11. September 2011 Tag des offenen Denkmals im Heimatmuseum Biebesheim

Wann? 11.09.2011

Wo? Heimatmuseum Biebesheim, Rheinstraße 44, 64584 Biebesheim am Rhein DE
 
Tag des offenen Denkmals 2010 im Hof des Biebesheimer Heimatmuseums.
 
Spinn- und Webkreis im Heimat- und Geschichtsverein Biebesheim im Heimatmuseum Biebesheim am Rhein
Biebesheim am Rhein: Heimatmuseum Biebesheim | Nachmittags Vorführungen
des Spinn- und Webkreises

„Denkmalschutz live“ – so könnte man die Idee auf den Punkt bringen, die in den vergangenen zehn Jahren rund 40 Millionen Bundesbürger auf die Beine brachte.

In Deutschland wurde der Tag des offenen Denkmals erstmals 1993 bundesweit gefeiert. Hessen war allerdings das erste Bundesland, das sich bereits 1990 an den internationalen Aktivitäten zum Tag des offenen Denkmals beteiligte.

Seinen Ursprung hat der Tag des offenen Denkmals in Frankreich. Erstmals 1984 veranstaltet, war die Aktion dort auf Anhieb ein großer Erfolg, der rasch auch andere europäische Länder mitriss. So griff der Europarat den Gedanken auf und rief 1991 die „European Heritage Days“ ins Leben. 2010 beteiligten sich 49 Länder Europas. So nutzen Jahr für Jahr europaweit rund 20 Millionen Menschen – davon allein 4,5 Millionen in Deutschland – die Gelegenheit, mehr als 30.000 Denkmale zu besichtigen.

„Romantik, Realismus, Revolution – Das 19. Jahrhundert“ heißt das Motto des Tags des offenen Denkmals 2011. Damit widmet sich der Denkmaltag einer der stilistisch vielseitigsten und an technischen Neuerungen reichsten Epochen der Bau- und Kunstgeschichte.

Politisch wie gesellschaftlich war das 19. Jahrhundert von Umbrüchen geprägt: Durch die napoleonischen Kriege und den Rheinbund wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation handlungsunfähig und erlosch. Napoleons Einfall, die Neuordnung Europas im Wiener Kongress1815
und die Reichsgründung 1871 brachten weit reichende strukturelle Veränderungen mit sich. Infolgedessen wurden auch viele kirchliche Besitztümer, Institutionen und Herrschaftsgebiete aufgelöst oder von weltlichen Herren übernommen. Weiterentwicklungen wie auch Rückgriffe prägten nicht nur das gesellschaftliche und politische Leben des 19. Jahrhunderts, sondern nahmen auch starken Einfluss auf die Architektur und die bildenden Künste dieser Zeit.

Wirtschaftliche Blüte, verbesserte Reisewege und Transportmittel machten das Reisen im 19. Jahrhundert vielen Künstlern und Wissenschaftlern möglich. Ideen und Stile wurden neu miteinander
kombiniert und über die Landesgrenzen hinaus ausgetauscht. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der eigenen Geschichte sowie deren romantische Verklärung führten in Architektur und bildender
Kunst zu einer Rückbesinnung auf die Formensprache der Vergangenheit: Von der Kunst der Antike bis zum Barock wurden die unterschiedlichen Elemente miteinander verbunden und quasi neue Stile
entwickelt. Die Beschäftigung nicht nur mit der klassischen Antike, sondern insbesondere mit den regionalen archäologischen Hinterlassenschaften war gleichzeitig die Geburtsstunde der modernen Archäologie. Erstmals erfolgten planmäßig durchgeführte Ausgrabungen.

Die Industrialisierung verursachte auch tiefgreifende Veränderungen in der Baukultur. Gerade in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebten die Orte einen massiven Umbau, der auf neuen architektonischen Konzepten basierte. Auch in Biebesheim am Rhein gab es im 19. Jahrhundert viele Veränderungen. Nachstehend eine kleine Aufzählung von wesentlichen Veränderungen.

Schlägt man in dem Chronikteil, der von Norbert Hefermehl geschrieben wurde, des Buches „800 Jahre Biebesheim 1209-2009“ nach, findet man eine Vielzahl von Einträgen aus dieser Epoche.

In Biebesheim wurde 1805 von der Gemeinde unweit des Rathauses (heute: Rheinstraße 44) ein Schulhaus mit Lehrerwohnung errichtet. 1902 werden an das Schulgebäude (heute Heimatmuseum) zwei Schulsäle angebaut.

