Haus der Stadtgeschichte und Klingspor Museum zeigen Lithographie-Meisterwerke

(Foto: Stadt Offenbach)
Offenbach am Main. „Von wegen flach! Meisterwerke der Lithographie aus den Sammlungen der Stadt Offenbach am Main“: Bis 9. Juli beschreiben das Haus der Stadtgeschichte und Klingspor Museum erstmals gemeinsam die Anfänge der Lithographie in Offenbach und deren Siegeszug in Künstlerateliers und Druckwerkstätten bis in die heutige Zeit. Zur Ausstellung ist ein Katalog in der Schriftenreihe „Offenbacher Studien“ erschienen, dieser ist zum Preis von 29 Euro in den beiden Museen und im Buchhandel erhältlich.

Von Offenbach in die Welt

Der Hochdruck Johannes Gutenbergs gilt als das älteste Druckverfahren, die Reproduktion von Texten mittels beweglicher Letter revolutionierte 1450 den Buchdruck. Als zweitältestes Verfahren gilt der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts als „Kupferstecherkunst“ entstandene Tiefdruck. Beide Verfahren erlaubten nur begrenzten Einsatz, so war eine Kupferplatte nur etwa siebzig Mal verwendbar. Höhere Auflagen in Farbe ermöglichte erst die Erfindung des Steindrucks durch Alois Senefelder 1798, die ab 1800 von Offenbach aus als Lithographie ihren Siegeszug um die Welt antrat. Auch heute ist die 1871 als Faber & Schleicher „Associationsgeschäft zur Fabrikation von lithographischen Schnellpressen“ in Offenbach gegründete manroland (heute manroland Sheffield) weltweit einer der führenden Druckmaschinenanbieter.

Haus der Stadtgeschichte dokumentiert Beginn der Lithographie
Wer sich auf Spurensuche begeben möchte, beginnt am besten im Haus der Stadtgeschichte: Das ursprünglich als Heimatmuseum gegründete Museum dokumentiert die Entwicklung der Lithographie in Offenbach. Über 3.000 Blätter finden sich in der überregional ausgerichteten Sammlung, hinzukommen noch die Bestände der Senefelder Stiiftung die diese dem Haus inzwischen als Dauerleihgabe überlassen hat. Für Kuratorin Katja Schneider ein echtes Pfund, zudem habe der Vertrag die Arbeit erleichtert: „Jetzt können wir wirklich jedes Blatt in die Hand nehmen.“ Das ist für die Konzeption der aktuellen Ausstellung auch geschehen. Rund anderthalb Jahre Vorbereitung liegen hinter dem Team, zeitaufwändig waren vor allem Recherchen, berichtet Funda Karaca: „Bei vielen Blättern steht zwar, wer gedruckt oder verlegt hat. Aber es gibt oft kaum Verweise auf den Künstler.“ So sind beispielsweise bei dem 1835 in einer Auflage von 1.500 Exemplaren produzierten Farbdruck „Ecce Homo“ zwar Franz und Heinrich Weishaupt genannt, in deren Druckwerkstatt die Mehrfarblithographie entstand. Lange galt Hans Memling als Maler, aber nach umfangreicher Korrespondenz – unter anderem mit der Alten Pinakothek in München – ist klar, dass die Drucker nach dem Gemälde aus der Künstlerwerkstatt des flämischen Malers Quinten Massys (1465/66-1530) fertigten.

Von der Entdeckung des Flachdrucks durch die Kunst
Auch im gegenüber liegenden Klingspor Museum wurde der eigene Bestand nochmal in die Hand genommen, drei Jahre war auch Dr. Dorothee Ader mit der Sichtung und Auswahl, in einigen Fällen auch Klärung der Provenienz einzelner Blätter beschäftigt: „Lithographie wird bei uns nicht besonders gesammelt, wir haben circa 750 Arbeiten in unserem Bestandskatalog.“ Darunter zahlreiche Plakate, viele aus den Jugendstilzentren in Wien, Darmstadt und München, aber auch Malerbücher von Miro, Matisse oder Braque. 120 davon sind nun in der Ausstellung zu sehen, 48 davon haben es in den 396 Seiten umfassenden Katalog geschafft. Inhaltlich knüpft die Auswahl nahtlos an die Auswahl des Haus der Stadtgeschichte an, 30 Lithographien haben die Kuratoren dort für die Publikation ausgewählt, die den Beginn der Lithographie dokumentieren.

Erst im Zusammenspiel entsteht das ganze Bild
Möglich wurden Ausstellung und Katalog mit Unterstützung der in Frankfurt ansässigen Dr. Marschner-Stiftung. Für deren Vertreter Wolfgang Rawer stand diese nicht nur in Anbetracht des 100. Geburtstag des Hauses der Stadtgeschichte nicht infrage. „Zudem“, erklärt Rawer weiter, „fügen beide Häuser nun zusammen, was zusammengenommen ein respektables Ganzes im Kanon der Geschichte gedruckter Bilder darstellt.“ Insgesamt 30.000 Euro hat die Stiftung zur Verfügung gestellt.

Die Ausstellung „Von wegen flach!“ ist bis 9. Juli im Haus der Stadtgeschichte und im Klingspor Museum in der Herrnstraße zu sehen. Das Kombiticket kostet 4 Euro.
(Stadt Offenbach am Main)
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