Mit der Prismenbrille hoch hinaus: Beim Klettern alles gut im Blick

Immer mehr Menschen kommen auf den Geschmack: Sie klettern in hohe Lüfte. Der Trendsport hat in diesen Tagen so viele Fans wie noch nie. In den Kletterhallen wird vor allem eins von Beginn an gelehrt: Sicherheit. Zwar ist die Unfallrate bei diesem Sport weitaus geringer, als so mancher annehmen mag, aber dies ist nur der guten Sicherheitstechnik zu verdanken. Um diese auch für den Sicherer nun schmerzfreier zu gestalten, kann ein kleines Hilfsmittel wertvolle Dienste leisten. Die Prismenbrille als Kletterutensil.

Ohne Brille: Sicherheit ist eine schmerzhafte Angelegenheit

Einen guten Sicherer zeichnet es beim Klettern aus, dass er seinen Kletterpartner immer im Blick hat. Doch dieser kämpft meist weit über ihm mit Wand und Fels, sodass permanentes Hochschauen den Hals und Nacken des Sicherers stark belasten. Die Strapazen für die Halswirbelsäule sind enorm, denn der Kletterer steht meist bereits mit dem Rücken nach vorn gewölbt. Dadurch muss die Halswirbelsäule extrem abgeknickt werden. Schmerzen sind die logische Folge. Im schlimmsten Fall entsteht hier der sogenannte „Sicherungsnacken“ - eine Ermüdungserscheinung der Nackenmuskulatur, wenn diese zu stark strapaziert wird. Auch können dauerhafte Schädigungen der Halswirbelsäule nachkommen. Ausgleichsübungen und vorbeugende Aufwärmungen sind Mittel, die ein wenig helfen. Wer jedoch dauerhaft dem Klettersport und deren Sicherung frönen will, sollte eine langfristige Investition in eine Kletterbrille tätigen.

Mit der Kletterbrille: Schmerzfrei den Partner im Blick behalten

Diese Kletterbrillen werden auch Sicherungsbrillen genannt. Sie sind eine besondere Form der Prismenbrillen und steuern den Blick des Kletterers, ohne dass er seinen Nacken überstrapazieren muss. Die Brillen funktionieren mit Reflexionsprismen. Statt der üblichen flachen Gläser haben diese Brillen klobig in Dreiecksform erscheinende Spiegel. Diese lenken den Blick meist um einen enormen Winkelgrad um – ähnlich wie die Liege oder Umkehrbrille, die das Bild auf den Kopf stellt. Bei der Kletterbrille wird das Bild jedoch nur um rund 60 Grad umgelenkt. Ein „Blick um die Ecke“ wird so möglich - in diesem Fall nach oben. So kann der Kletterer seinen Partner über ihn beobachten, ohne ständig selbst den Kopf nach oben bewegen zu müssen. Der unschlagbare Vorteil: Der Nacken wird geschont. Wer schon einmal länger einen Partner über sich gesichert hat, der weiß, wie schmerzhaft dieses ständige nach oben blicken sein kann. Mit der Prismabrille hingegen wird das visuelle Feld nun deutlich erweitert, ohne dass der Hals stark gedreht werden muss. Der Kopf kann bequem in der Geradeaushaltung bleiben und der Kletterpartner ist trotzdem im Blick. Mit der Prismenbrille kann der Sicherer so dennoch jede Bewegung beobachten und im Fall schnell reagieren. Ursprünglich war die Sicherungsbrille für das Klettern in der Halle gedacht. Doch auch im Felsen findet sie immer mehr Anwendung. Bereits im Jahr 2003 wurde sie in den Sportlerkreisen heiß diskutiert, 2008 erhielt diese Innovation einen Outdoor Award.

Die richtige Kletterbrille: Tipps für den Kauf und Anwendung

Wer sich eine Sicherungsbrille für das Klettern zulegen möchte, sollte diese vor dem Kauf auch ausprobieren. Am Anfang ist der Blick gewöhnungsbedürftig. Zu starke Prismen können auch Schwindelgefühle auslösen. Für den einen ist es wichtig, am Prisma vorbei schauen zu können. Der andere bevorzugt einen Brillenrahmen, der nur den Blick durch das Prisma zulässt. Letzteres hat jedoch den Nachteil, dass der Sicherer „blind“ für Seil und Wand vor sich selbst ist. Gerade wenn der Kletterpartner startet, ist der Blick am Prisma vorbei fast unerlässlich.
Wichtig ist ein robuster Rahmen, der dennoch leicht ist. Nylon und Edelstahl bieten hier sich oft an. Nicht immer hat die Kletterbrille auch das typische Brillendesign. Hier gibt es sowohl stilistische Varianten, aber auch minimalistisch gehaltene Ausführungen.
Ausgefallenere Modelle bieten zudem zusätzliche Eigenschaften. So kann für das Klettern in freier Wildbahn auch eine Prismenbrille mit Sonnenschutz gewählt werden. Dieser kann angeklemmt, aber auch wieder entfernt werden. Manche Kletterbrille bietet auch ein Feature in der Innenfassung, in der bestehende Brillengläser vom Optiker eingepasst werden können. So können auch Kletterer mit einem Augenfehler diese speziellen Prismenbrillen nutzen.
Auch auf das richtige Zubehör sollte beim Kauf geachtet werden. Brillen brauchen eine Schutzhülle gerade im chalk- und dreckverschmutzten Kletterrucksack – Hardboxen sind hier empfehlenswert. Auch Kopf- und Brillenband können bei der Kletterbrille nützlich sein.
1 Kommentar
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Gerd Olson aus Zorn | 20.09.2016 | 16:47  
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