Ex-EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen bei den JUSOS

  Am Donnerstagabend sprach das ehemalige EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen auf einer Wahlkampfveranstaltung auf Einladung der JUSOS im Kreisverband Darmstadt-Dieburg in Griesheim zur Eurokrise. Im Verlaufe seines Vortrags wurden die Länder Spanien, Irland, Griechenland und Frankreich näher beleuchtet. Spanien stellte das ehemalige EZB-Direktoriumsmitglied ein gutes Zeugnis aus, da es einen gelungenen Anpassungsprozess absolvierte. Die Schuldenaufnahme in 2008 von 10 % des BIP wurde im Jahr 2013 in einen Überschuß von 1% des BIP gewandelt. Irland bescheinigte Asmussen ebenfalls einen gelungenen Anpassungsprozess, da das Land zu einem Wachstumspfad zurückgekehrt sei. Für Griechenland attestierte Asmussen die schwierigste Ausgangssituation. Das Land hat im Jahr 2009 Neuschulden von 14% des BIP gemacht und erreicht im Jahr 2013 einen Überschuß von 1% des BIP. Obwohl in Griechenland die "Situation nicht einfach" ist, "habe sich viel getan", so seine Worte. Woher seine Zahlen stammen sagte Herr Asmussen nicht. Frankreich verlor innerhalb 23 Jahren die Hälfte seines prozentualen Anteils am Welthandelsvolumen von 6,5% auf nur noch 3,3%. Er sparte nicht mit Kritik an der "prozyklischen Fiskalpolitik" Frankreichs. "Die Eurokrise ist vorbei und die Eurokrise dauert noch an", so unentschieden sieht Asmussen die aktuelle Lage.

Asmussen gibt Fehler bei der Deregulierung der Banken zu

Als Mitglied im Aufsichtsrat, unter anderem bei der IKB Deutsche Industriebank, setzte er sich offen für den Kauf US-amerikanischer Hypothekendarlehen und einen Ausbau des Handels mit Asset Backed Securities (ABS) ein. Diese Formen des Börsenhandels führten die IKB in die Krise und gelten als Auslöser der Finanzkrise ab 2007. Heute erklärt Asmussen die Deregulierung wurde damals übertrieben und beklagt jetzt die "Vertrauenskrise in Institutionen".

Befürworter globalisierter Regulierungen

All dies hindert ihn nicht daran weitere Regulierungen zu fordern wie z.B. Basel-III wonach die Eigenkapitalquote für Banken auf 7% steigen soll, während alternative Ökonomen inzwischen eine Eigenkapitalquote von 30% für notwendig halten um die Bankenkrise auf lange Sicht zu beheben. Herr Asmussen vertraut auf die bevorstehende Bankenunion und auf Eurobonds und weiterer Regelungen und das alles will er mit den G-20 und den Eurostaaten koordiniert umgesetzt sehen. Das hält Herr Asmussen für den richtigen Weg. Bleibt die Frage ob diese mehr als 30 unabhängigen Staaten Herrn Asmussen irgendwann mal den Gefallen zur Einigung machen.

Asmussen in der Rolle des Unwissenden

Am Donnerstag wurden zum ersten Mal seit vier Jahren wieder griechische Staatsanleihen auf dem Kapitalmarkt gehandelt. Passenderweise ist Bundeskanzlerin Merkel am Freitag in Athen, um diesen vermeintlichen Fortschritt auf dem Weg aus der griechischen Schuldenkrise zu begrüßen. Auf die Publikumsfrage: "Wer hat die 2,5 Mrd € Griechenland-Anleihe zu 5% Zinsen p.a. mit einer Laufzeit von 5 Jahren gezeichnet?", antwortete Asmussen, er wisse es nicht! Andere Ökonomen haben darauf eine Antwort.

Asmussen als Investmentbanker

Bernd Lucke, der Sprecher der Alternative für Deutschland sieht in der Griechenland-Anleihe keinen Fortschritt. "Das zeigt nur, dass internationale Finanzanleger künftige Risiken erfolgreich auf die Steuerzahler der Eurozone abwälzen konnten", so Lucke. Denn jetzt stünden ja ESM und EZB für die griechischen Staatsschulden gerade. Die Verluste von ESM und EZB aber trage der Steuerzahler. Deshalb könnten die Finanzanleger nahezu unbesorgt sein, obwohl die Fundamentaldaten alarmierend seien: Die griechische Schuldenquote sei heute viel höher als 2010 obwohl das griechische BIP um 25% gesunken sei. "Hedgefonds und Banken können griechische Anleihen als Rundum-Sorglos-Paket erwerben. Weil sie dabei sogar noch 5% Zinsen kriegen, machen sie vor Freude Luftsprünge,", so Lucke. Auch diese Zinsen zahle der Steuerzahler, während seine eigenen, risikobehafteten Kredite an Griechenland nur mit knapp über 1% verzinst würden. "Der Gang Griechenlands an den Kapitalmarkt ist ein Potemkinsches Dorf, dessen Kulissen eine große Umverteilung von den Steuerzahlern zu den Finanzanlegern verdecken", resümierte Lucke.
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