Eine Reise nach Griechenland und zurück - Büttelborner Verein ohne Grenzen zeigt Dokumentation über das krisengeschüttelte Land

Die Filmemacherin Hanna Hoeft, die bereits bei TV- und Kinoproduktionen mitgewirkt hat, hält in Ihrer Dokumentation das, was der Titel verspricht. Sie nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise in den griechischen Sommer von 2013. Doch statt strahlendem Urlaubswetter und der pitoresken Akropolis zeigt der Film die Lebenswirklichkeit von Familien im krisengeschüttelten Griechenland. Sie selbst hat griechische Wurzeln, war schon oft in Athen. Dort filmt sie Geschäfte, die längst geschlossen sind. Graffiti auf den Fassaden der einstigen Flaniermeile reicher Athener und Touristen; sie zeigt Bilder von Demonstrationen, ausgebrannte Autos und eingeschlagene Scheiben – ein Bild, das sich seit Ausbruch der Krise in Athen abbildet, ein düsteres Bild.

„Ich war geschockt. Die Stadt war seit meinem letzten Besuch kaum wieder zu erkennen“ berichtet Hanna.


Man möchte mehr über die Menschen erfahren die dort leben, mehr darüber, wie es sich leben lässt. Und auch das tut der Film.

Erzählt wird die Geschichte einer griechischen Mittelstandsfamilie, die vor einiger Zeit noch gut von den Aufträge des eigenen Architekturbüros leben konnte. Die Baubranche kam mit der Krise zum Stillstand, Aufträge blieben aus. Das Büro musste schließen, die finanzielle Situation wird immer schlechter. Das Architektenpaar lebt mit Tochter, Großvater und dem im körperlich behinderten Bruder unter einem Dach. 1.200 Euro bleibt der Familie zum Leben. Nicht genug, um Rechnungen zu bezahlen, Lebensmittel zu kaufen und das Haus halten zu können. Sie bangen, haben kaum noch Hoffnung. Viele Menschen haben bereits ihr Haus verloren. „Es gibt keine Mittelschicht mehr in Griechenland. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer“ erklärt der Familienvater.

Der Film zeigt auch, wie Menschen aus dem Gesundheitssystem fallen, nicht mehr versichert sind. Die Sterblichkeitsrate in Athen ist enorm gestiegen heißt es im Film. Platz auf dem Friedhof ist so knapp, dass Tote nur drei Jahre nach ihrer Beerdigung in Massengräber vor der Stadt gebracht werden, um Platz für neue Gräber zu schaffen. Auch der Bruder des Protagonisten, der an den Rollstuhl gebunden ist, stirbt kurz nachdem der Film gedreht wurde. Der Rettungswagen kam nicht, der ihm das Leben hätte retten können erzählt mir Hanna Hoeft am Ende des Abends. „Das Gesundheitssystem funktioniert nicht mehr“.

„Ena Taxidi“ erzählt die Geschichte der griechischen Krise aus einer anderen Perspektive.

Abseits der Diskussion um Stinkefinger von Abgeordneten, fehlenden Krawatten oder versprochenen Sparmaßnahmen. Er zeigt, dass hinter den Statistiken und Zahlen Schicksale stecken, die die Existenz von Menschen bedrohen. Die Leistung von Hanna Hoeft besteht darin, dass sie in ihrem Film nicht über Menschen, sondern mit ihnen spricht. Eine der Zuschauerinnen ermutigte die Filmemacherin ihr Werk öfter zu zeigen. Sie habe es versucht, sagt Hanna, doch die Fernsehsender hätten ihn bisher abgelehnt, „zu kritisch“ vermutet sie.

Der Austausch nach der Vorführung war auch politisch. Am Ende findet eine Zuschauerin sehr passende Worte: nicht die Politik, sondern die Menschen bestimmen, wie sie sich begegnen.

Man dürfe nicht zulassen, dass die Krise an der Freundschaft rüttelt, die Griechen und Deutsche seit Jahrzehnten verbindet.

Verständnis füreinander ist auch oder gerade in diesen Zeiten wichtig. Und Hanna Hoeft leistet mit „Ena Taxidi – Eine Reise nach Griechenland und zurück“ dafür einen großen Beitrag.

Mehr über den Büttelborner Verein ohne Grenzen erfahren Sie auf www.vog-buettelborn.de
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