Dreihunertfufzischst Biwesemer Kerb - 350. Biebesheimer Kirchweihfest

350. Kirchweihfest in Biebesheim am Rhein
  In diesem Jahr können die Biebesheimer die 350. Kerb (Kirchweih) feiern.

Das Heimatmuseum Biebesheim zeigt dazu eine Ausstellung mit historischen Bildern und Filmaufnahmen, Kerwereden und mehr.

Die ab 1659 errichtete Notkirche wurde, vier Wochen nach Ostern am Sonntag Kantate, dem 15. Mai 1665, eingeweiht. An diesem Sonntag wurde, erstmals nach dem 30jährigen Krieg, die Biebesheimer Kirchweih (Biwesemer Kerb) gefeiert. Es zeigten sich aber bald Schwierigkeiten, so dass es zu Reibereien kommt und die Obrigkeit eine „Verwilligung“ herausgibt, dass die Kerb alljährlich auf Rogate, vier Wochen nach Ostern, gehalten werde. Seitdem hat Biebesheim am Rhein eine der ersten Kerwe im Ried, während in allen umliegenden Dörfern die Kerb meistens im Herbst gefeiert wird.

Die später neu errichtete Kirche wurde durch den Superintendenten Waitzel am 7. November 1773
eingeweiht. Die Bauarbeiten leitete der Darmstädter Baumeister Johann Martin Schuhknecht.
Mit der Neuerrichtung der Kirche wurde auch eine neue Orgel von dem Orgelbauer Onimus aus Mainz aufgestellt, die bis 1834 ihren Dienst tat. Eine öffentliche Kerb wurde aber aus diesem Anlass nicht gehalten, da eben nach der älteren „Verwilligung“ die öffentliche Kerb an Rogate (4 Wochen nach Ostern) gehalten wird.

Sicherlich feiern die Biebesheimer bereits seit über 800 Jahren Ihre „Kerb“, vielleicht nicht in gleicher Weise und wahrscheinlich nicht zum gleichen Zeitpunkt, aber sie ließen sich eine derartige Möglichkeit zum Feiern sicherlich nicht entgehen. Denn wenn es 1209 bereits ein reparaturbedürftiges Kirchendach gab, zu dem die Erbacher Mönche eine Summe Geld für die Ausbesserung des „Bubelnsheimer“ Kirchendaches gaben, dann gab es auch ein Kirchweihfest, denn diese Kirche wurde irgendwann vorher geweiht.

Der Brauch neuerbaute Kirchen zu weihen soll bereits aus dem 4. Jahrhundert stammen. Im Rahmen eines feierlichen Messegottesdienstes übergab der zuständige Bischof das Gotteshaus seiner Bestimmung. Im Laufe der Zeit wurde es üblich, dem „gemeinen Kirchenvolcke“ mit mehrtägigen Schmausereien und Lustbarkeiten das Andenken an den großen Tag „lieblich erfahrbar“ zu machen.

Die Kirchweihfeste entstanden etwa seit dem 9. Jahrhundert. Sie wurden von Pabst Gregor I. sogar ausdrücklich angeordnet.

Auch nachdem Biebesheim reformiert war, also 1535, wurde sicherlich eine Kerb weiterhin gefeiert, vielleicht auch noch zu dem vermutlichen vorherigen Termin.

„Do honn die Kerl gedanzd wie de Lumb am Stegge.“ Wenn auch der Reformator Dr. Martin Luther gegen diese Feste war, haben es sich die Biebesheimer sicherlich nicht nehmen lassen diesen „höchsten Feiertag“ im Jahr mit Musik und Tanz zu begehen. Denn sonst bot der dörfliche Alltag , neben familieren Feiern nicht allzu viele Möglichkeiten. Luther störten die Unsittlichkeiten die dann vorzufallen pflegten. In seiner Hauspostille wettert er in gewohnt deutlicher Weise: „Derohalben christliche Obrigkeit von Amts wegen die Kirchweihfeste, solch säuisch Gefräß und unordentlich Leben billig abzuschaffen und mit harter Strafe wehren soll.“

Die Kirchweih als kirchlicher Tag der Erinnerung wurde immer mehr von der weltlichen Kerb mit ihrem Jahrmarktrummel abgelöst. So auch in Biebesheim am Rhein, wo erst in den letzten Jahren wieder gelang beides, durch einen Gottesdienst am Samstagabend, in Verbindung zu bringen.

1968 war der Brauch der „Kerweborsch“ mehr oder weniger „einschlafen“und es wurde die Biebesheimer „Kerb“ ohne „Kerwe-Borsch“ gefeiert. Auf Initiative der Gemeinde Biebesheim auf der einen und einer weiteren Gruppe ehemaliger „Kerweborsch“ auf der anderen, wurde der alte Brauch wieder belebt und es gibt heute einen „Kerweborsch-Verein“. Wobei aber auch noch weitere Biebesheimer Gaststätten zeitweise „Kerweborsch“ hatten und haben.

Früher hatte jede Biebesheimer Gaststätte, die einen Saal hatte eigene „Kerweborsch“. So gab es zeitweise bis zu fünf Gruppen, die für „ehr Wertschaft de Baam geholt un die Kerweredd“ gestaltet haben. Denn Biebesheim hatte eine Vielzahl von Gaststätten die mehr oder weniger große Säle für Tanzveranstaltungen hatten.

Als 1930 der Biebesheimer Marktplatz gebaut worden war wurde, neben dem Biebesheimer Viehmarkt, auch die Biebesheimer Kerb dort gefeiert. Nach der Errichtung der Rheinhalle wurde dike „Kerb“ dorthin verlegt und als das neue Rathaus bezogen war, verlegte man den „Kerweplatz“ dahin, da sich gezeigt hatte, dass die „Kerb“ am Rande des Ortes bzw. damals sogar noch außerhalb des Ortes von der Bevölkerung nur bedingt angenommen wurde.

Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit diese wieder auf den Marktplatz zu verlegen, nachdem sich dieser vor einigen Jahren neu ausgebaut, wieder zu einem gut angenommenen Platz im Ortszentrum entwickelt hat.

Die Sonderausstellung „Dreihunertfufzischst Biwesemer Kerb“ wird, eine Woche vor der offiziellen Kirchweih, am Freitag, dem 09. Mai 2014 um 19.00 Uhr eröffnet. Danach ist sie am „Kerwesunndag“ von 10.00 bis 12.00 und von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Bis zum Ausstellungsende am 07. September 2014 kann die Ausstellung dann sonntags von 10.00 bis 12.00 Uhr besucht werden. Sondertermine für Gruppenbesuche können unter der Telefon-Nr. 06258-81599 vereinbart werden.
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