Frühe Unterstützung für Schulkinder wichtig

Migrationsdienst des Caritasverbandes Darmstadt e. V. bietet Hausaufgabenhilfe an

Die Mädchen und Jungs der ersten und zweiten Klasse der Erich-Kästner Schule stürmen ins „Gelbe Haus“. Sie lachen und sind gut gelaunt. Man könnte meinen, sie freuen sich über hitzefrei doch sie sind auf dem Weg zur Hausaufgabenhilfe. Diese besuchen sie viermal die Woche von 14 bis 15 Uhr - nach getaner Arbeit können sie draußen unter Aufsicht spielen und sich austoben. Dann sind nämlich die „Großen“ bis 16 Uhr mit den Hausaufgaben an der Reihe. Seit letztem Schuljahr ist die Hausaufgabenhilfe der Caritas bei der Erich-Kästner Schule in das Ganztagsschulprogramm integriert, so dass auch immer eine Lehrerin mitarbeitet und der Sozialkritische Arbeitskreis Darmstadt e. V. eine Betreuerin zur Verfügung gestellt hat.

Im Klassensaal angekommen werden erst mal die Hausaufgabenhelferinnen und –helfer fröhlich begrüßt. „Ich hab eine zwei in Mathe“, klingt es an dem einen Tisch fröhlich, „Ich hab heute Geburtstag“ tönt es aus einer anderen Ecke. Bei all dem Gewimmel bleiben Hasrat Mamak und Elena Brenndörfer völlig gelassen. Dem Geburtstagskind wird gratuliert, die gute Note wird bewundert und dann vertieft sich jede Tischgruppe in die mitgebrachten Hausaufgaben. Fragen werden beantwortet, Schwächen erkannt und beseitigt. Die Atmosphäre stimmt und so ist eine gute Grundlage gelegt, dass die Kinder hier in Ruhe arbeiten können.
Zu Hause haben viele von ihnen diese Voraussetzungen nicht. Mal fehlt es an einem ruhigen Platz für die Hausaufgaben, mal können keine Fragen beantwortet werden, weil die Eltern die deutsche Sprache nicht gut können.

Hasrat Mamak, 24 Jahre, studiert Anglistik und Philosophie. Geduldig, geht sie auf die Fragen ihrer Tischgruppe ein. Schon als Oberstufenschülerin hat sie Kindern bei den Hausaufgaben geholfen. Der Caritasverband Darmstadt organisiert diese Hilfe seit über 40 Jahren. Mehr als 400 Kinder in Darmstadt nutzen diese präventive Hilfe, die an 14 Grundschulen und einer Lernhilfeschule angeboten wird. Je nach Schule wird das Angebot drei- bis viermal pro Woche für jeweils zwei Stunden angeboten.

Caritas Mitarbeiterin Gülsün Özcan organisiert dieses Angebot in Darmstadt. Neben ihrem Organisationstalent braucht sie viele Betreuungskräfte. Derzeit sind es 78 Männer und Frauen, welche die Kinder und Jugendlichen im Alter von sechs bis 16 Jahren betreuen. Viele Kinder haben einen Migrationshintergrund. Sie kommen überwiegend aus der Türkei, Afghanistan oder Pakistan, insgesamt sind rund 30 Staatsangehörigkeiten vertreten. Hasrat Mamak ist froh, dass sie den Kindern zu einer guten Schulausbildung helfen kann. Als Kind habe sie dieses Angebot selbst genutzt und viel davon profitiert, erzählt die engagierte Studentin, die auch schon drei Jahre in der Einzelbetreuung gearbeitet hat. Diese Hilfe ist für Kinder, denen das Gruppenangebot an den Schulen nicht ausreicht.

Am Nebentisch überprüft Elena Brenndörfer die Hausaufgaben von Helin. Auch nach elf Jahren hat sie den Spaß an dem Hilfeangebot nicht verloren. „Ich habe hier so wunderschöne Geschichten erlebt“, erzählt sie glücklich. „Mit den Kindern zu arbeiten ist für mich ein Genuss.“ Helin, Schülerin der vierten Klasse, erzählt stolz, dass sie nach den Sommerferien aufs Gymnasium wechselt. Ohne Hausaufgabenhilfe hätte sie das nicht geschafft, denn erst hier habe sie gelernt, konzentriert zu arbeiten. So manche schwierige Phasen haben die beiden in den vergangenen vier Jahren gemeinsam gemeistert und sind überglücklich über das erreichte Ziel.

Caritasdirektor Franz-Josef Kiefer sieht sich bei den nachweislichen Erfolgen vom Konzept der frühen Hilfe bestätigt. „Je früher eine Unterstützung anfängt, desto besser und nachhaltiger“, so Kiefer. Dafür investiert der Verband auch Eigenmittel, so dass die Hausaufgabenhilfe sich fast zu gleichen Teilen durch die Stadt Darmstadt, das Kultusministerium und den Caritasverband Darmstadt finanziert.

Vielen Kinder würden ohne die Hausaufgabenhilfe Nichtversetzung bzw. Förderschuleinweisung drohen. Auch „Seiteneinsteiger“ ohne Deutschkenntnisse, die ins laufende Schuljahr eingeschult werden, kämen ohne das Angebot nicht zurecht. Zusätzlich können sie auch noch Sprachkurse der Caritas besuchen. Gülsün Özcan sucht dringend ehrenamtliche Unterstützer, um den rund 50 Kindern, die derzeit auf Wartelisten stehen auch Hoffnung auf eine gute Zukunft geben zu können.

Um 16 Uhr haben alle ihre Aufgaben erledigt. Ein frohes „Geschnatter“ füllt wieder den Raum und mit einem fröhlichen „Bis morgen“ stürmen alle aus dem „Gelben Haus“.

Kontakt:
Hausaufgabenhilfe des
Caritasverbandes Darmstadt e. V.
Gülsün Özcan (Darmstadt): 06151 609643


Angeboten wird die Hausaufgabenhilfe an folgenden Schulen:


Astrid-Lindgren-Schule, Chr. Morgenstern-Schule, Erich-Kästner-Schule,
Ernst-Elias-Niebergall-Schule, Friedrich-Ebert-Schule, Goetheschule,
Heinrich-Heine-Schule, Käthe-Kollwitz-Schule, Heinrich-Hoffmann-Schule,
Ludwig-Schwamb-Schule, Mornewegschule, Schillerschule, Wilhelm-Busch-Schule und Wilhelm-Hauff-Schule
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