Interreligiöser Dialog ohne diplomatische Beschränkungen

(Foto: Evangelisches Dekanat Rodgau)
Rodgau. In einem interreligiösen Projekt des Kreises Offenbach und der evangelischen Dekanate Rodgau und Dreieich begegnen sich junge Menschen verschiedener Religionen an ihren Orten des Glaubens. „Eine Lehrerin kann sich die ausländisch klingenden Namen ihrer Schüler nicht merken. Ist das diskriminierend?“ fragt die heutige Workshopleiterin der Bildungsstätte Anne Frank in die Runde der jungen Erwachsenen zwischen 17 und 25 Jahren. Sie gehören zu verschiedenen Religionsgemeinschaften im Kreis Offenbach und nehmen an dem Begegnungsprojekt „Glaube.Gemeinsam.Gestalten“ teil, das gemeinsam von den Evangelischen Dekanaten Dreieich und Rodgau und dem Projekt „Pro.Prävention - Gegen religiösen Extremismus“ des Integrationsbüro des Kreises Offenbach verantwortet wird. „Kommt drauf an“, sagt ein Mädchen, „ob sie sich generell keine Namen merken kann oder nur diese nicht“. „Auf jeden Fall“ entgegnet ein anderer Teilnehmer, „wenn es ihr schwer fällt, dann muss sie sie eben üben. Das würde ich schon erwarten.“
Über Fragen wie diese entspinnt sich zwischen den bis zu 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des interreligiösen Begegnungsprojekts eine lebhafte Diskussion darüber, was Diskriminierung eigentlich ist - und wo sie anfängt. An diesem Nachmittag sind die Jugendlichen, begleitet von den Projektleitern Janusz Biene und Selver Erol vom Kreis Offenbach sowie Pfarrerin Sandra Scholz von den Evangelischen Dekanaten Rodgau und Dreieich, zu Gast im katholischen Jugendzentrum „Wolke 7“ in Dietzenbach. Wie bei jedem Treffen geht es um die Religion vor Ort, die Pfarrer Barton fachkundig erklärt, sowie um ein Thema. Dieses Mal eben Diskriminierung. Bei vorherigen Treffen ging es bereits um Fragen wie: Was bedeutet uns der Glaube, oder was ist für uns Gerechtigkeit? Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen gehören zu vier verschiedenen Glaubensgemeinschaften: Muslime, Christen, Bahai und Juden treffen sich, tauschen sich aus. Ihr Interesse aneinander und die Neugier sind groß. Immer wieder fragen sie: Wie ist das eigentlich bei Euch? Gibt es bei Euch Glaubensschulen? Wie steht es mit den Speisevorschriften? Welche Rollenverständnisse habt Ihr? Viele der Teilnehmenden sind in ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft engagiert und freuen sich darüber, ihre Überzeugungen mit anderen besprechen zu können. Häufig stellen sie dabei fest, wie ähnlich ihre Meinungen zu vielen Fragen sind - und dass das Verständnis für einen jungen gläubigen Menschen bei anderen Gläubigen oft viel höher ist als innerhalb anderer Gruppen wie beispielsweise in der Schule oder der Nachbarschaft. „Wir lernen einander durch das Projekt kennen und entdecken gleichzeitig auch die Orte des Glaubens in unserer Region“, sagt Pfarrerin Sandra Scholz. „Glauben.Gemeinsam.Gestalten“ setzt so auch ein erklärtes Ziel der Broschüre „Orte des Glaubens“ um, die die Initiative „Eine Stunde für den Frieden“ und der Kreis Offenbach vor zwei Jahren unter Mitarbeit des Evangelischen Dekanats Rodgau veröffentlicht haben: die Orte des Glaubens nicht in Buchform zu präsentieren, sondern auch füreinander zu öffnen, zum Beispiel durch gegenseitige Besuche. „Glauben.Gemeinsam.Gestalten“ ist interreligiöser Dialog ohne diplomatische Beschränkungen, dafür aber mit viel Neugier, Offenheit und Freude. Im Januar und Februar geht es weiter. Als nächstes besuchen die Jugendlichen die Offenbacher Synagoge und ein Gebetshaus der Bahai in Frankfurt.
(Evangelisches Dekanat Rodgau)
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