ACE Auto Club Europa e.V. testet Parkhäuser an der Bergstraße

Beschwerliche Einfahrt auf der linken Seite (Foto: (c) ACE/khd)
 
erheblich abgenutze Fahrbahn (Foto: (c) ACE / Uwe Völker)
 
Der ehrenamtliche ACE-Kreisvorstand Rudolf Sterner (links) und Karl-Heinz Distler beim vermessen. (Foto: (c) ACE / Uwe Völker)
Kreis Bergstraße (khd/ACE) 10.02.2014
Einen Tag voller Überraschungen wurde dem Kreisvorstand des ACE-Kreises Darmstadt-Starkenburg am Freitag an der Bergstraße geboten. Gemeinsam mit dem Regionalbeauftragten des ACE Auto Club Europa e.V., Uwe Völker, besichtigten der 1. Kreisvorsitzende Rudolf Sterner und sein Stellvertreter Karl-Heinz Distler insgesamt 10 Parkhäuser, davon sieben in Bensheim und drei in Heppenheim.
Die 23.500 Einwohner zählende Kernstadt von Bensheim bereitet sich derzeit auf den Hessentag 2014 vor. Doch welche Parksituation erwartet die Besucher? Laut offizieller Zählweise kommt der ACE auf 1.755 Stellplätze in Bensheimer Parkhäusern.
Demnach teilen sich 13,4 Bensheimer einen Parkhausparkplatz. Doch nicht alle sind so attraktiv, dass man dort sein Auto gerne und unbesorgt abstellt. Es lässt sich unschwer vorstellen, wie es im Juni aussehen wird, da fünf der getesteten Parkhäuser vom ACE-Tester-Team gerade mal befriedigend eingestuft wurden.

Bensheim

Das Parkhaus in der Fehlheimer Str. ist nur zur Hälfte ein Parkhaus, da dass obere Parkdeck nur über die Wilhelmstr. erreichbar ist. Die geräumige Ein-, Durch- und Ausfahrt gefielen den Testern sowohl in punkto Breite als auch Höhe (2,1 m). Leider fehlten spezielle Frauen- bzw. Familienparkplätze, so dass hier nur 84 Punkte (befriedigend) erreicht wurden.
Die Zufahrt zum anschließend getesteten Parkhaus am Bahnhof brachte die ACE-Mannen doch leicht zum schmunzeln. Auf einem Schild wurde wohl ein Bindestrich vergessen, so dass man annehmen könnte, mit Bussen das Parkhaus nutzen zu dürfen, jedoch aufgrund der Höhe nicht kann. Die besonderen Stellplätze für Frauen, Familien und Behinderte konnten das Ergebnis von 88 Punkten (befriedigend) leider nicht verbessern, da die 2m Durchfahrtshöhe und 2,4m Stellplatzbreite grenzwertig sind.

Das in die Jahre gekommene Parkhaus Neumarkt in der Promenadenstr. enttäuschte die Tester. Die mögliche Durchfahrtshöhe (1,9m) ist auf der Preistafel hinter der Schranke kaum zu erkennen. Auch die Beleuchtung und die Sauberkeit eines Treppenhauses (Uringeruch) konnten nicht überzeugen. Auch der stellenweise sanierungsbedüftige Boden fielden Testern auf. So kam dieses Haus nur auf 77 Punkte (befriedigend).
Das Parkhaus Platanenallee hingegen wurde mit 108 Punkten (gut) befunden, auch wenn die Stellplätze nur 2,4m Breite aufwiesen und die Durchfahrtshöhe mit 2m gerade so am Limit ist. Die Sicherheit der Benutzer scheint hier großgeschrieben zu werden. Gute Markierung der Fußwege und Kennzeichnung der Ausgänge und Fluchtwege fielen ebenso positiv auf, wie die Erkennbarkeit der Notruftasten. Und endlich wurden die ACE-Tester vor der Einfahrt auf die Anzahl der freien Plätze informiert und nicht nur „Frei“/“Besetzt“.

Auch das Kaufhaus Ganz bemüht sich redlich um seine Parkhausnutzer. Das insgesamt helle und saubere Parkhaus könnte jedoch die Kennzeichnung der Fluchtwege verbessern. Den Benutzern wäre anzuraten, auf den Plätzen, die sich gegenüber der Ausfahrtrampen befinden, rückwärts einzuparken. Die Gesamtnote für dieses Parkhaus lautet „gut“ (100 Punkte).
In der Nibelungenstr. steuerte das ACE-Team das Guntrum-Parkhaus an und musste aufgrund der sehr geringen Durchfahrthöhe von 1,8 m das 1,95m hohe Testfahrzeug draußen lassen. Auch wenn dieses Haus gute Beleuchtung und insgesamt sauber erschien, fehlen leider Notruftasten. Die beengenden Verhältnisse hier brachten nur 84 Punkte (befriedigend) ein.

Das siebte getestete Bensheimer Parkhaus in der Heidelberger Str. machte nach der etwas unschönen Anfahrt (ein Wegweiser mehr zum Abbiegen wäre hilfreich) von außen einen guten Eindruck. Doch der täuschte. Durch die vielen Säulen schwankt die verfügbare Breite der Stellplätze zwischen 2,20m und 2,40m. Die Kennzeichnung zu den Ausgängen könnten ebenso verbessert werden, wie die Notrufeinrichtungen. Erfreulich ist anzumerken, dass hier außer reichlich Familien- und einigen Behindertenparkplätzen auch Extrastellplätze für Krafträder ausgewiesen sind. Auch ist der Ausgang für Rollstuhlfahrer im Ausfahrtbereich vom Fahrzeugverkehr räumlich abgetrennt. Die Tester konnten dennoch nur 83 von 150 möglichen Punkten vergeben (befriedigend).

