Oliinyk als Last-Minute-Retter des SV 98

Grenzenloser Jubel beim Trainerteam und der Mannschaft, die am Ende vollstädnig in einer riesigen Jubeltraube verschwindet. (Foto: Gido Heß)
 
Abdrehen und Jubeln: Oliinyk verwandelt mit seinem ersten Saisontor das Böllenfalltorstadion in ein Tollhaus. (Foto: Gido Heß)
Fußball. Wie schon beim ersten Heimspiel der laufenden Bundesligasaison mutierte auch dieses Mal das ausverkaufte Böllenfalltorstadion zur Lilienhölle in der Nachspielzeit. Nach einer guten Leistung und bitterem Rückstand kurz nach dem Seitenwechsel beschert Joker Oliinyk den Lilien einen Punkt kurz vor Ende der Partie.
Trainer Norbert Meier hatte in den letzten drei Tagen einiges an Arbeit vor sich, um die Köpfe seiner Lilien nach dem 0:6-Debakel wieder frei zu bekommen. Gleich fünf Änderungen in der Startformation sollten dem Spiel der Lilien vor allem in der Offensive neues Leben einhauchen, aber vor allem die unfreiwilligen Ausfälle von Peter Niemeyer (gelb-rote Karte) und Kapitän Aytac Sulu (Verletzung) kompensieren. Auch Fabian Holland und Mario Vrancic mussten auf der Bank Platz nehmen, für sie rückten Leon Guwara und Laszlo Kleinheisler in die Anfangself. Änis Ben-Hatira war aus ungeklärten Gründen gar nicht erst im Kader, sodass Bezjak sich ungewohnt auf der linken Seite im Mittelfeld wiederfand.
Das Spiel begann wild und wurde von der lautstarken Kulisse bei Flutlichtstimmung angeheizt. Die Lilien waren von Anfang an auf Wiedergutmachung wegen des Debakels in Dortmund aus und bereits in der Anfangsphase konnten sich die Darmstädter durch starkes und präsentes Zweikampfverhalten die Spielkontrolle aneignen.
Dreh- und Angelpunkt des Darmstädter Angriffspiels war Kleinheisler, der viele kluge Pässe in die Spitze spielte und die agilen Außenspieler Heller und Bezjak immer wieder in Aktion setzte. Aber insbesondere profitierte der für den verletzten Schipplock in die Startelf gerückte antoni-Mirko Colak von den klugen Pässen des Ungars. Gleich zweimal kam Colak im ersten Spielabschnitt in eine gefährliche Schussposition, doch in der 19. Minute schoss er kurz vor der Strafraumkante über das Hoffenheimer Tor und 13 Minuten später ging sein Schussversuch nur knapp am langen Pfosten vorbei (32.).
Etwa eine Minute davor hatte es ein Pfeifkonzert gegen den Schiedsrichter Willenborg gegeben, als er den Lilien einen elfmeter nach Foul an Jerome Gondorf verweigerte. Es war nicht die einzige umstrittene Entscheidung am Dienstagabend, die der Schiedsrichter bei seinem Bundesligadebüt zugunsten der Hoffenheimer und somit gegen die Südhessen pfiff.
In der 38. Spielminute lag den Fans der Lilien der Torschrei bereits auf den Lippen. Nach einem Freistoß von Gondorf köpfte der zweikampfsstarke Florian Jungwirth den Ball zentral in die Mitte, wo Milosevic den Ball ganz knapp am rechten Pfosten vorbeigrätschte. Von Hoffenheim kam in der ersten Halbzeit kaum eine Offensivaktion, denn die Defensive der Lilien stand mit jeder zunehmender Spielminute noch sicherer. Guwara konnte auf der linken Seite über die komplette Spieldauer hinweg überzeugen und bot sich erneut für einen dauerhaften Stammplatz auf der linken Abwehrseite an.
Trotz mehrerer guter Offensivaktionen der Lilien ging es mit einem für 1899 Hoffenheim schmeichelhaften 0:0 in die Kabinen. Ex-Stürmer Sandro Wagner, der vor dem Spiel herzlich in Empfang genommen wurde von seinen alten Kollegen, konnte nicht einmal offensiv in Erscheinung treten.
Und doch begann die zweite Halbzeit mit einem heftigen Nackenschlag für die Darmstädter. Nicht einmal 60 sekunden war der Ball wieder im Spiel, da stand es auf einmal 1:0 für die TSG. Rudy legte den Ball in die Mitte zu Kramaric ab, der aus 18 Metern mit einem trockenen Abschluss ins rechte Eck die überraschende Führung erzielte.
Doch die Lilien steckten nun keineswegs auf - im Gegenteil. Angetrieben vom Wut durch die Führung der Hoffenheimer gab es erneut einen aufschrei nur drei Minuten nach dem Rückstand, denn Referee Willenborg verweigerte dem Team von Trainer Norbert Meier erneut einen Elfmeterpfiff. Bicakcic hatte sich nach einer Flanke auf Colak aufgestützt, doch die Pfeife von Willenborg blieb wieder einmal stumm.
In der folge blieben größere Torchancen auf beiden Seiten aus, weil die TSG es erfolgreich schaffte, den Ball weit vor dem eigenen Tor zu halten. Mit einer guten Parade verhinderte der sonst wenig geprüfte Michael Esser das 0:2 durch Vargas (60.).
Vier Minuten später hatten die 98er durch Heller und Colak eine Doppelchance zum Ausgleich, doch beide Abschlüsse konnten noch abgeblockt werden. 20 Minuten vor Ende der Partie war es dann Jungwirth, der ebenfalls in TSG-Keeper Baumann seinen Meister fand.
In der 75. und 83. Minute nahm Trainer Meier dann zwei entscheidende Spielerwechsel vor. Oliinyk und Sirigu, der gegen Frankfurt in der 90. Minute den Siegtreffer erzielt hatte, kamen für Kleinheisler und Fedetskyy ins Spiel.
Nach 76 Minuten wurde es wieder brenzlig vor dem Gehäuse der TSG, doch ein Kopfball von Jungwirth ging am langen Pfosten vorbei.
Als die dreiminütige Nachspielzeit dann begann, hatten sich die meisten Fans wohl schon auf einen auswärtssieg der Hoffenheimer eingestellt. Doch die beiden frisch eingewechselten Joker Sirigu und Oliinyk zeigten erneut, dass mit großer Moral auch noch kurz vor dem Ende etwas möglich ist. Der schnelle Sirigu flankte den Ball flach durch die Mitte zum freistehenden Oliinyk, der den Ball nur noch ins leere Tor einschieben musste. Zwar versuchte der Ukrainer vergeblich, zum Jubeln sich von seinem Trikot zu befreien, doch sonst eskalierte das Tollhaus am Böllenfalltor komplett. Norbert Meier war sogar so außer sich an seinem 58. Geburtstag, dass er seine Trinkflsche auf eine Kamera neben der Trainerbank schmiss. Damit endete die Partie dank Last-Minute-Eskalation verdient mit 1:1 unentschieden.
Am Samstag (24.09./15:30 Uhr) kommt es zum großen Wiedersehen mit Ex-Trainer Dirk Schuster, der jetzt beim FC Augsburg am Seitenrand steht. Dort wollen die Lilien dann auch erstmals auswärts in dieser Saison etwas Zählbares mitnehmen.

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