KID Vortrag für Eltern "Das kindliche Gehirn - Kinder denken anders" am 9. April 2013

Wann? 09.04.2013 18:00 Uhr bis 09.04.2013 20:00 Uhr

Wo? Rheinstraße, Darmstadt DE
Darmstadt: Rheinstraße | Hans Günter Gassen, bis 2004 Professor für Biochemie an der TU Darmstadt ist Autor mehrerer Publikationen zum Thema Gentechnik und Hirnforschung, wie "Das Gehirn", "Die Menschmacher" und "Unbekanntes Wesen Gehirn". In seinem Vortrag "Das kindliche Gehirn - Kinder denken anders" vermittelt Prof. Gassen in für Eltern und Kinder gleichermaßen verständlicher und aktivierender Weise hautnah Informationen zur Hirnforschung.

"Sowohl das Erbgut, das aus der Verschmelzung von Sperm und Eizelle entsteht, wie die Zeit im Mutterleib bestimmen das Werden eines Kindes. Schon in-utero ist sich der Fetus der Gefahren bewusst, die ihn bedrohen. Er weiß bereits, ob er geliebt wird oder ob er unerwünscht ist. Kinder werden als unfertige Wesen geboren und eigentlich müssten sie weitere neun Monate als Fetus zubringen. Aber dann würde der große Kopf nicht durch den Geburtskanal der Mutter passen. Nach der Geburt sind sowohl der Verdauungstrakt als auch vor allem das Gehirn nur rudimentär funktionsfähig. Der Säugling muss nicht nur das Essen sondern auch das Verdauen noch lernen. Der alte Teil des Gehirns, das sog. Reptiliengehirn, übernimmt sofort nach der Geburt die autonomen Körperreaktionen wie z.B. das Atmen und das Instinkt gesteuerte Verhalten wie etwa das Trinken.

Die weiteren Gehirnreaktionen werden von der Angst bestimmt, die Phase der absoluten Hilflosigkeit nicht zu überstehen. Das Reptiliengehirn erkennt sofort die Mutter als die zentrale Versorgungsperson und reagiert auf Bedrohliches mit der einzig möglichen Abwehrmaßnahme, dem Schreien. Das Großhirn und die Hirnrinde, jene Teile des Gehirns, die beim Erwachsenen zuständig sind für Gedächtnis und Bewusstsein, sind beim Kleinkind nur teilweise ausgebildet. Zwar sind schon alle Nervenzellen vorhanden, aber die Verbindungen zwischen den Neuronen fehlen noch. Während der Reproduktionsapparat über das Erbgut die evolutionäre Entwicklung realisiert, soll der Säugling bzw. das Kleinkind aus seiner Umgebung das gegenwärtige Wissen in seinem Gehirn aufnehmen. So werden, vermittelt durch die Erfahrungen, die das Kleinkind macht, die Nerven miteinander verbunden. Das so entstehende Nervengeflecht speichert die Informationen, macht sie aber noch nicht abrufbar. Das Kind kann sich an Ereignisse der ersten Lebensjahre nicht erinnern.

Zentrale Ereignisse, wie bedrohende Gewalt, werden im Reptiliengehirn prozessiert und ebenfalls nicht abrufbar gespeichert. Von dort aus werden sie an das Großhirn weitergegeben. So beeinflussen diese Primäreindrücke das spätere Verhalten des Jugendlichen, sie sind aber dem Kleinkind als Geschehnisse nicht bewusst.

Mit steigendem Lebensalter werden das Großhirn und die Hirnrinde fertig gestellt. Mit etwa sechs Jahren verfügt das Kind über Gedächtnis und Bewusstsein und es kann sein Handeln in Grenzen verantworten. Das Gehirn dirigiert sein „Ich" in den nächsten Lebensjahren hin zur Reproduktionsfähigkeit, denn es kennt aus seiner evolutionären Vergangenheit nur zwei übergeordnete Ziele, den Erhalt des Ichs und den Erhalt der Art. Das Streben zum Erreichen der Pubertät wird vom Gehirn mithilfe der Sexualhormone dirigiert. Mit dem Erreichen der Zeugungs- bzw. Gebärfähigkeit ist der dirigistische Teil der Persönlichkeitsbildung für das Gehirn abgeschlossen. Das Gehirn gewährt seinem „Ich" nun bis zum Ende der Zeugungsfähigkeit einen größeren Entscheidungsspielraum.

Nach welchen Prinzipien handeln nun Kinder in der ungemein wichtigen Phase zwischen ihrer Geburt und der Einschulung? Mithilfe der Spiegelneuronen lernen Kinder durch Nachahmen am meisten von Gleichaltrigen. Eltern setzen Korrektive nach dem Motto „du darfst oder du sollst nicht", aber Vorbilder für das spätere Verhalten des Jugendlichen sind sie oft nicht. Wir beurteilen Kinder nach ihrem Verhalten, was in der Seele des Kindes vorgeht, ist schwer zu ergründen. Dort kommandiert allein das Gehirn. Dessen Ziele decken sich zumeist nicht mit den Wünschen der Eltern".

Verfasser: Hans Günter Gassen

Vortragsort: Darmstadt, IHK.

Der Eintritt von 10,00€ dient der Kostendeckung (Räumlichkeiten, Bekanntmachung)

Weitere Informationen finden Sie unter www.kinderuni-darmstadt.de
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