Absteiger der Herzen

Verabschiedung der Spieler aus Darmstadt. (Foto: Gido Heß)
 
Felix Platte im Luftkampf. (Foto: Gido Heß)
Fußball. Als um 17:19 Uhr Schiedsrichter Benjamin Brand die Partie zwischen der Hertha aus Berlin und dem SV Darmstadt 98 abpfiff, waren zwei Jahre Bundesliga im Böllenfalltorstadion endgültig beendet. Ein großes Abenteuer hatte sein Ende gefunden - und dennoch wurde es von den Fans frenetisch gefeiert. Trotz der verdienten 0:2 (0:2)-Niederlage gegen die Mannschaft von Pal Dardai wurde das Team von Trainer Torsten Frings von allen Anhängern der Lilien frenetisch gefeiert.
Eingeleitet wurde das letzte Heimspiel der Lilien in der Bundesliga (vorerst) durch eine große Choreographie. Auf der Südkurve wurde ein Banner hochgezogen, welches Darmstädter Helden aus der jüngsten Vergangenheit wie Kapitän Sulu oder Benjamin Gorka darstellte. Gleichzeitig bauten die Fans auf der Gegengerade mit Hinblick auf die Forderungen der DFL bezüglich der Überdachung der Gegengerade in naher Zukunft einfach ihr eigenes Dach - besehend aus hunderten von Regenschirmen - auf. Unterstützung gab es diesbezüglich auch von den Fans aus der Hauptstadt, die während dem Spiel ein Banner mit der Aufschrift "Lilien nur echt im Bölle" hochhielten. Selbst in anderen Stadien - wie beispielsweise bei Werder Bremen - wurden Banner aufgerichtet. Die Bremer Fans wollen die "Böllenfalltorkultur erhalten", wie es wortwörtlich auf ihrem Plakat steht. Nicht nur das zeigt, dass der SV 98 sich in den letzten zwei Jahren in der Bundesliga einen Namen gemacht hat und das traditionsbewusste Handeln für positives Aufsehen gesorgt hat in den Zeiten von RB Leipzig & Co.
Vor der Partie wurde es bereits emotional im Darmstädter Stadion am Böllenfalltor. Das Präsidium verabschiedete einige Spieler, die in der kommenden Saison nicht mehr das Trikot der Lilien tragen werden. Dazu gehören die Leihspieler Schipplock, Guwara und Sam, die aller Voraussicht nach zu ihren Clubs zurückkehren werden. Auch die Ukrainer Fedetskyy, Oliynyk und Berezovsky wurden verabschiedet - sie alle bekamen vom Verein ein Plakat mit Bildern ihrer schönsten Momente in Darmstadt geschenkt. Den emotionalen Höhepunkt erreicht die Verabschiedung allerdings bei der von Benjamin Gorka und Dominik Stroh-Engel. Sie hatten beide in der jüngsten Vergangenheit maßgeblichen Anteil am blau-weißen Wunder und wurden zurecht frenetisch von den Fans auf den Tribünen gefeiert. Beide bekamen von Torsten Frings noch ein paar Einsatzminuten im Spiel gegen die Hertha - eine sehr faire Geste des Darmstädter Trainers.
Das Spielgeschehen wies dagegen nur wenige Höhepunkte auf. Da das Spiel durch konsequent konternde Berliner bereits in der ersten Halbzeit durch zwei Kopfballtore entschieden war, plätscherte die Partie vor allem im zweiten Durchgang mit Ausnahme einer kleinen Drangphase der Lilien so vor sich hin. Den Fans war das egal - sie feierten ihre Mannschaft in jeder Sekunde. Nach dem Abpfiff war das Abenteuer Bundesliga am Bölle dann endgültig beendet. Das Präsidium und die gesamte Mannschaft zog sich T-Shirts mit der Aufschrift "Danke" über und drehte mit einem Banner ("Ihr seid und bleibt erstklassig") eine Ehrenrunde im Stadion. Selbst eine Viertelstunde nach Abpfiff war das Stadion immer noch prall gefüllt und die Fans der Lilien bejubelten ihre Mannschaft.
In der kommenden Saison bzw. bereits in der Vorbereitung nach dem Sommerurlaub wird es dann Aufgabe für Trainer Frings sein, eine Mannschaft für die Zweite Liga auf die Beine zu stellen. Einige Spieler haben einen Vertrag für die Zweite Liga, einige haben eine offene Zukunft vor sich. Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel meinte Torsten Frings, dass sie den Spielern das bestmögliche Angebot unterbreiten werden, es aber nicht in den Händen des Vereins läge, ob ein Spieler in Darmstadt bleibe. Spieler wie Sulu, Gondorf, Heller und Vrancic haben längst Begehrlichkeiten in der Bundesliga geweckt und werden gewiss das ein oder andere Angebot von einem Bundesligisten bekommen. Dann ist es nur noch die Entscheidung der Spieler, ob sie bei den Lilien bleiben wollen oder die Bundesliga ihrem alten Club vorziehen. Bezeichnend dafür, dass die Fans die meisten Leistungsträger ebenso gerne in Darmstadt halten würde wie das Trainerteam, war ein Plakat mit der Aufschrift "Hamit bleib da! Wir brauchen dich!" auf der Gegengerade. Damit wurde ein möglicher Verbleib von Hamit Altintop angesprochen, welcher dem gesamten Verein sehr gut tun würde.
Nach dem Sommerurlaub beginnt für die Lilien dann die Vorbereitung auf die Zweite Liga - und das gewiss mit einigen neuen Spielern in den eigenen Reihen. Nun steht allerdings erst einmal das letzte Saisonspiel kommenden Samstag in M'Gladbach an, was dann die Zeit der Darmstädter in der Bundesliga dann endgültig beenden wird. Doch wer weiß, wie lange man sich in Darmstadt (nur) gedulden muss - in Wundern vollbringen hat man in Darmstadt bekanntermaßen gute Erfahrungen gemacht und unter Torsten Frings hat man deutlich gesehen, dass sich etwas getan hat in den vergangenen Wochen im Verein und in der Mannschaft. Vielleicht muss man in Darmstadt ja nur ein Jahr auf Bundesligaluft verzichten...
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