ebert-Stiftung, die derzeit im Rathaus gezeigt wird, und den 75. Jahrestag der Reichspogromnacht genommen haben.



psj


Pressestelle der Gemeinde Seeheim-Jugenheim
Pressesprecher Karsten Paetzold
Tel.: 06257 99 01 03
Fax: 06257 99 04 81
Mobil: 0151 18 69 39 52
Email: karsten.paetzold@seeheim-jugenheim.de
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