1856 wird das Schulhaus Kirchgasse 24 abgebrochen und ein neues errichtet. Sie wird am 08.01.1857 eingeweiht.

Das von der Gemeinde südlich der Kirche neu errichtete Schulhaus Kirchgasse 18 wird am 15. Dezember 1862 seiner Bestimmung übergeben.

Das Schulhaus Falltorstraße 10 (Langertschul) wird 1883 in eingeschossiger Bauweise übergeben.

Die Einweihung der neuen Kleinkinderschule Rheinstraße 21 erfolgt am 29. Juli 1894. Errichtet wird sie auf einem von Ludwig Jockel III. geschenkten Grundstück nach Plänen des Kreistechnikers Lohr aus Groß - Gerau.

Der Biebesheimer Schutzjude Wolf Mainzer kauft am 28.08.1818 von Christoph Rothenstein ein Haus, das „solange hier und in Stockstadt Judenschaft bestehe“ als Synagoge dienen soll.

Der Neubau der Synagoge im „Odenwald“, der heutigen Bahnhofstraße 12 wird durch Landesrabbiner Dr. Landsberger am 22. November 1867, unter Anwohnung einer großen Einwohnerzahl von hier und auswärtiger Israeliten im Beisein des hiesigen Kirchenvorstandes eingeweiht. Vorsteher der jüdischen Gemeinde ist Salomon Wachenheimer. Das Gebäude ist heute noch erhalten und dient umgebaut als Wohn- und Geschäftshaus.

Die Arbeiten für den Rheindurchstich am Geyer beginnen am 31. März 1828 mit der Ausgrabung eines Kanals in einer Breite von 9,5 Klafter (= 17,38 m) Die Arbeiten dauern ein Jahr.
Die Kosten für die Ausführung des Projekts werden von dem hessischen Oberbaudirektor Kröncke auf 237.858,-- Gulden geschätzt. Diesen erheblichen Kosten stellt er u. a. den bedeutenden Landgewinn gegenüber die durch die zukünftige Verlandung des Altrheins entstehen sollte. Er errechnete ca. 2.700 Morgen, die allerdings durch immer wieder durchgeführte Ausbaggerung des Altrheins nie erreicht werden.
Erste Überlegungen zu dieser Rheinbegradigung gehen auf den Ing. J. F. Karge zurück die dieser bereits 1741 in einer Zeichnung festhielt.
Der Neurhein wird am 28. Februar 1829 eröffnet. Es entsteht die Insel Kühkopf.

Das Domanialgut Lusthausen wird am 13.01.1837 öffentlich auf Abbruch versteigert.
Es nahmen 70 Biebesheimer Bürger an der Auktion teil. Mit dem Abbruchmaterial wird eine Scheune in der Hofreite Volz, Rheinstraße 98 erbaut. Weiteres Baumaterial soll bei der Errichtung der Wohnhäuser Falltorstraße 21 und 23 sowie Neugasse 32, 34 und 36 verwendet worden sein. Die Ländereien werden dem Rentamt Dornberg zur Verwaltung unterstellt.

Im Protokoll der Gemeindeversammlung (Achtzehnergericht) Biebesheim vom 09.01.1839 ist vermerkt: „In diesem Jahr wurde die Provinzialstraße von Groß - Gerau angelegt und die Richtung derselben durch Vermittlung unserer Großh. Herrn Kreisraths Grein von Großh. Staatsregierung über hier und Stockstadt bestimmt, und wurde auch gleich die Planierarbeit durch Großh. Kreisbaumeister Emmeland von dort, durch das Gernsheimer Feld bis an die Gernsheimer Grenze gefertigt. Das Gelände zu dieser Straßenstrecke, wo der Bau darauf liegt, hat die Gemeinde angekauft und kostet 3.012 Gulden….“
Mit dieser Straße (der sogenannten Chaussee nach Gernsheim) wird für Biebesheim eine neue Straßenverbindung nach Gernsheim geschaffen.
Gleichzeitig wird durch den Ausbau der Provinzialstraße 278 die sogenannte „Stockstädter Chaussee“ geschaffen.

