Schuld II

Am 11.03.2015 starbie der 89-jährige katholische Pfarrer Hans Peters in Dattenfeld-Sieg. Nach seinem Tod wurden Tagebuchaufzeichnungen aus den und 40er- Jahren gefunden, in denen er beschreibt, dass er als junger Priester die Vernichtung von Juden in der Ukraine miterlebte, dass er damals geschwiegen hat und dagegen nichts tun konnte. Er schließt ein berührendes, offenes Schuldbekenntnis an: " Ich, Hans Peters, bekenne ... dass ich 1941 den EId auf Hitler geleistet habe, obwohl ich Hitler schon damals für einen Betrüger, einen Verführer und Verbrecher erkannt hatte, dass ich diesen Eid nie widerrufen habe, dass ich mit meisten meines Volkes und meinen christlichen Brüdern und Schwestern seit 1945 im Wiederaufbau und in der Restauration versäumte, die Kriegsverbrechen und die systematische Vernichtung der europäischen Juden offen zu bekennen und in systematischer "Trauerarbeit" und Verkündigung wenigstens bezüglich der Folgen zu begrenzen... Für dies alles gibt es keine Entschuldigung..." Interessant dabei ist, dass in der Bergpredigt Jesus selber das EIde schwören missbilligt (Mt 5,33-37). Im Verlauf der Kirchengeschichte zeigt sich allerdings keine einheitliche Linie. Bis heute ist das Schwören von Treueeiden auch im kirchlichen Kontext üblich. Zuletzt etwa bei der Vereidigung des neuen Limburger Bischofs vor der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin und dem hessischen Ministerpräsidenten. Was hat einen jungen Priester (und er war gewiss nicht der einzige!) dazu motiviert, neben seinem Versprechen zu Gott auch noch (und offenbar mit Überzeugung) den Eid auf Hitler zu schwören und ihn auch nie zu widerrufen... Mit Eiden ist das so eine Sache. Ein Bekannter von mir ist als Christ in der ehemaligen DDR groß geworden und hat zur Vermeidung evtl. Nachteile sozialistische Jugendweihe und Konfirmation auf Geheiß seiner ebenfalls sehr frommen Eltern mitgemacht. Bis heute leidet er darunter, sich diesem Staat verpflichtet zu haben, obwohl ihm sicher seinerzeit die Tragweite für dieses Versprechen fehlte ... Es ist für ihn unsagbar schwierig, sich davon auch nach dem Ende der DDR freizusprechen. Es gibt auch keinen Repräsentanten mehr dieses Systems, dass ihn davon freisprechen könnte. Letztlich bleibt vermutlich nur Gott, der unser Leben gerade mit der Taufe unter einen besonders guten Stern stellt. Im Vertrauen auf Ihn lösen sich alle unguten Bindungen, verlieren Eide ihre Bindekraft. Bleibt zu hoffen, dass es Hans Peters in den letzten Minuten seines Lebens gelungen ist, sich Gott wirklich bedingungslos anzuvertrauen.
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