Integration ist machbar! Ein Erfolgsbericht aus Brombachtal

„Was machen denn eigentlich die Flüchtlinge?“ Diese Frage bekommen viele aus dem Helferkreis Flüchtlinge in Brombachtal immer wieder gestellt. Und tatsächlich ist in den 15 Monaten, die die acht Männer aus Afghanistan nun in Brombachtal leben, sehr viel passiert.

Viele werden sich noch an die Männer erinnern, die in die liebevoll eingerichtete Wohnung in der Jahnstraße einzogen und kaum ein Wort Deutsch sprachen. Über die Begrüßung durch den Helferkreis und Pfarrvikar Messner freuten sich die Männer damals sehr. Da dies gleich eine sehr freundliche und herzliche Begegnung war, erklärte sich der Helferkreis sofort bereit die Männer zu unterstützen.
Der Schwerpunkt der Arbeit lag zuerst in der Sprachausbildung. Denn für die Männer war es am wichtigsten die deutsche Sprache zu erlernen. Hierbei halfen alle Helfer mit ehrenamtlichen Unterricht mit. Bald kam Unterstützung vom Helferkreis in Bad König, der die Brombachtaler Flüchtlinge zum Sprachunterricht einlud. Der Helferkreis Bad König, organisiert von Frank Schoenmaker, arbeitet seit dem eng mit Brombachtal zusammen und hilft mit Rat und Tat. Vom Landkreis gab es dann Deutsch4U Kurse und so wurden die Deutschkenntnisse immer besser.
Die drei besten Schüler bekamen dann die Möglichkeit als Gasthörer in den Odenwälder Jugendwerkstätten in Erbach am Integrationskurs teilzunehmen. Fortan gingen drei Jungs täglich nach Erbach und lernten nachmittags mit den ehrenamtlichen Helfern.
Im August legten die drei ihre Sprachprüfung B1 ab und bestanden alle! Dies ist eine unglaubliche Leistung von den Schülern, zumal sie nach dem Einstieg in den Kurs vier Monate gegenüber den anderen Schülern aufzuholen hatten. Der engagierte Einsatz der Lehrerin Marketta Suppes und der Leiterin der JWO Yvonne Niebsch machte diesen Erfolg möglich. Frau Niebsch hat mit dieser Hilfe einen sehr unbürokratischen Weg angeboten, der den drei jungen Männern nun den Weg in die Berufswelt ebnet. „Ihr habt hier eine Chance bekommen, und ihr habt sie genutzt!“, sagte Frau Niebsch bei der feierlichen Überreichung der B1 Zeugnisse und gratulierte den Jungs herzlich zu ihrem Erfolg.
Alle drei Jungs haben im September nun ihr Vorbereitungsjahr (EQ) für eine Ausbildung begonnen, das dann in eine Ausbildung übergehen kann, und sind nun auf dem besten Wege einen Beruf in Deutschland zu erlernen.
Aber auch die anderen Männer aus der Jahnstraße waren fleißig und haben mit Hilfe der ehrenamtlichen Helfer Praktika und Arbeitsplätze gesucht. Drei der jungen Männer haben zurzeit Arbeitsverträge und gehen regelmäßig zur Arbeit. Für die zwei jüngsten Männer konnten mit viel Einsatz Plätze in den INTEA Kursen erkämpft werden, so dass diese beiden nun zur Schule gehen und dort auch die Möglichkeit haben einen deutschen Schulabschluss zu erlangen.
Nach über einem Jahr in Brombachtal konnte also für alle acht Männer entweder eine Ausbildung, ein Schulplatz oder ein Arbeitsplatz gefunden werden.
Dies ist eine unglaubliche Leistung, die nur mit viel Einsatz der Helfer möglich war, die sich immer wieder mit Behörden auseinander gesetzt haben, beim Lernen geholfen haben und in vielen ausweglosen Situation immer wieder Mut gemacht haben.
Im Grunde ist dies eine Brombachtaler Erfolgsgeschichte, denn Integration bedeutet, dass viele Menschen aufeinander zugehen und den fremden Menschen Deutschland zeigen. Dies ist in Brombachtal auf vorbildlichste Weise geschehen, denn sehr viele Menschen zeigten hier Einsatz: Vom Einsatz der Gem Brombachtal, gespendeten Möbeln, dem Einrichten der Wohnung, der Hilfe beim Deutsch- und Mathelernen, der Unterstützung bei Behörden und Ämtern, der Suche nach Arbeits- und Ausbildungsplätzen waren unzählige Menschen bereit auf die Flüchtlinge zuzugehen und sie über das Leben in Deutschland zu informieren. Auch ein freundlicher Gruß oder ein nettes Gespräch auf der Straße zeigte den Männern, dass sie hier willkommen sind.
Pfarrer Hamilton freut sich sehr über die gelungene Integration der acht Männer und dankt den vielen Helfern des Arbeitskreises Asyl der Ev. Kirchengemeinde Kirchbrombach für die vielfältige Unterstützung der Flüchtlinge, die ihnen in der schwierigen Lebenssituation Halt, Sicherheit und menschliche Nähe gegeben hat.
Es muss noch mal betont werden, dass aus öffentlicher Hand Integrationshilfe erst dann vorgesehen ist, wenn die Flüchtlinge anerkannt worden sind. Dieses dauert in der Praxis allerdings oft mehrere Jahre, in denen die Flüchtlinge oft in Massenunterkünften ohne Sprach- und Landeskenntnisse herumsitzen und keine Perspektive haben.
Bei uns in Brombachtal wurde aber vom ersten Tag jede Möglichkeit genutzt, um die Flüchtlinge über Deutschland zu informieren, die Sprache zu erlernen, eine Arbeit zu finden oder auch eine Ausbildung zu machen. Damit haben die Flüchtlinge eine Lebensperspektive und auch neue Freunde gewonnen!
Aktionen wie zum Beispiel das von der Brombachtaler SPD ausgerichtete Fußballturnier sind Gesten des Willkommens in unserem Ort. Der SPD Vorsitzende Ralf Drexelius betont, dass für ihn die Integration der Flüchtlinge eine Herzenssache ist und wie wichtig es ist, aufeinander zuzugehen und eine Bereitschaft des gegenseitigen Verstehens zu zeigen.

