Tag des offenen Denkmals im Heimatmuseum Biebesheim am 08.09.2013, Nachmittags arbeitet der Spinn- und Webkreis

Das Motto des Denkmaltags am 8. September 2013 heißt: "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?". Damit steht 2013 ein Thema im Mittelpunkt, das einen außerordentlich weiten Interpretationsspielraum lässt und sich auf so gut wie alle Denkmale und Denkmalgattungen beziehen lässt. Das Motto greift die zentralen Fragestellungen der Denkmalpflege auf, die am Tag des offenen Denkmals öffentlich diskutiert werden sollen: Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb? Was macht Denkmale unbequem und warum? Gibt es überhaupt "bequeme" Denkmale?
In Deutschland wurde der Tag des offenen Denkmals erstmals 1993 bundesweit gefeiert. Hessen war allerdings das erste Bundesland, das sich bereits 1990 an den internationalen Aktivitäten zum Tag des offenen Denkmals beteiligte.
Seinen Ursprung hat der Tag des offenen Denkmals in Frankreich. Erstmals 1984 veranstaltet, war die Aktion dort auf Anhieb ein großer Erfolg, der rasch auch andere europäische Länder mitriss. So griff der Europarat den Gedanken auf und rief 1991 die „European Heritage Days“ ins Leben. 2010 beteiligten sich 49 Länder Europas. So nutzen Jahr für Jahr europaweit rund 20 Millionen Menschen – davon allein 4,5 Millionen in Deutschland – die Gelegenheit, mehr als 30.000 Denkmale zu besichtigen.

Das Biebesheimer Heimatmuseum, das sich in einem denkmalgeschützten Gebäude befindet, gilt heute nicht mehr als „unbequemes“ Denkmal, obgleich die derzeit in Planung befindliche Neukonzeption des Museums durch den Umstand unter Denkmalschutz zu stehen nicht ganz so einfach umzusetzen ist, wie Maßnahmen an einem nicht geschützten Bauwerk. Aber sicherlich durchaus machbar sein wird, wenn von Anfang an die entsprechenden Stellen eingebunden werden.

Das Gebäude wurde in zwei Bauphasen errichtet. Den älteren Teil ließ die Gemeinde 1805 bauen. 1902, mit der Einführung V. und VI. Schulklasse, wurde eine Erweiterung notwendig. Es wurden zwei weitere Schulsäle angebaut. 1907 erfolgte ein weiterer Umbau und es wurde aus der ehemaligen Lehrerwohnung ein vierter Schulsaal. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Gebäude nahezu 150 Jahre ausschließlich zu schulischen Zwecken genutzt.

Danach wurde das Gebäude durch verschiedene Gruppen und Institutionen, wie dem Deutschen Roten Kreuz Ortsgruppe Biebesheim und der Allgemeinen Ortskrankenkasse genutzt. Im oberen Stockwerk wurde in dem älteren Teil die Gemeindebücherei untergebracht und 1964 wurde in dem neueren Raum des 1. Stockwerkes, durch den ehemaligen Lehrer und Ehrenbürger der Gemeinde Biebesheim, Wilhelm Menger, erstmals der Versuch unternommen ein Ortsmuseum einzurichten,

1979 wurde dann das heutige Heimatmuseum durch den neu gegründeten Heimat.- und Geschichtsverein Biebesheim e.V. eingerichtet. Es befindet sich derzeit in den beiden unteren ehemaligen Schulsälen und im Gewölbekeller, sowie in einer Remise. 1989 richtete man noch die Treppenhaus-Galerie im Museum ein, die regionalen Künstlern Möglichkeiten zu Ausstellungen gibt.

Biebesheim am Rhein hat darüber hinaus noch eine ganze Reihe von weiteren denkmalgeschützten Bauwerken. Die Evangelische Kirche, verschiedene Wohnhäuser, eine Reihe von Grabdenkmälern auf dem Friedhof und die beiden Kriegerdenkmale, die teilweise auch als „unbequem“ angesehen werden.

Nicht jedes Gebäude kann und muss erhalten werden. Jedoch ist für jede Gesellschaft eine gründliche Auseinandersetzung und bewusste Entscheidung darüber, welche Denkmale wir schützen oder abreißen und aus welchen Gründen, notwendig, um unsere Vergangenheit in all ihrer Schönheit, ihrem Zauber aber auch ihrer Brutalität und Gewalt für künftige Generationen als unser Erbe sichtbar zu bewahren.

Die Denkmalschutzgesetze und weitere Richtlinien geben erste Antworten auf diese Fragen. Der Einzelfall muss aber immer als solcher von Fachleuten verschiedener Disziplinen sowie der Öffentlichkeit diskutiert werden. Denn jedes Denkmal hat eine einzigartige Geschichte, einen einzigartigen baulichen Zustand und steht räumlich in einem einzigartigen Kontext.

Das Biebesheimer Heimatmuseum ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus einem vor 50 Jahren als zeitweise „unbequemen“ Denkmal, bei der richtigen Nutzung und damit verbundenen Akzeptanz in der Bevölkerung ein „bequemes“ Denkmal werden kann. Mit der derzeit in Planung befindlichen Neukonzeption des Museums wird sicherlich ein weiterer Schritt weg von einem ehemals „unbequemen“ Denkmal getan werden.

Das Biebesheimer Heimatmuseum ist an diesem Tag vormittags von 10.00 bis 12.00 und nachmittags von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Zu sehen sind, neben den Dauerausstellungen im Museum und der Remise, die Sonderausstellung: „150 Jahre Deutsches Rotes Kreuz- 80 Jahre Deutsches Rotes Kreuz Ortsvereinigung Biebesheim“ und in der Treppenhaus-Galerie im Museum die Ausstellung „Kunst ist bunt“. Eine Ausstellung mit Kunstwerken aus den Werkstätten für Behinderte (WfB) Rhein-Main e.V., Biebesheim am Rhein.

Nachmittags werden die Damen des Spinn- und Webkreises im Heimat- und Geschichtsverein wieder zeigen wie Wolle und andere Materialien versponnen und weiter verarbeitet werden. Bei schönem Wetter wird der Spinn- und Webkreis im Museumshof, bei nicht so schöner Witterung im Museum arbeiten.
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