Dirk Schuster noch besser als die Gebrüder Grimm

Fußball. Vor etwa 200 Jahren faszinierten die Gebrüder Grimm die Menschen mit unterhaltsamen und faszinierenden Märchen. Selbst heute werden diese Geschichten noch gerne gelesen, auch wenn die Märchen schon über zwei Jahrhunderte alt sind.
Allerdings gibt es auch in der Gegenwart Märchenerschaffer. Einer von denen, der das vielleicht beste Märchen verfasst hat, ist ein Mann, der gut 150 Jahre nach der Veröffentlichung der Grimms Märchen geboren wurde. Doch wenn man den Namen Dirk Schuster hört, muss man erst einmal über ein paar Ecken denken, um darauf zu kommen, dass er selbst schon ein großartiges Märchen verfasst hat. Zwar ist der 47-jährige aus Chemnitz stammende Trainer kein altmodischer Dichter oder Verfasser, sondern jemand, der ein Märchen im modernen Sinner vollbracht hat.
Als er im Winter 2012 zum Tabellenletzten SV Darmstadt 98 wechselte und dort das Amt der Trainers übernahm, kannten ihn nur die größten Fußballspezialisten. Als Fußballer hat er seine Fußabdrücke bis hin zur Nationalmannschaft hinterlassen, doch danach verschwanden seine Wege in der Versenkung. Schuster wurde vom Präsidenten Rüdiger Fritsch zum SV 98 geholt und sollte als dritter Trainer der laufenden Dirttligasaison die Lilien vor dem Abstieg in die Regionalliga retten. Sobald er ins Team trat, besserte sich die Leistung der gesamten Mannschaft enorm. Vor allem einige Defizite in der Defensive verschwanden durch die Eingriffe des Trainers und angehenden Märchenschreibers. In einem seiner ersten Spiele als Cheftrainer kamen immerhin knapp 4000 Zuschauer, was für Darmstadt schon fast ein Rekord in der laufenden Saison war. Und trotz ansprechender Leistung standen die Lilien am Ende der Saison mit Tränen im Gesicht auf dem 18. Tabellenplatz, was den Abstieg in die 4. Liga und damit wohl auch der endgültige Abschied aus dem Profifußball bedeutete.
An dieser Stelle konnte der Märchenverfasser noch keine Wunder vollbringen. Denn dieses geschah beim Erzfeind - die Offenbacher Kickers bekamen keine Lizenz für die kommende Saison in der 3. Liga und so hielt der SVD mithilfe von finanziellen Mitteln die Klasse. Wäre dieser Schritt nicht gewesen, stünde der SV 98 wohl heute noch immer da, wo sich die Kickers seit jeher befinden: In der Regionalliga!
Ab diesem Zeitpunkt begann Dirk Schuster zu schreiben. Da er erst mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison die frohe Botschaft aus dem benachbarten Offenbach bekam, konnte er nur ausgemusterte Spieler zu den Lilien verführen. So kannte vor der anstehenden Spielzeit niemand auch nur im Ansatz die Namen Dominik Stroh-Engel und Marcel Heller, die Trainer Schuster aus der Versenkung nach Südhessen brachte. So gingen die Lilien als klarer Außenseiter in die Saison und jeder Fachmann stempelte den SV 98 als ersten Absteiger fest. Aber die Mannschaft von Dirk Schuster gewann mit unglaublichem Willen und Teamgeist fast jedes Spiel und vor allem zwei ausgemusterte Spieler traten hier ins Rampenlicht: Stroh-Engel stellte mit 27 Treffern einen bis heute unangetasteten Torrekord in der 3. Liga auf und Marcel Heller wurde nach der Saison wegen seiner Schnelligkeit und Dribblingstärke in die "Elf des Jahres" gewählt. Am Ende stand man völlig überraschend auf dem Relegationsplatz um den Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Trainer Schuster wollte sein Märchen wohl etwas mit Spannung und Fassungslosigkeit gestalten, denn das Hinspiel gegen Arminia Bielefeld in der Relegation ging klar mit 1:3 im eigenen Stadion verloren. Kein einziger Mensch außer Schuster und seine Mannschaft selbst setzte mehr einen Pfifferling auf den SV 98, der im Rückspiel auf der "Bielefelder Alm" aufdrehte. Nachdem die Lilien in der regulären Spielzeit ein 3:1 erkämpft hatten, beschrieb Trainer Schuster eine neue Hauptperson in seinem Märchen. Elton da Costa schoss - wie jedem wohl bekannt ist - den SV Darmstadt 98 völlig überraschenderweise in der Nachspielzeit der Verlängerung in die 2. Liga, nachdem Bielefeld zuvor den vermeintlichen Treffer zum Klassenerhalt erzielt hatte.
Nun könnte Dirk Schuster sein Märchen mit einem "Happy End" ausklingen lassen. Aber er wollte einfach nicht aufhören und so gingen die Lilien in die erste Zweitligasaison seit einer gefühlten Ewigkeit als klarer Außenseiter. Das Fachmagazin "kicker" prognosizierte den Lilien einen herzzerreißenden Kampf, der am Ende aber nicht mit dem Klassenerhalt gekrönt werden sollte. Märchenschreiber Schuster packte nun einfach das zweite Wunder in seine Geschichte ein und ließ den vermeintllichen Abstiegskandidaten kurz vor Ende der Saison immer noch um den Aufstieg mitspielen. Allerdings schienen die Chancen auf die Rückkehr in die Bundesliga 5 Spieltage vor Ende der Spielzeit nicht gut, da zu wenige Auswärtsspiele gewonnen werden konnten. Aber nicht so mit Trainer Dirk Schuster - denn er schaffte dennoch das zweite Wunder in Folge für die Südhessen und veredelte die grandiose Saison mit dem Aufstieg ins deutsche Fußball-Oberhaus. Wer sich nun erneut dem "kicker" gewidmet hat, wird lesen, dass die Lilien nur einen kurzen Aufenthalt in der 1. Liga haben werden. Doch wer weiß, was Märchenschreiber Schuster noch so alles geplant hat für seine Geschichte und vor allem, wie lange diese noch andauern soll. Und wie sagt man ja so schön in Märchen: Alle guten Dinge sind drei. Chapeau, Herr Schuster!
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