Viele Betriebe in Brombachtal und auch die Gemeindeverwaltung gaben den Flüchtlingen die Möglichkeit für Praktika und Arbeitsplätze und halfen so den Flüchtlingen die Arbeitswelt in Deutschland kennenzulernen und eine Aufgabe zu übernehmen. So arbeitet einer der Männer seit einigen Monaten für das Bauunternehmen Fill, wo man sich sehr positiv über die Zusammenarbeit äußert. Er habe sich super integriert, heißt es bei Fill, wird von jedermann akzeptiert und geschätzt, und man würde ihn sehr gern dauerhaft im Unternehmen beschäftigen. Auch die Möbeltischlerei Clormax beschäftigte einen Flüchtling als Praktikanten und setzte sich so für die Integration ein.

Die Gemeinde Brombachtal ist im Odenwaldkreis kein Einzelfall. In vielen Gemeinden wird mit ehrenamtlicher Hilfe Integration gelebt und Flüchtlingen eine Möglichkeit gegeben, die Zeit in Deutschland strukturiert und sinnvoll zu verbringen. Auch wenn keiner weiß, was die Zukunft den Flüchtlingen bringen wird, haben die Flüchtlinge in Brombachtal Freunde gefunden, die sie unterstützen und auch eine Aufgabe gefunden, die ihnen Hoffnung gibt.

Bildunterschrift: Lachende Gesichter bei der Zeugnisübergabe des Sprachzertifikats B1 in den Jugendwerkstätten Odenwald (v.l.n.r.: Yvonne Niebsch, Sayat Mansouri, Sayedullah Ahmadi, Marketta Suppes, Shakib Abbasi)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.