Am 5. Dezember 1890 befasst sich der Gemeinderat mit dem Ausbau des Hahner Straße (heute Waldstraße) als Chaussee von Biebesheim nach Crumstadt, zur Bruchmühle und Hahn. Am 22.Januar 1894 wird beschlossen den Ausbau zu beantragen. Diesem Antrag wird offenbar entsprochen, da der Chausseecharakter bis nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten bleibt. Die heutige Bezeichnung Waldstraße (mundartl. Waldchaussee) ist auf die früher überwiegende Bewaldung der Ostgemarkung zurückzuführen.

Am 16.11.1889 wird eine Straßenbeleuchtung mit 34 Petroleumlaternen eingeführt, die an verschiedenen Häusern montiert werden.

1891 bis 1897 werden 20 Hofreiten an der neuen Straße (Beinstraße) bis zur heutigen Beinstraße 28 erbaut. 1894/95 entstand ein weiteres Stück Beinstraße um die geplante Verbindung zum Stuprich herzustellen.

Nach der Erstellung eines neuen Brandkatasters 1896 nach Straßen und Hausnummern, werden durch die Gemeinde 1897 die ersten 25 Straßennamensschilder und 361 Hausnummernschilder angeschafft. Es gibt folgende 13 Ortsstraßen: Rheinstraße, Bahnhofstraße, Riedstraße, Neugasse, Krummgasse, Beinstraße, Dammstraße, Sackgasse, Rathausgasse, Kirchgasse, Falltorstraße, Eisenbahnstraße und Hahnweg.

1899 wird mit der Bebauung der Gernsheimer Straße begonnen. Bis zum Beginn des 1. Weltkrieges waren vier Wohnhäuser und ein Geschäftshaus errichtet. Auch mit der Bebauung der Heinrichstraße und der Riedstraße von der Eisenbahnstraße her wird begonnen. Bis zum ersten Weltkrieg werden zehn Wohnhäuser erstellt.

1870/71Deutsch/Französischer Krieg, in dem auch eine Reihe von Biebesheimern ihr Leben lassen. 1907 wird ein Ehrenmal errichtet, das in der Rheinstraße steht.

Aber auch sonst gibt es eine Reihe von Interessanten Meldungen aus dem 19. Jahrhundert.

1850 verbietet Das preußische Vereins - und Versammlungsgesetz „Frauenpersonen, Geisteskranken, Schülern und Lehrlingen“ die Mitgliedschaft in politischen Vereinen. Frauen können erst ab 1908 Mitglied einer Partei werden.

In einer Extra - Beilage zum Großgerauer Wochenblatt Nr. 43 vom 13.10.1854 ist zu lesen.
Betreffend: Die dermalige Theurung, hier die Abgabe von frischem Brod von Seiten der Bäcker.
Das Großherzogliche Hessische Kreisamt Großgerau an sämmtliche Großh. Bürgermeister des Kreises.
Da die Beschwerden, daß bei den Bäckern bisweilen gar kein Brod und trockenes Brod nur selten zu erhalten sey, täglich sich mehren, und da frisch gebackenes Brod weniger sättigt, als solches, welches vor mehreren Tagen gebacken worden ist, so sehe ich mich in Folge Ermächtigung Gr. Ministeriums des Innern vom 11. d. M. ad Nr. D 14008 veranlaßt, hierdurch zu bestimmen, daß die Bäcker stets mit Vorräthen von mehreren Tage altem gewöhnlichen Schwarzbrodes, welches nicht wenigstens zwei Tage alt ist, zu untersagen, und zwar bei einer Strafe von 30 kr, bis 3 fl. für jeden Contraventionsfall.
Dr. Werle

Am 1. Januar 1872 erfolgt die gesetzliche Einführung des metrischen Systems.

1882 findet man im Garten der Gebrüder Nau in Biebesheim an der Gernsheimer Straße in einer Sandkaute die Überreste zweier menschlichen Skelette, die von Friedrich Kofler als einem fränkisch - allemanischen Friedhof zugehörig bestimmt werden, der sich in diesem Gebiet befindet.
In einem dritten Grab findet sich ein kleines zierliches Glasgefäß von 10 cm Höhe mit weitem Bauch und hohem engen Hals.

Es gab eine Reihe von Vereinsgründungen, darunter 1860 der Männergesangverein „Concordia“. Die Leitung hatte Lehrer Baier. Die handgemalte, aufwendig restaurierte Fahne dieses Vorgängervereins des Gesangvereins Harmonie ist im Heimatmuseum erhalten und kann am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden.

