Alt- Katholisch!? Im Gespräch mit Markus Stutzenberger

Hallo, Herr Stutzenberger, seit 01.10.16 sind Sie als Pastoralreferent in Kaufbeuren- Neugablonz. Was hat sich für Sie zwischenzeitlich verändert?

MS: Oh, ziemlich viel. Ich habe zwar vorerst den Titel meines Berufes behalten, bin bei der Alt- Katholischen Kirche aber de facto als Gemeindeleiter tätig. Meine Gemeinde umfasst um die 360 Menschen, also im Vergleich zu den Großkirchen, röm.-kath. und evangelisch also sehr überschaubar. Aber das ist genau der Charme. Beerdigungen wie Taufen sind für mich kein "Massengeschäft", sondern jeder Gottesdienst, auch und gerade der am Sonntag, wird von mir / meinen KollegInnen sehr gut vorbereitet. Keine "Liturgie von der Stange" und kein "Messelesen" eben.

Sie sind jetzt alt- katholisch. So "alt" sind Sie doch noch gar nicht...

MS: Na ja, ich bin 44 Jahre alt und es war höchste Zeit, etwas zu verändern, um noch etwas gestalten zu können, statt nur bis zur Rente durchzuhalten. Das war für mich keine Perspektive. Bedingt durch konkrete Erfahrungen mit einzelnen Personen habe ich den Rest meines Vertrauens in die röm.-kath. Kirche verloren...

Und bei den Alt-Katholiken ist alles super?

MS: Ganz bestimmt nicht. Auch dort "menschelt" es freilich. Und die Kleinheit mit bundesweit ca 17 000 Mitgliedern hat so ihre ganz besonderen Herausforderungen. Auch der finanzielle Rahmen, in dem sich eine Gemeinde bewegt, unterscheidet sich natürlich von dem der Großkirchen.

Wie geht es bei Ihnen beruflich jetzt weiter?

MS: Obwohl ich schon so "alt" bin, muss / darf ich jetzt wieder studieren, in Bonn, wo unser Bischof und die Alt-Kath. Theologische Fakultät ihren Sitz hat. Das Studium ist berufsbegleitend, so etwa zwei Studientage pro Monat. Das macht mir viel Freude, weil es ein kleiner und überschaubarer Rahmen von Kolleginnen und Kollegen ist. Wir sprechen dort über theologische Aspekte in einer Intensität, wie ich es in meinem kompletten Diplomstudiengang der kath. Theologie an der Universität Mainz nicht erlebt habe. Eine sehr persönliche Reflektion dessen, wofür ich mit meiner Profession als künftiger alt-kath. Pfarrer dann auch einstehen möchte, mit allen Frage- und Ausrufezeichen.
Am 05.02.17 um 16 h werde ich von meinem Bischof Dr. Matthias Ring zum Diakon geweiht. Das ist für mich eine ganz besondere Freude, da sie mir bereits vom früheren Weihbischof des Bistums Mainz, Dr. Werner Guballa, ans Herz gelegt wurde. Leider ist er dann viel zu früh verstorben. Für mich war er d a s menschliche Gesicht der Leitenden im Bistum Mainz. Nun schließt sich ein Kreis.
Für den September 2017 ist dann die Priesterweihe anvisiert. Der Ort steht aber noch nicht fest. Vermutlich Bonn, in unserer Bistumskirche Namen Jesu.

Was beeindruckt Sie im Moment am meisten bei den Alt-Katholiken?

Zunächst habe ich eine äußerst engagierte und kompetente Chefin mit hohen Führungsqualitäten. Das habe ich leider vor meiner alt-kath. Zeit auch schon anders erleben müssen, ist aber gewiss nichts spezifisch alt-katholisches. Nur, dass sie eine Frau und Pfarrerin ist, schon. Unser Bischof schickt mir die Halterung seines Bischofsstabes per Post und kommt am 05.02. mit dem Zug angereist. Da sehe ich ganz viel konkrete Nachfolge "auf den Spuren Jesu"; kein "fetter Dienstwagen mit Fahrer" usw.

Was denken Sie über Ihre Weiterstädter Zeit von 2012-2016?

Ich war gerne hier und habe versucht, mein Bestes zu geben. SIcher bin ich nicht allen Erwartungen gerecht geworden. Manche Rahmenbedingungen waren nicht nur schwierig sondern sogar unerträglich. Das müssen andere mit sich ausmachen. Ich freue mich, noch den ein oder anderen Kontakt zu Menschen aus der Gemeinde zu haben. Meine Stelle wurde nicht wiederbesetzt, sodass jetzt offensichtlich noch mehr Basiskontakt verloren geht. Das finde ich schade. Vielleicht kann ich den ein oder anderen auch über eine so große Distanz punktuell noch ein Stück seines Weges begleiten und mich macht es glücklich, dass meine doch recht kurze Zeit in Weiterstadt doch positive Spuren hinterlassen, die über mein DIenstende hinaus tragen. Interessanter Weise hat man meine Beauftragung für Weiterstadt bis heute nicht zurückgenommen ...

Herr Stutzenberger, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!
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