IPCC: Klimawandel vergrößert Risiko für Konflikte

Die Zahl der Hochwasser und Überschwemmungen wird laut Klimabericht in den kommenden Jahren weiter steigen. (Foto: (Symbolbild) © picture alliance / dpa/Jens Wolf)
AFP: Treibhausemissionen werden das Risiko für Konflikte, Hungersnöte und Überflutungen in den kommenden Jahrzehnten vergrößern. Steigende Temperaturen erhöhten die Wahrscheinlichkeit "schwerer, tiefgreifender und irreparabler Folgen", heißt es in dem im japanischen Yokohama verabschiedeten Sachstandbericht des Weltklimarats (IPCC). Umweltschutzorganisationen begrüßten das umfangreiche Dokument, das als Grundlage für die internationalen Klimaschutzverhandlungen dient.

Ein ungebremster C02-Ausstoß könnte Schäden in Billionenhöhe verursachen sowie Kosten in ähnlicher Höhe, um die Folgen einzudämmen, warnen die UN-Experten. Unter dem Klimawandel werden demnach besonders arme Bevölkerungsschichten in südlichen Ländern der Erde leiden, heißt es unter Verweis auf Wasserknappheit, Überflutungen und Armut. Der Klimawandel beeinflusse auch die Ernährungssicherheit, wobei die Menschen in ländlichen Gebieten besonders betroffen seien.

Ein Temperaturanstieg von zwei Grad über die vorindustriellen Werte werde 0,2 bis zwei Prozent der Weltwirtschaftsleistung vernichten, heißt es in dem Bericht. Ein Anstieg um mehr als vier Grad könnte desaströse Folgen haben.

Nach Überzeugung der Experten wird sich im 21. Jahrhundert vor allem für Europa und Asien das Überflutungsrisiko beachtlich erhöhen. Dürren würden gerade in trockenen, bevölkerungsreichen Regionen die Wasserknappheit verstärken. Das wiederum führt - bei steigender Bevölkerungszahl - zu geringeren Erträgen beim Weizen-, Mais- und Reisanbau.

Extreme Wetterphänomene wie Überschwemmungen an Küsten, Dürren und Hitzewellen werden dem Bericht zufolge die Migration von Menschen verstärken. Dies könne zusammen mit Wasser- und Nahrungsmittelknappheit "indirekt das Risiko für Gewaltkonflikte" erhöhen.

Noch ist es aus Sicht der Experten nicht zu spät zum Umsteuern: Durch rasche und umfassende Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes könnten die Gefahren wesentlich verringert werden. Viele Maßnahmen seien einfach und billig - etwa der Kampf gegen Wasserverschwendung und der Schutz der Küsten. Zudem sollten Menschen davon abgehalten werden, sich in Gegenden niederzulassen, die von extremen Wetterphänomen heimgesucht werden können.

Seit Dienstag brüteten die Wissenschaftler und Regierungsvertreter in Yokohama südlich von Tokio über dem Bericht. Dabei handelt es sich um den zweiten von drei Teilen des nunmehr fünften Sachstandberichts des Weltklimarates.

Im ersten, im September veröffentlichten Teil ging es um die Ursachen und wissenschaftlichen Grundlagen. Der zentrale Befund lautete, dass die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung klarer als je zuvor festgestellt werden konnte. In Teil 2 geht es um die Konsequenzen. In Teil 3, der Mitte April in Berlin veröffentlicht werden soll, sollen mögliche Lösungen aufgezeigt werden.

Die Organisationen Germanwatch und Brot für die Welt sprachen von einem "dringenden Appell zum Handeln" an Politiker weltweit. Christoph Bals von Germanwatch kritisierte, die Bundesregierung habe im Haushaltsentwurf "keinen Cent" eingestellt, um den internationalen Klimafonds mit Geld zu füllen. "Starke Klimaziele und die notwendige Klimareduzierung sind jetzt die zentralen Aufgaben der EU." Oxfam forderte, Deutschland müsse arme Länder mehr dabei unterstützen, sich an die klimatischen Veränderungen anzupassen.

Der letzte IPCC-Sachstandbericht war 2007 in Paris veröffentlicht worden und hatte weltweit das Bewusstsein für die Gefahr durch den Klimawandel geschärft. Die Bemühungen um ein globales Klimaabkommen sind dennoch kaum vorangekommen.
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