Selbstgefällige Politiker und die Zeitung

Fünf Direktkandidaten standen bei der ECHO-Podiumsdiskussion am Montagabend in der Centralstation Rede und Antwort. Zu den Podiumsteilnehmern gehörten Angelika Nake (FDP), Charles M. Huber (CDU), Daniela Wagner (Bündnis 90/Die Grünen), Brigitte Zypries (SPD) und Walter Busch-Hübenbecker (Die Linke). Moderiert wurde die Veranstaltung von Harald Pleines, Leiter der Lokalredaktion Darmstadt, Michael Horn , Chefredakteur des Darmstädter Echos sowie der stellvertretenden Chefredakteurin Ilka Ennen.

Fragen der Zuhörer unerwünscht

Zwei Stunden lang diskutierten die Direktkandidaten der fünf im Bundestag vertretenen Parteien vor rund 400 Zuhörern (Bericht eines Augenzeugens) über aktuelle Themen wie die Mietbremse, ICE-Bahnhof und die Verkehrslage rund um Darmstadt. Frau Wagner nannte als einzige Lösung des leidigen Verkehrsproblems einen Verzicht auf Individualverkehr, eine stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und die Erhebung der LKW-Maut auf Bundesstraßen. Laut Herrn Huber hilft Darmstadt in der Verkehrsproblematik nur noch ein "Gesamtkonzept", welches er dem Zuhörer nicht genauer beschreiben wollte.

Keine Vorschläge zur Verkehrsproblematik und Fluglärm

Als Grund für sein Gesamtkonzept nennt er den "katastrophalen" Verkehrsfluss von Seeheim-Jugenheim nach Darmstadt, welcher Ihn gelegentlich an die Verkehrszustände auf der Ringautobahn in Paris erinnern lässt. Den Ausbau des Fahrradweges entlang der "Felsnase" und die damit einhergehende Vollsperrung der B426 als mögliche Ursache für den zähen Verkehrsfluß erwähnt er dabei jedoch nicht. Auch zum Thema Fluglärm gab es kaum konkrete Vorschläge. Herr Busch-Hübenbecker schlägt zur Lösung des Fluglärms einen Rückbau der Landebahn Nordwest vor, für die Frau Wagner auch flugs eine innovative Verwendung sah, nämlich die einer Rollschuhbahn. Einig waren sich die Direktkandidaten einzig darin, die Flugrouten zu verändern. Wie dies gelingen könnte und wer dann vom Fluglärm betroffen sein wird, dass wusste selbst die ehemalige Justizministerin Frau Zypries nicht, die immerhin Zugab, von der Festlegung der Flugrouten keine Ahnung zu haben.

Keine bundespolitischen Reizthemen

Die geduldigen Wähler hörten artig zu. Was sollten sie auch sonst machen. Ihnen blieben direkte Fragen an die Kandidaten verwehrt. So durften sie lediglich ihre Fragen zu Papier bringen und darauf warten, dass diese gegen Ende der Veranstaltung von den Direktkandidaten beantwortet würden. Das Warten wurde jedoch nicht belohnt, da laut Dr. Horn keine Zeit mehr übrig blieb, woraufhin enttäuschte Zuhörer und Wähler allmählich den Saal verließen.
Nicht zuletzt über die Euro-Krise, welche erwiesenermaßen die Wähler besonders beschäftigt, aber auch bei Themen wie Steuerpolitik, Energiewende und Zuwanderung suchte man vergebens nach Fragen und Antworten. So blieb die Podiumsdiskussion eine eher farblose Veranstaltung auf dem Weg zur Bundestagswahl, welche die wenigen bis zum Schluss verbliebenen Zuhörer in einen trüben regnerischen Abend entließ.
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