HEINERFEST, aber bitte leise !

Corpus Delicti: Die Live-Bühne der Gastronomie HAMEL-ZELT an der Ecke Landgraf-Georg-Straße/ Merckstraße (Foto: Stephan Blumenschein)
 
Dem Publikum gefiel's – man konnte sich bei der Lautstärke der Musik noch problemlos miteinander unterhalten (Foto: Stephan Blumenschein)

DARMSTADT – Wo gefeiert wird entsteht Lärm; was für jede Gartenparty zutrifft, gilt für ein Volksfest erst recht. Ebenso gibt es immer auch Leute, die sich durch derartigen Lärm gestört fühlen – mitunter durchaus verständlich, jedoch nicht in jedem Fall.

Auf dem Heinerfest gab es in diesem Jahr erstmalig eine kleine Live-Bühne an der Ecke von Landgraf-Georg- und Merckstraße, die nahezu unmittelbar den Argwohn der Anwohner auf sich zog. Bereits nach dem ersten Festtag gab es eine schriftliche Beschwerde von Anwohnern beim Ordnungsamt. Am Heinerfest-Freitag wurde das Ordnungsamt abends dann sogar zur Lautstärkemessung gerufen mit der Folge, dass ein laufendes Konzert unterbrochen werden musste und die gänzliche Schließung der Bühne drohte. „Beschwerdeführer“ waren diesmal nicht etwa direkte Nachbarn, sondern Anwohner aus dem Bereich um die Kreuzung Merckstraße/Rundetrumstraße – gut 140 Meter Luftlinie vom Geschehen entfernt.

Das Unverständnis über die Vorgänge war beim Betreiber der Bühne ebenso groß wie auf Seiten von Musikern und Gästen. Letztere johlten unverhohlen und beschwerten sich sogar direkt beim Veranstalter und der Band über die für sie nicht nachvollziehbare Unterbrechung des Auftritts.

Sämtliche Aufbauten des Heinerfests wurden im Vorfeld von Polizei, Feuerwehr und städtischen Stellen unter verschiedensten Aspekten eingehend geprüft und abgenommen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der vom Ordnungsamt vor Ort gemessene Ruhepegel alleine aufgrund der Hintergrundgeräusche des Festbetriebs bereits um 10 Dezibel über den offiziell vorgegebenen Maximalwerten lag.

Ausdrücklich hervorzuheben ist das freundliche und verständnisvolle Auftreten des Mitarbeiters vom Ordnungsamt, der sich sichtlich sehr um eine konstruktive Lösung der Situation bemühte. Vor allem auch seinem Engagement ist es zu verdanken, dass letztendlich für die restlichen Festtage ein Kompromiss bezüglich Spielzeit sowie Ausrichtung der Bühne gefunden und auch die Veranstaltung am Freitagabend trotz allem noch fortgesetzt werden konnte.

Diese Posse in bester Darmstädter Manier wirft auch die Frage auf, ob hier nicht generell mit zweierlei Maß gemessen wird: Eine Bierbude auf der gegenüberliegenden Straßenseite, keine 30 Meter von besagter Bühne entfernt, schallte jeden Abend mit kaum geringerer Lautstärke bis teilweise deutlich nach Mitternacht direkt in die Merckstraße hinein, blieb jedoch vollkommen unbehelligt.
Auf dem benachbarten Mercksplatz war der von den Karussells verursachte Lautstärkepegel permanent so hoch, dass man sich nahezu nur schreiend mit anderen Leuten verständigen konnte – die Mitarbeiter der dortigen Verkaufsstände waren um ihrem Arbeitsplatz kaum zu beneiden. Auch beim Besuch der Heiner-Arena auf dem Karolinenplatz fiel direkt auf, dass die Lautstärke deutlich höher war als an der Bühne in der Landgraf-Georg-Straße, wo man sich trotz der Musik auch direkt bei den Lautsprechern noch problemlos miteinander unterhalten konnte.

Die betreffenden Mitbürger sollten sich angesichts derartiger Querelen schämen und zukünftig entweder ihren Urlaub entsprechend planen oder einfach mitfeiern, anstatt hinter verschlossenen Fenstern quer zu treiben. Das Heinerfest existiert mittlerweile bereits seit etlichen Dekaden und es sollte jedem erwachsenen Menschen klar sein, auf was er sich bei der Wahl seines Wohnortes einlässt, wenn er in einen entsprechenden Bereich der Innenstadt zieht.



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