Teilzeitausbildung in der Altenpflege

Darmstadt: Altenpflegeschule | Während Teilzeitberufsausbildung in vielen Berufsbereichen möglich ist, fehlte bisher in Gesundheits‐ und Pflegeberufen diese Alternative gänzlich. Eine Ausbildung in Vollzeit spiegelt jedoch keinesfalls die Beschäftigungssituation der Gesundheits‐ und Pflegekräfte wieder: Laut dem hessischen Pflegemonitor liegt gerade in der Altenpflege die Teilzeitquote mit 45 bis 75 Prozent deutlich höher über dem bundesweiten Branchendurchschnitt mit 26,5 Prozent. Weibliche
Pflegekräfte machen 85 Prozent aller Beschäftigten aus.

Eine Ausbildung zur Altenpfleger/in oder Altenpflegehelfer/in in Teilzeit suchte man bisher in der Region vergeblich. Das sollte sich ändern, auch angesichts des spürbaren Fachkräftemangels, waren sich die Netzwerkpartnerinnen im Projekt LENA einig. LENA steht für das Leistungsnetzwerk für Alleinerziehende im Landkreis Darmstadt‐Dieburg, dass seine Aktivitäten seit Mai 2011 für die Verbesserung der Unterstützungsangebote für Alleinerziehende im Landkreis richtet.

Das Projekt wird gemeinsam von sefo femkom Frauenkompetenzzentrum e.V., ZIBB – Frauen für Frauen e.V. und Landkreis Darmstadt‐Dieburg mit ESF‐Förderung im Rahmen des Bundesprogramms „Netzwerke wirksamer Hilfen für Alleinerziehende“ des Bundesarbeitsministeriums durchgeführt.

„Für die Gewinnung neuer Personengruppen für die Altenpflegemüssen sich auch die Ausbildungsstrukturen in der Altenpflege ändern“, ist Laima Nader, Projektleiterin des Netzwerkes LENA beim Projektträger sefo femkom, überzeugt. In den Ausbildungsberufen nach dem Berufsbildungsgesetz bzw. der Handwerksordnung besteht für junge Menschen, die z.B. Erziehungsaufgaben wahrnehmen oder ihre Angehörige pflegen, bereits seit 2005 die Möglichkeit
eine Berufsausbildung mit reduzierter täglicher Arbeitszeit zu absolvieren. „Das
wollen wir auch für den Altenpflegebereich“, sagt Laima Nader.

„Es ist wichtig auch in der Altenpflegeausbildung familienfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Menschen mit familiären Verpflichtungen eine Chance auf eine Ausbildung und eine qualifizierte Beschäftigung in diesem Bereich haben“, erklärt Esther Hachen, die bei sefo femkom e.V. im Projekt „DANA –2 Darmstädter Netzwerk für Alleinerziehende“ drei Jahre lang alleinerziehende SGB II‐Empfängerinnen begleitet und auf dem Weg in eine Beschäftigung unterstützt hat.

Mit diesem Hintergrund hat das Netzwerk LENA den Runden Tisch „Teilzeitausbildung in der Altenpflege“ ins Leben gerufen und lud kürzlich bereits zum zweiten Mal die Akteure aus den ambulanten und stationären Altenpflegeeinrichtungen, die Altenpflegeschulen und die Vertreterinnen und Vertreter des Landkreises, der Kreisagenturfür Beschäftigung sowie der Agentur
für Arbeit zum Arbeitstreffen in das Kreishaus nach Darmstadt‐Kranichstein ein.
Der Runde Tisch startete gleichzeitigmit dem ersten bundesweiten Ausbildungspaktfür den Bereich der Altenpflege.

Zur Sicherung des Fachkräftebedarfsin der Altenpflege hatte die Bundesregierung
im vergangenen Jahr die "Ausbildungs‐ und Qualifizierungsoffensive Altenpflege" initiiert und im Dezember 2012 mit rund 30 Partnern aus Bund, Ländern und Verbänden Vereinbarungstext zur Ausbildungs‐ und Qualifizierungsoffensive Altenpflege unterschrieben. „So fügt sich unsere lokale Initiative in die bundesweiten Bemühungen im Bereich Altenpflege ein und wird von dieser
flankiert“, berichtet Laima Nader und freut sich, für das Thema Teilzeitausbildung in der Altenpflege alle wesentlichen Akteurinnen im Landkreis aktiviert zu haben.

Bereits zum zweitenTreffen des Runden Tisches hat Martina Werner‐Ritzel, Leiterin der Altenpflegeschulen Mission Leben, das Konzeptfür die Ausbildung in Teilzeit zur Altenpflegehelfer/in und Altenpfleger/in vorgelegt und plant die Ausbildung
im August 2013 zu starten. „Wir als Altenpflegeschule können ein flexibles Angebot in Teilzeit im Bereich Altenpflege problemlos schaffen“, sagt Frau Werner‐Ritzel und fügt hinzu: „Dies setzt aber voraus, dass auch die ausbildenden Praxisstellen ihre Ausbildung so umgestalten, dass Frauen und Männer mit erzieherischen oder familiären Aufgaben die für die Ausbildung notwendigen
Praxiszeiten absolvieren können“.

Die Altenpflegeeinrichtungen im Landkreis haben Schwierigkeiten, die Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen. „Generell sind wir für flexible Lösungen bei der Gewinnung der Fachkräfte aufgeschlossen“, meint Ursula Fiebach von der Seniorendienstleistungs gemeinnützigen GmbH Gersprenz und sieht hier auch Handlungsbedarf seitens der Einrichtungen: „Wichtig ist, dass die
Einrichtungen nach individuellen Lösungen suchen und nicht in ihren gewohnten organisatorischen Strukturen verharren.“

Von dem gegenseitigen Austausch am Runden Tisch profitieren alle Seiten: Die ambulanten Dienste und stationären Altenpflegeeinrichtungen haben aus erster Hand die Informationen über die kniffligen Fragen der Förderungsmöglichkeiten bei der Qualifizierung und Ausbildung des Pflegepersonals von den Vertretern der Bundesagenturfür Arbeit und der Kreisagentur für Beschäftigung erhalten. „Gemeinsam ist uns gelungen, ein Angebot in die Wege zu leiten, das in
einem so wichtigen Beschäftigungsfeld die Entwicklung von Fachkräften sichert und insbesondere 3 Frauen erweiterte Möglichkeiten bietet“, betonen Monika Krutsch, Qualifizierungsbeauftragte des Landkreises Darmstadt‐Dieburg, und Astrid Rumpf‐Starke, Fachbereichsleiterin des Fachbereichs Familie, Soziales und Chancengleichheit der Stadt Pfungstadt.

Geplant ist, weiter im kollegialen Austausch über Wege und Formen der besseren Vereinbarkeit zu diskutieren und praktische Lösungsvorschläge auszutauschen. Hierzu sind alle Interessierten aus dem Bereich Altenpflege herzlich eingeladen.
Nähere Informationen zum Projekt, Runden Tisch sowie zum Thema Teilzeitausbildung in der Altenpflege erhalten Sie unter Tel: 06151‐41230, www.femkom.de/lena.

Bewerbungen für die Ausbildung zur Altenpfleger/in bzw. Altenpflegehelfer/in in Teilzeit richten Sie direkt an die Altenpflegeschule Mission Leben – Lernen GmbH, Schöfferstraße 10, 64295 Darmstadt, Tel.: 06151 87012‐14.
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