Sonderausstellung Biebesheimer Schulen im Museum 15.11.2013-04.05.2014

Schule Rheinstraße 44Heute Heimatmuseum Biebesheim
 
Schule Ludwigstraße, heute Nibelungenschule Biebesheim am Rhein
Das Biebesheimer Heimatmuseum zeigt vom 15.11.2013 bis 04.05.2014 eine Sonderausstellung zu den Biebesheimer Schulen. Das Heimatmuseum befindet sich in der ehemaligen Schule in der Rheinstraße 44, die 1805 als Schulhaus mit Lehrerwohnung, errichtet wurde. An dieses Gebäude wurden 1902 zwei weitere Schulsäle angebaut und 1907 wurde die Lehrerwohnung auch zu einem weiteren Schulsaal umgebaut.

Bereits 2000 Jahre v.u.Z. gibt es die ältesten Hinweise auf Schulen und auch die antiken Griechen und Römer verfügten über ein Schulwesen. Im 7. Jahrhundert gründeten die christlichen Missionare das neue Schulwesen. Allerdings gab es für Laien kaum schulische Bildung. Kinder, meist im Alter von 7 Jahren, die an Geistliche in den Klöstern übergeben wurden erhielten überwiegend Unterricht mit heiligen Büchern und der Schrift. In den Klosterschulen standen Schönschreiben und das Aufsagen von Bibelversen auf dem Stundenplan, ferner war die Teilnahme am Gottesdienst und der Chorgesang verpflichtend.

Erst ab dem 13. Jahrhundert kamen städtischen Schulen auf, die mehr Wert auf Allgemeinbildung legten. In den Schulen des Mittelalters waren meist Schreib- und Rechenmeister tätig, wie beispielsweise Adam Riese in Nürnberg.

Die Schulen der Neuzeit tauchen erst mit dem Beginn des Humanismus und der Reformation auf. 1480 gab es das erste gedruckte Buch für Schulen.

Die Entstehung und der Ursprung der Dorfschulen sind auf die Reformation zurück zu führen. Martin Luther hat schon früh die Aufmerksamkeit auf die Schulen gelenkt. Nach seiner Idee der „Allgemeinen Volksbildung“ sollte es nur noch weltliche Schulen geben. Denn wer an dem bewegten Geschehen jener Zeit teilnehmen wollte, musste lesen können. Es ist bekannt, wie sehr die Reformatoren Wert darauf legten, dass Menschen lesen und schreiben lernten. Luther Schrieb: „Es sei besser, 100 Gulden für die Erziehung eines Kindes aufzuwenden, als einen Gulden für den Türkenkrieg. Auch der weltliche Stand bedarf feiner, beschickter Männer und Frauen.“ Diese Gedanken haben zu seiner Zeit tiefen Eindruck hinterlassen.

Die mit der Reformation in Hessen 1528 erlassene Schulordnung bestimmte, dass in allen Städten und Dörfern Schulen sein sollen, in welchen die Knaben in Religion, Lesen und Schreiben unterrichtet werden. Doch brauchte es, bis dieses Ziel erreicht war, noch lange Zeit.

Die Geschichte der Biebesheimer Schulen beginnt allerdings bereits 1570/74 als die erste Biebesheimer Schule unter dem Superintenden Peter Volzius, in der Regierungszeit von Landgraf Georg I. von Hessen Darmstadt, gegründet wurde. Die evangelische Kirche errichtete dazu das erste Schulgebäude in der Kirchgasse 24, das allerdings bereits 1673 wieder als baufällig bezeichnet wird. Für die Zeit von 1577 bis 1579 ist Philipp Glutsmann von Nidda als Schulmeister für die hiesige Schule benannt.
Ein besonderes Problem war immer die Finanzierung einer Schule. Ein für damalige Verhältnisse reicher Kirchenkasten dürfte zu dem frühen Vorhandensein einer Schule in Biebesheim beigetragen haben.

1628 versucht Georg II. die Eltern für die allgemeine Schulpflicht zu gewinnen indem er schreibt: „Das fleißige Unterrichten der Kinder ist so nützlich, ja viel notwendiger als Essen und Trinken. Die Leute sind nicht von Wert Eltern zu heißen, ja man sollte sie nicht im Lande leiden, welche Kinder von der Schule und von der Ergreifung der heilsamen Lehr und Religion liederlich und schändlich abhalten“.

Ab dem Jahr 1659 verfügte die Gemeinde Biebesheim, ohne Unterbrechung, über einen Schulmeister.

1706 wurde die Biebesheimer Schulordnung des Schulpraeceptor Luft dem Oberkonsonsistorium zur Begutachtung vorgelegt. Ein Visitationsbericht über die Biebesheimer Schule war Anlass zur Neuordnung des hessischen Schulunterrichts. So bildete die Biebesheimer Schulvisitation und Schulordnung einen Merkstein in der hessischen Schulgeschichte.

Erst im 19. Jahrhundert bildeten sich Gymnasien und Realschulen. Ab 1834 war die Abiturprüfung Voraussetzung zum Studium an Universitäten. Erst ab 1908 durften auch Mädchen Abitur machen und eine einheitliche Grundschule für die ersten vier Klassen gibt es erst seit 1920. Biebesheim hatte allerdings immer nur eine Volksschule. Weiterführende Schulen waren außerhalb an anderen Orten, so dass Kinder die diese besuchen wollten nach der vierten Klasse per Bahn, Bus oder Fahrrad dorthin fahren mussten.

All diese geschichtlichen Daten, auch über die weiteren Schulgebäude, die in den letzten über 400 Jahren in Biebesheim errichtet wurden, sowie natürlich Bilder von Schulklassen von Anbeginn der Fotografie bis heute sind Gegenstand der Ausstellung, neben entsprechenden Exponaten aus dem Schulalltag, wie Schulbänke, Schultafeln, Schulbücher, Schulhefte, Schulranzen usw.

Die Ausstellung wird am 15. November 2013 um 19.00 Uhr eröffnet und ist danach sonntags von 10.00 bis 12.00 Uhr und ein großer Teil der Klassenbilder auch donnerstags von 17.30 bis 19.30 Uhr in der Galerie zu sehen. Für Gruppenbesuche können unter der Telefonnummer des Museums 06258-81599 Sonderöffnungszeiten vereinbart werden.
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