Einblick in den laufenden Firmkurs St. Johannes der Täufer in Weiterstadt

Was bedeutet es eigentlich, sich "firmen" zu lassen, in einem Alter von 14 Jahren, wie in Weiterstadt üblich?
Aus dem Internet kennen es viele, dieses lästige "confirm"- Kreuzchen nach seitenlangen Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Bei der Firmung geht es dem Grunde nach um nichts anderes. Junge Menschen sind dazu aufgerufen, die "Allgemeinen Bedingungen" ihres Glaubens, Zweifelns, Fragens und Suchens zu bestätigen oder aber abzulehnen. Ohne diese freie Entscheidung Jugendlicher, bewusst diesen Weg der etwa halbjährigen Vorbereitung in Gemeinschaft Gleichaltriger zu gehen, macht Firmung wenig Sinn und bedeutet nur Geld und Geschenke.
Firmung will -ähnlich wie die evangelische Konfirmation- an die Taufe anknüpfen, bei der stellvertretend für ein Kind Eltern und Paten einem Weg mit Jesus die Zustimmung erteilt haben. Sie will einen Sprachraum für Jugendliche eröffnen, um Lebens- und Sinnfragen im Licht des Glaubens eigenständig formulieren und zum Teil mit Hilfe mit gleichaltrigen Teamern und Katecheten und damit sich selbst beantworten zu können. Auch das Aushalten von offenen Fragen und ausbleibenden befriedigenden Antworten wird geübt, ohne gar "von oben herab" mit Bibelzitaten unbedachte Weisungen zu erteilen. Die Firmung ist -ähnlich wie die Konfirmation- eine wichtige Etappe eines religiösen Reifeweges, der lebenslang unabgeschlossen bleibt, sondern sich wohl erst im Überzeitlichen, in der endgültigen Begegnung mit Gott, nach unserem leiblichen Tod, vollenden wird.

Treffpunkt ist jeweils sonntags um 10 Uhr im Gemeindezentrum in Weiterstadt mit "Warm up", Gebet, Bibeltext, Kleingruppenarbeit, Austausch, Großgruppe und Übergang in den Gemeindegottesdienst um 11 h in der Kirche.
Im diesjährigen Firmkurs ergeben sich häufig längere und intensivere Diskussionen um Grundfragen des Glaubens, sodass die Firmvorbereitungsstunde selber zum Gottesdienst wurde.
Die Auferweckung eines toten Jungen aus Naim z.B. durch Jesus- wie sie das Evangelium überliefert, ist dieser Text "wahr", und, wenn ja, in welchem Sinne, was will er UNS heute sagen?
Es ist oft wie eine "wunderbare Wortvermehrung" im gemeinsamen Austausch, wenn ich als ausgebildeter Theologe immer wieder darüber staune, auf welche Gedankenspur mich junge Menschen führen können, die sie in der Begegnung mit einem Text verbinden. Und das, wo es doch so wenig Räume für Jugendliche in und außerhalb unserer Familien und gesellschaftlichen Beziehungen gibt, religiös sprachfähig zu werden und zu bleiben. Das Auswendigsagen von Formeln und Gebeten gehört zwar dazu- noch wichtiger und essentieller ist aber aus meiner Sicht: dem eigenen Glauben, Zweifeln und Suchen Buchstaben zu leihen. Diese Form der Firmvorbereitung will die Firmlinge organisch in den Gottesdienst hineinnehmen und versteht sich als eine Art Weggemeinschaft, aus der immer wieder Teamerinnen und Teamer für das Folgejahr erwachsen.
Gott sei Dank.
Danke an meine diesjährigen TeamerInnen und Katecheten Marius Grimm, Petar Balek, Carmen Weinmann, Martin Holzheuser, Eric Passler und Matthias Sommer.
Und wer Lust bekommen hat, mitzumachen, kann im Grunde schon sofort dazukommen, da die Sonntagstreffen durchgängig über das Jahr mit Ausnahme der Ferien beibehalten werden sollen, um den Jugendlichen mehr Zugang zum Sonntagsgottesdienst der Gemeinde zu eröffnen.
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