Meine Heimat Südhessen heute "Obrunnschlucht"

"Schwanenburg" Foto: Gido Heß
Die durch die Obrunnschlucht verlaufende Landesstraße 3106 zweigt südlich von Höchst im Odenwald von der Bundesstraße 45 (alt) nach Südosten in Richtung Rimhorn ab.
Die Obrunnschlucht, 1857 „entdeckt“ und erstmals erwähnt, wurde durch den 1882 gegründeten Odenwaldklub begehbar gemacht und erfreute sich ab 1896 durch die Wandervogel-Bewegung als romantischer Talverlauf zunehmender Beliebtheit. Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden aus einer Privatinitiative nacheinander an besonders schönen Stellen der Schlucht links des Obrunnbachs ohne Bezug zu realen Bauten mehrere Modelle von Burgen, Schlössern, Mühlen und Waldhütten etwa im Maßstab 1:20, sowie einige Skulpturen aus der Sagen- und Märchenwelt.

1953 zerstörte ein schweres Unwetter nahezu alle Miniaturen und Holzbrücken in der Schlucht und machte sie unpassierbar. 1961 fanden sich Höchster Bürger, die den Neuaufbau und die Erweiterung der Anlage in Angriff nahmen. Um die Attraktivität zu erhöhen, wurde auch die Infrastruktur durch einen Wanderparkplatz und einen Kiosk mit Ausschank und Tischen und Bänken verbessert. Zu gleicher Zeit entstand am oberen Beginn der Schlucht der Terrassenplatz mit dem Vereinsbrunnen und einer kleinen Wanderhütte.

In den 1960er und 1970er Jahren zog die Obrunnschlucht nicht nur die Höchster Bürgerschaft, sondern darüber hinaus auch viele Naherholungssuchende aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet an. Ende der 1970er Jahre erlahmte jedoch das Interesse an der romantischen Kulisse, an deren Miniaturen bereits der Zahn der Zeit genagt hatte. Der Kiosk wurde aufgegeben, und nahezu alle Baulichkeiten verfielen oder wurden mutwillig zerstört.

Erst 2005 gründeten einige engagierte Höchster Bürger die Interessengemeinschaft Obrunnschlucht und begaben sich noch in demselben Jahr an den Wiederaufbau zerstörter Objekte beziehungsweise Restaurierung noch vorhandener Relikte unter tatkräftiger Hilfe der Gemeinde Höchst und finanzieller Unterstützung zahlreicher Geschäftsleute. Zusätzlich wurden vollständig neue Projekte in Angriff genommen und für die Zukunft geplant.

Im Sommer 2007, zur 150-Jahr-Feier der Ersterwähnung der Obrunnschlucht, haben Wanderweg und Bauten ihre frühere Attraktivität wiedererlangt.

Im Oktober 2011 wurde die Obrunnschlucht wieder Ziel von Randalierern. 7 von 14 Modellen wurden zerstört. Den materiellen Schaden schätzte die Polizei auf 1000 Euro. Der Wiederaufbau der Miniaturen war unklar, da die ehrenamtliche arbeitende Interessengemeinschaft Obrunnschlucht einen erneuten Wiederaufbau komplett in Eigenregie wohl nicht mehr in Angriff genommen hatte. Im Dezember 2011 kam aber Hilfe. Es wurde ein Benefizabend zugunsten des Projekts veranstaltet und die Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung (BAW) Odenwaldkreis sicherte mit Ihren Handwerkern Hilfe beim Wiederaufbau zu.
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