Sind wir auf dem rechten Auge blind?

Diskussion zu den Lehren aus der NSU-Mordserie im Karolinensaal


Mit gut 100 Zuhörern diskutierte die Darmstädter Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries (SPD) mit dem Vorsitzenden des NSU-Untersuchungsausschusses Sebastian Edathy (MdB), Sascha Schmidt vom Netzwerk Demokratie und Courage e.V. des DGB und der Ausländerbeirätin Hülya Lehr über die Lehren, die aus der NSU-Mordserie gezogen werden müssen. „Das beispiellose Versagen der Sicherheitsbehörden in diesem Fall macht deutlich: Die Struktur der Behörden gehört auf den Prüfstand“, so Edathy in seinem Einführungsvortrag am Mittwochabend (22.) im Karolinensaal des Staatsarchivs. „Außerdem muss die interkulturelle Kompetenz in den Behörden gestärkt werden und wir brauchen mehr Engagement im Bereich der Prävention von solchen Straftaten.“

Mit Blick auf die Situation in Südhessen und im Landkreis Darmstadt-Dieburg verdeutlichten Sascha Schmidt und Hülya Lehr, dass gerade vor Ort Zivilcourage und gemeinsames Eintreten gegen rechtsextreme Tendenzen notwendig ist. Nach der Diskussion der Experten auf dem Podium begann eine rege Debatte mit den Zuhörerinnen und Zuhörern. Die Beiträge aus dem Publikum bekräftigten, dass zur Bekämpfung des rechten Terrors der wichtigste Schritt die Prävention sei und man selbst seinen Beitrag für eine freie und tolerante Gesellschaft leisten muss. Das gegenseitige Kennenlernen, der kulturelle Austausch und die freundschaftliche Verbindung gebieten der Verbreitung von Fremdenfeindlichkeit Einhalt. Nicht nur die Behörden müssen präventiv auf rechte Tendenzen und Vorkommnisse eingehen, zur wehrhaften Demokratie gehöre, dass sich alle Demokraten für den Dialog und das Miteinander einsetzen, ergänzte eine Zuhörer aus Darmstadt am Ende der Publikumsbeiträge.

„Das hohe Interesse an dieser Veranstaltung zeigt: Viele Bürgerinnen und

Bürger sind nicht blind auf dem rechten Auge. Es ist gut, dass es in Darmstadt und im Landkreis viele Initiativen gibt, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren“, stellt Brigitte Zypries fest. „Wir alle können und müssen in unserem Umfeld und in vielen alltäglichen Situationen etwas gegen Intoleranz und Ausländerfeindlichkeit tun.“
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