Insgesamt auffällig war, dass nur zwei der getesteten Bensheimer Parkhäuser über die Anzahl der freien Plätze informieren und desweiteren die Parkgebühren an simplen Parkscheinautomaten bezahlt werden müssen. Die Benutzer müssen sich also im voraus auf ihre Parkzeit festlegen und müssen ausreichend passendes Münzgeld verwenden.
Das Parkleitsystem ist für Bensheim als gut zu bezeichnen, auch wenn einige Schilder etwas verbogen sind.

Nächster Halt: Heppenheim

Die Kreisstadt verfügt gerade mal über drei Parkhäuser mit offiziell 243 Stellplätzen.
Das erste getestete Parkhaus unter dem Hotel Park Inn (Altstadt) war das beste im Heppenheimer Test. Obwohl der ACE-Testwagen auch hier wegen der nur 1,85m Durchfahrtshöhe nicht einfahren konnte. Das helle sehr saubere und freundliche Erscheinungsbild konnte entscheidend punkten. Leider ist der Kassenautomat nicht sonderlich benutzerfreundlich – er nimmt nur Münzen. Auch die Preise sind weder hier, noch vor der Einfahrt ersichtlich. Besucher Heppenheims, die das Parkhaus durch den Ausgang zur Altstadt (An der kleinen Bach) verlassen, werden diesen Zugang bei der Rückkehr nicht wieder finden: kein Hinweis und versteckt. Mit 97 Punkten kann dieses Haus als „Gut“ bewertet werden.

Die Wegweisung zum Parkhaus in der Zwerchgasse ist mehr als verwirrend. Das Hinweisschild gaukelt durch eine rote Beklebung vor, belegt zu sein. Auch der weiße Strich ist nicht ohne weiteres als Richtungspfeil zu erkennen. Die angegebene Durchfahrtshöhe von 2 m stimmt zwar, jedoch sind viele Stellplätze durch die Lüftungsanlage für Kfz über 1,70m nicht nutzbar. Die 20 Frauenparkplätze waren wie das gesamte Parkhaus viel zu dunkel, so dass hier nur 76 Punkte (befriedigend) vergeben werden konnten.

Auch das Parkhaus Gräffstr. (Stadthaus) entäuschte auf ganzer Linie. Die Tester des ACE wunderten sich sehr über die unzureichende Bürger-/Kundenfreundlichkeit. Viele der vorhandenen Parkplätze sind für Behörden und deren Mitarbeiter reserviert – sogar der einzige ausgewiesene Behindertenparkplatz. Einige defekte Notausgangsbeschilderungen fielen ebenso negativ auf, wie die Suche nach Bezahlmöglichkeit. Für den Benutzer heißt es hier: Stellplatz suchen und, sofern man länger als 30 Min. verweilen möchte, dann das Parkhaus zur Wilhelmstr. verlassen um dort einen Parkschein zu ziehen, den man dann erstmal wieder zu seinem Fahrzeug bringen muss, bevor man die ruhige Innenstadt geniessen kann. Angenehm aufgefallen sind den Testern die Fahrradstellplätze an der Einfahrt. Das Ergebnis für dieses Parkhaus fiel mit 88 Punkten nur befriedigend aus.

Das perfekte Parkhaus wird es kaum geben. Denn die Ansprüche des ACE Auto Club Europa e.V. und die der Parkhausnutzer sind hoch: Mindestens 2,20m Durchfahrtshöhe, Stellplätze schräg angeordnet und mind. 2,55m Breit, Kassenautomaten, die Scheine (und mögl. auch EC-Karte) akzeptieren und Wechselgeld geben. Außerdem Helligkeit, besondere Parkplätze für Behinderte und Familien in ausreichender Anzahl, Notrufeinrichtungen auf jedem Parkdeck und persönliche Ansprechpartner vor Ort werden sich nicht so einfach und kostengünstig bewerkstelligen lassen.

Eine Schuld an den unzureichenden Parksituationen in den Städten lässt sich nicht einem Einzelnem zuordnen. Die Garagenverordnung wird von den Betreibern weitestgehend eingehalten. Die Fahrzeuge wurden im Laufe der Jahre immer breiter, sogenannte SUV immer beliebter und der Wunsch nach mehr Parkplätzen immer größer.
Nun kann jeder selbst nachdenken, was jeder selbst tun kann, um die Lage zu verbessern.
Parkhausbetreiber auf Einnahmen verzichten und dafür mehr und bessere Stellplätze anzubieten, die Industrie kompaktere und dennoch praktikable Autos entwickeln und die Verbraucher, ob es unbedingt ein Geländewagen sein muss.

In Anbetracht der Tatsache, dass unsere Regierung verstärkt auf Elektromobilität setzt, können sich auch Energielieferanten mit Parkhausbetreibern zusammentun und künftig Ladestationen in Parkhäusern anbieten.

Die Parkhaustests des ACE werden im Bereich des ACE-Kreises Darmstadt-Starkenburg fortgesetzt. Den ACE-Kreisvorstand erreichen Sie über ace-da@t-online.de und auch über Facebook.
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