Rechts vor links an der Spielstraße?

  Darmstadt: kantplatz |

Halten Sie sich für verkehrsregelfest?

Freitagnachmittag fuhr ich mit dem Rad auf der Schlossgartenstraße in Richtung Kantplatz. Auf der von rechts einmündenden Hochschulstraße (s. Abb. 1) radelte ein Herr ebenfalls in Richtung der Kreuzung, auf der auch noch ein Fußgängerüberweg eingerichtet ist. Es war auffällig, dass dieser Radfahrer relativ unbeirrt von mir auf die Kreuzung zusteuerte ohne Anstalten zu machen Vorfahrt zu gewähren. Ich wollte aber weder auf meine Vorfahrt verzichten, noch geltendes Recht aufweichen und bremste ebenfalls nicht gleich ab. Dies tat dann der andere, weil er doch etwas später eintraf. Während ich ihm darauf einen strengen Blick zuwarf, entgegnete er: „Rechts vor links! … Arschloch!“ Ob er mein erst spät überlegtes „Aber nicht hier!“ noch hören konnte, weiß ich nicht. Zumindest wusste ich, dass er seinen Vorfahrtswunsch nicht darauf begründete halb über den Fußgängerüberweg gefahren zu sein.
Tatsächlich kam ich, ob der Vehemenz seiner Äußerung, ins Zweifeln, fuhr zurück, fotografierte die Kreuzung und fragte mich, warum die Vorfahrtsverhältnisse dort so häufig falsch beurteilt werden.

Hier die Fakten:

• Die Hochschulstraße ist eine Spielstraße, offiziell ein verkehrsberuhigter Bereich. Dies schließt die Rechts-vor-Links-Regelung aus. Wer also eine Spielstraße verlassen möchte, muss immer Vorfahrt gewähren.
• Ein abgesenkter Bordstein, der bei der Vorfahrtsregelung das gleiche bewirkt wie die Spielstraße, ist ebenfalls zu erahnen. Nur weil sowohl für den Straßenbelag, als auch für Bordstein und Regenrinne das gleiche Pflaster verwendet worden ist, wird dies nahezu unsichtbar.
• Eine Regenrinne alleine ist kein abgesenkter Bordstein und hebt eine Rechts-Vor-Links-Regelung nicht auf.
• Nutzt ein Radfahrer einen Fußgängerüberweg, darf er weder damit rechnen, dass ihm Vorfahrt gewährt wird, noch dass er im Falle eines Unfalls Recht bekommt. Wie es der Name sagt, sind Fußgängerüberwege nämlich den Fußgängern als Hilfe bei sonst kaum überquerbaren Straßen vorbehalten.

Erleichtert war ich darüber nichts falsch gemacht zu haben.

Dafür bin ich nun erschrocken darüber, dass offenbar Unkenntnis nicht unwesentlich zum Regelbruch beiträgt. Vllt. sind aber auch unklare bauliche Voraussetzungen der Auslöser für Missverständnisse:

Unverständlich ist, warum nicht-vorfahrtspflichtige Zufahrten, wie die Spielstraßen, oft auf den ersten Blick kaum als solche erkennbar sind, wenn man nicht gerade selbst darauf unterwegs ist. Dafür gibt es in Darmstadt einige weitere Beispiele.
Welchen Vorteil hat der verkehrsberuhigte Bereich an dieser Stelle gegenüber einer gewöhnlichen Straße oder der Sperrung für den motorisierten Individualverkehr? Durchgangsverkehr wird es auf dieser als Sackgasse zu sehenden Straße nicht geben.

Warum wird ein Fußgängerüberweg zwischen zwei einkreuzende Straßen gelegt, statt davor oder danach? Hatte man bei der Planung die Verkehrssicherheit im Blick?

Genauso unklar ist warum unterschiedliche Verkehrsbereiche optisch so gleichgemacht werden, dass sie nicht für jeden auf den ersten Blick zu unterscheiden sind. Verkehrssicherheit sollte hier gegenüber städtebaulichen Belangen Vorrang haben.

Die vermutlich einfachste und schnellste Abhilfe Maßnahme wäre, vor Ausfahrten aus Spielstraßen eine dicke Haltelinie anzubringen. Bis dahin hilft es nur sich daran zu erinnern, dass auch Radfahrer auf Spielstraßen Vorfahrt gewähren müssen.
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