Der SV Darmstadt 98 - Eine wahre Herzensangelegenheit

Fußball. Woche für Woche, Spieltag für Spieltag, Saison für Saison - der SV Darmstadt 98 elektrisiert fast täglich tausende Fans in Darmstadt und Umgebung. Vor allem in den letzten 4 Jahren erlebte der Verein nahezu eine Wiedergeburt - entscheidend dafür waren drei ganz spezielle Doktoren.
Zu Beginn ist Hans Kessler, ehemaliger Präsident des Traditionsvereins der Lilien, natürlich zu nennen. Ohne Kessler gäbe es den SV 98 womöglich - wenn überhaupt - nur noch in den Ligen der Kreisklasse. Der Ex-Präsident trommelte Gelder zusammen, die den damaligen Viertligisten tatsächlich vor der Insolvenz retteten. Damit wurde die Grundlage geschaffen für ein anstehendes, ungeahntes märchenhaftes Abenteuer in einer eigentlich - fußballerisch gesehen - unwichtigen kleinen Stadt aus Südhessen.
Die nächste zentrale Rolle in dieser einmaligen Geschichte nimmt Rüdiger Fritsch ein. Nach Jahren in der Vize-Rolle des Präsidenten Kessler nahm er nach dessen Amtsniederlage die Position des Präsidenten der Lilien ein. Er holte mit Kosta Runjaic einen Mann an Bord, der den SV 98 aus dem Abstiegskampf der Regionalliga Süd befreite und in die 3. Liga brachte. Doch das Verlangen nach mehr klopfte bei ihm in Form des damaligen Zweitligisten MSV Duisburg an die Tür. Nach einer kleinen Misere durch Jürgen Seeberger, der die 98er nicht wie erhofft aus dem Abstiegskampf der 3. Liga befreien konnte, machte Fritsch den entscheidenden Schritt: Er beorderte Dirk Schuster als neuen Cheftrainer nach Darmstadt. Zwar schaffte er nur unter freundlicher Mithilfe von Rivale Kickers Offenbach den Klassenerhalt, danach hatte er aber freie Bahn in Richtung Sensation!
Doch die Geschichte kennt man in Südhessen - eigentlich in ganz Deutschland - bereits ausführlich. Diese vergangenen Geschehnisse waren die Geschichten, die für Furore sorgten. Doch über einen Teil, der dieses Wunder aus nächster Nähe erleben durfte, wurde nie so wirklich berichtet: Der Fan.
Das Böllenfalltorstadion fasst 15.000 Zuschauer im Heimbereich. Zwar ist jenes ehrwürdiges Stadion, dessen Tage angezählt sind, nicht seit 4 Jahren durchgängig eine Fan-Festung - es ist für zahlreiche Anhänger aber ein zweites Wohnzimmer. Egal ob auf der Haupttribüne, in den Kurven oder auf der Gegengerade - jeder Fan hat im Stadion sein eigenes Zuhause. "Decubitus" fasst mit ihrem Lied "Lilienfieber" genau das zusammen, was ich mit dem Bericht versuchen will zu übermitteln. "Egal in welcher Liga halten wir zusammen" heißt es in dem Song zu Beginn. Damit sind die Fans auf den Tribünen gemeint, die den SV Darmstadt 98 seit unbestimmter Zeit unterstützen. Weiter geht es mit der Aussage "auch ohne Flügel erreichen wir unser Ziel" - das Motto der Lilien hätte man kaum besser treffen können. Denn mit wenig (finanziellen) Mitteln erreichte man in Südhessen Großartiges.
Außerdem trifft diese Aussage auch auf die Fankultur in Darmstadt zu. Fast nie konnte man Beschwerden über ein schwaches Spiel o.Ä. finden - im Gegenteil! Nach einer bitteren Niederlage gab es durchweg nur Aufmunterungen und Motivationen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Die ganze Fangemeinde ist wie eine große Familie zusammengewachsen. Dies ist schon daran erkennbar, dass man sich nach einem Treffer schon einmal in den Armen eines eigentlich Unbekannten befindet. Oder das man im Stadion den kompletten Alltag und die damit verbundenen Probleme ausblendet, um ein tolles Fußballspiel zu erleben. Wo gibt es solch ein Phänomen denn noch? "Wie eine Mauer stehen wir zusammen - Kilometer weit weg hört man unseren Gesang" singt "Decubitus" in ihrem Lied.

An dieser Stelle ist es einfach soweit, um einfach mal Danke zu sagen. Danke, für all die tollen Wochenenden! Danke, für all die Freude und Leidenschaft! Danke, dass wir alle ein Teil einer großen Familie sein dürfen! Danke an den SV Darmstadt 98!
Oder um den Bericht mit "Decubitus" zu beenden: "Lilienfieber - nichts ist mir lieber!"
1 Kommentar
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steffen zschau aus Darmstadt | 24.02.2016 | 09:37  
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