Was für ein Risikotyp bist du?

Projekt „Hart am Limit“ geht mit Circus Waldoni neue Wege mit Jugendlichen, die zuviel Alkohol trinken

Das Problem ist groß, allein 2011 wurden wegen Komasaufens bundesweit 26.349 Jungen und Mädchen zwischen zehn und 19 Jahren stationär in einer Klinik behandelt. Angesichts dieser hohen Zahl jugendlicher Komatrinker pro Jahr hat der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn gefordert, die Eltern an den Behandlungskosten mit 100 Euro zu beteiligen.

Kritisiert und abgelehnt wird dieser Vorstoß nicht nur von der Opposition auch der Caritasverband Darmstadt hält nichts von solchen Sanktionen. Hier setzt man lieber auf Frühintervention und bietet als Kooperationspartner der Wissenschaftsstadt Darmstadt beim Projekt „Hart am Limit“ jugendlichen Rauschtrinkern Beratung und Hilfe statt Strafe an.

Hart am Limit, kurz HaLT genannt, ist ein spezifisches Angebot für Kinder und Jugendliche, die nach exzessivem Trinken mit einer Alkoholvergiftung in einer Klinik aufgenommen werden müssen. Fast genau vor einem Jahr startete das Projekt in Darmstadt, welches vom hessischen Sozialministerium gefördert wird. 31 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren, davon 6 aus Darmstadt, haben das Hilfeangebot seither in Anspruch genommen.

HaLT sucht betroffene Jugendliche möglichst noch im Krankenhaus auf. Anfangs reden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihnen, um Vertrauen aufzubauen und die Gründe für den Alkoholexzess zu reflektieren. In einem freiwilligen Risikocheck, der einen Tag dauert, wird die Risikobereitschaft getestet, Grenzen erkannt und Nein sagen gelernt. Bisher wurde dies in den Räumen des Suchthilfezentrums durchgeführt. Ab 23.Februar geht man nun neue Wege und zwar als Tandemprojekt von Mitarbeitern des Suchthilfezentrums vom Caritasverband Darmstadt und des Circusprojekts Waldoni.

„In den Räumen des Circus Waldoni erfahren die Jugendlichen, dass es eigene Grenzen gibt und dass es gut ist, sie zu kennen und zu akzeptieren. Im Rahmen des erlebnispädagogischen Circustrainings erleben sie diese persönlichen Grenzen beispielsweise, wenn sie über das Hochseil balancieren, am Trapez hängen oder beim Bau einer Menschenpyramide. „Sie übernehmen für sich und andere Verantwortung und erfahren, dass für ein Kick-Erlebnis kein Alkohol nötig ist“, so Julia Timme, und Daniel Hänel vom Suchthilfezentrum Darmstadt und David Lanza vom Kinderzirkus Waldoni, die gemeinsam das Angebot durchführen.

Dienststellenleiterin Andrea Wiechert ist froh, dass dieses kostenfreie Präventionsangebot von allen Darmstädter Jugendlichen genutzt werden kann, die mit Alkohol an ihre Grenzen gekommen sind.
Nicht nur den Jugendlichen, die im Krankenhaus landen, sondern auch denen, die wegen ihres riskanten Alkoholkonsums der örtlichen Jugendhilfe, Schulen oder Kinderärzten aufgefallen sind, wird hier Hilfe angeboten. Vier Termine stehen im Jahr 2013 zur Auswahl.

Stadträtin Barbara Akdeniz ist Schirmherrin dieses Projektes.
„Die Wissenschaftsstadt Darmstadt schafft mit präventiven Projekten und Maßnahmen, wie aktuell dem „HaLT - Projekt, gute Perspektiven für die Generationen jüngerer Menschen in Darmstadt“, so die Sozialdezernentin.
„Der Start des Projektes „Risikocheck“ ist ein weiterer wichtiger Schritt im Kontext der nachhaltigen Präventionsarbeit in der kommunalen Sucht- und Drogenhilfe.
„Ich freue mich, zusammen mit dem Suchthilfezentrum des Caritasverbandes Darmstadt und dem Circusprojekt Waldoni, diese erlebnispädagogische Maßnahme in Darmstadt umsetzen zu können“.

Erlebnispädagogik ist aber nur ein Teil des Programms. HaLT vermittelt den Jugendlichen Informationen zum Thema Alkohol und Sucht, reflektiert den Alkoholkonsum im Erfahrungsaustausch, spricht über den Umgang mit Risikosituationen und setzt Zielsetzungen für einen risikoarmen Umgang mit Alkohol. HaLT möchte den Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol vermitteln. Sollte sich in den Gesprächen oder im Risikocheck zeigen, dass der Jugendliche bereits eine Problematik aufweist, so sind die jungen Menschen in den richtigen Händen und können in weitere Hilfeangebote vermittelt werden.
HaLT handelt aber nicht erst, wenn Grenzen überschritten sind. Das Projekt setzt auch wesentlich auf die Präventionsarbeit auf kommunaler Ebene. Volker Weyel, Suchthilfekoordinator der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat viele suchtpräventive Maßnahmen im Umgang mit Alkohol auf den Weg gebracht. Sichtbar ist der Erfolg daran, dass Darmstadt hessenweit die wenigsten Krankenhauseinweisungen von jugendlichen komatösen Rauschtrinkern hat.

Weitere Informationen erteilt das Caritas Suchthilfezentrum Darmstadt:
Tel.:06151 666770
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