In der Landwirtschaft versuchte man u.a. die Einkommenslage durch Verbesserung der Viehzucht zu verbessern. So kauft eine Kommission der Gemeinde Biebesheim mit Bürgermeister Voltz und den Gemeinderäten Büttel und Nau 1863 fünf Zuchtfarren in der Schweiz um die Rindviehzucht zu verbessern.
Am 5.Oktober 1875 findet der erste Zuchtviehmarkt in Biebesheim mit Tierauftrieb in der Rathausgasse und der Rheinstraße statt. Anbinderinge sind heute noch am Heimatmuseum erhalten.
Dieser „Biebesheimer Viehmarkt“ wurde über 100 Jahre in Biebesheim am Rhein gefeiert.
Die Verbesserung der Verkehrswege erfolgte nicht nur im Straßenbau sondern auch mit der Bahn.
Am 4. April 1868 wird die Konzession für die Riedbahn Mannheim - Frankfurt erteilt. Im September beginnt die Hessische Ludwigsbahn mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Darmstadt bis Gernsheim.
Eröffnung der Riedeisenbahn Darmstadt – Gernsheim, mit dem Namen „Ludwigs - Eisenbahn“ am 15.04.1869. Die Baukosten werden auf die Gemeinden mit 5000 Gulden pro Meile umgelegt, d. h., Biebesheim hat 12.000 Gulden zu bezahlen. Biebesheim wird Bahnstation mit einem kleinen Holzhaus als erstes Stationsgebäude. Erster Bahnhofsvorsteher ist Herr Roos.

Die Hessische Ludwigsbahn schreibt 1882 die erforderlichen Arbeiten zur Erbauung von vier Bahnwärterhäusern mit Stall in den Gemarkungen Stockstadt, Biebesheim, Gernsheim und Biblis sowie eines Magazins mit Ställen in der Station Goddelau - Erfelden aus. Das Biebesheimer Bahnwärterhaus befand sich an dem Bahnübergang Hahnweg und wurde nach Schließung des Übergangs und Stilllegung des Weges abgerissen.

In Biebesheim begann in dieser Zeit auch die Industrialisierung in kleinem Rahmen.

Georg Heinrich Nau betreibt 1885 auf dem Grundstück Rheinstraße 30 eine Ölmühle mit einem Mahlgang, die von einem Göpelwerk angetrieben wird. Ende des 19. Jahrhundert wurde der Betrieb eingestellt. Erhalten blieb ein Mühlstein in der Einfriedigung, den man auf der Seite zur Beinstraße sichtbar eingemauert hat.

Die Gründung der Biebesheimer Mühle durch Friedrich Wedel erfolgte 1888. Diese hat einen Mahlgang der durch eine Dampfmaschine (mundartliche Bezeichnung: Dambmiehl) angetrieben wird. Die Mühle besteht heute nicht mehr.

1893 gründet Georg Friedrich Nau eine Drahtflechterei in der Rheinstraße 30. Dies kann als wahrer Beginn der industriellen Entwicklung in Biebesheim angesehen werden.

Noch ein kleines Kuriosum ereignete sich im 19. Jahrhundert in Biebesheim am Rhein.

Um 1900 ereignet sich der erste Verkehrsunfall mit einem Automobil. Dem Groß-Gerauer Spenglermeister Jean Kleinböhl (Klaobeehls Schao), dem ersten Autobesitzer Groß-Geraus, bricht bei seiner ersten Ausfahrt mit seinem Benz (s´Allaolaafsche wie es die Groß-Gerauer nannten) in Biebesheim ein Rad und er muss zwei Tage lang auf ein Ersatzrad warten.

Das Biebesheimer Heimatmuseum ist an diesem Tag erstmals wieder nach der Sommerpause, vormittags von 10.00 bis 12.00 und nachmittags von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Zu sehen sind neben der Dauerausstellung im Museum die Sonderausstellung: „40 Jahre Verschwisterung mit Romilly-sur-Andelle und 25 Jahre Verschwisterung mit Palo del Colle“ und in der Treppenhaus-Galerie im Museum die Bilder von Heinrich Wedel unter dem Thema „Engel und ihre heilende Kraft“.

Nachmittags werden die Damen des Spinn- und Webkreises wieder den Besuchern Einblicke in diese alten, früher in nahezu allen Häusern üblichen, Tätigkeiten Spinnen und Weben geben. Tätigkeiten die im 19. Jahrhundert noch zum Alltag gehörten.

Bei schönem Wetter wird der Spinn- und Webkreis im Museumshof, bei nicht so schöner Witterung im Museum arbeiten.
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