Abschied nach 40 Jahren bei der Caritas

Ulrike Kühn half vier Jahrzehnte suchtkranken Menschen,
dem Leben eine Wende zu geben


Eine Bewerbung musste sie nicht schreiben, denn als Ulrike Kühn vor 40 Jahren ihr Studium der Sozialarbeit beendet hatte, da kam der Caritasverband Darmstadt zwecks Anerkennungsjahr im Bereich Suchthilfe auf sie zu. Dem Verband und der Suchthilfe ist sie seither treu geblieben. Beim Aufbau und Ausbau der Suchtberatung in Dieburg hat die engagierte Mitarbeiterin in den vier Jahrzehnten viele Spuren hinterlassen, auch die Suchthilfe im Odenwaldkreis wurde dank ihrer Tätigkeit aufgebaut.

Die Begegnung mit den unterschiedlichsten Schicksalen hat das Berufsleben von Ulrike Kühn geprägt. Bei aller Unterschiedlichkeit hatten alle eines gemeinsam: sie brauchten Hilfe aufgrund einer Suchtmittelabhängigkeit. Ulrike Kühn hat sie über die Jahre beraten, therapeutisch unterstützt, sozialarbeiterisch begleitet und mit ihrer Hoffnung auf ein besseres Leben angesteckt. Dennoch musste sie auch manchen erfolglosen Kampf gegen die Sucht erleben und „Misserfolge“ verarbeiten lernen.

Mit viel Herzblut baute die Caritasmitarbeiterin in ihren Anfangsjahren sehr schnell die Dieburger Beratungsstelle aus und förderte auch die Gründung und den Aufbau von Selbsthilfegruppen des Kreuzbundes. Das Team wurde größer und bis 1993 übernahm Ulrike Kühn dessen Leitung. Aus gesundheitlichen Gründen gab sie diese vor 21 Jahren ab, blieb dem mittlerweile neunköpfigen Team aber weiter treu.

Stets musste die Arbeit den Veränderungen der Zeit angepasst werden, denn waren die Klienten früher hauptsächlich alkoholabhängig und durchschnittlich 45 Jahre alt, so sind die Sorgen der Hilfesuchenden heute vielfältiger und das Klientel jünger geworden: Neben Alkoholabhängigkeit treten häufig Mehrfachsüchte, (Alkohol und illegale Suchtmittel, Alkohol und Glückspiel), Doppeldiagnosen (Sucht und psychische Erkrankungen), sowie Arbeitslosigkeit und Überschuldung auf.

Die Häufung aller möglichen Probleme erlebt Ulrike Kühn sehr verstärkt bei ihrer Tätigkeit im Betreuten Einzelwohnen. Seit fast zehn Jahren betreut sie im gesamten Landkreis Darmstadt-Dieburg und der Stadt Darmstadt mit vier Kolleginnen und Kollegen suchtkranke Menschen „zu Hause“ in der eigenen Wohnung und erlebt dabei nicht selten Grenzsituationen. Diese Arbeit bringt oft eine besonders große Nähe zu den betreuten Menschen und ihren Problemlagen mit sich.

„In all meinen vielen Caritasjahren sah ich immer den wichtigsten Auftrag meines Berufes darin, in hilfebedürftigen, resignierten, perspektivlosen Menschen, die am Sinn ihres Lebens zweifeln und die deshalb oft nichts mehr erwarten, einen Funken Hoffnung zu entzünden. Sie spüren zu lassen, dass auch ihnen Würde und Ansehen gebührt – allen Schwierigkeiten zum Trotz – damit sie Mut schöpfen ihrem Leben eine Wende zu geben“, so die Jubilarin.

Caritasdirektor Ansgar Funcke dankte bei der Jubiläums- und Abschiedsfeier seiner Mitarbeiterin für ihr Engagement und ihre langjährige Treue dem Caritasverband Darmstadt gegenüber. „40 Jahre Engagement für Menschen, denen es nicht gut geht, Menschen, an die sogar die eigene Familie und enge Freunde durch die Vielfalt an Problemen nicht mehr glauben, die selbst schon völlig hoffnungslos sind, Sie haben Ihnen durch Ihre Hoffnung wieder Mut gemacht. Viele konnten dank Ihrer Fachlichkeit ein neues Leben wagen.“

Ein neues Leben wagt nun auch die Jubilarin. Nach 40 Jahren Arbeit in Vollzeit freut sie sich auf den neuen Lebensabschnitt. Als Beisitzerin im Seniorenbeirat und engagierte Ehrenamtliche im kirchlichen Bereich wird auch keine Langeweile auf ihrem neuen Weg aufkommen. Und ihr Hund freut sich auch, wenn das Frauchen in Zukunft mehr Zeit für ihn hat.


Infokasten:

Die Angebote der Fachambulanz für Suchtkranke im Caritaszentrum in Dieburg, Weißturmstraße 29 sind:

- Information und Beratung für Betroffene und deren Bezugspersonen bei Problemen
mit Alkohol, Medikamenten und Glücksspiel.
- Vermittlung in stationäre, teilstationäre und ambulante Rehabilitation für Suchtkranke
sowie in kombinierte Behandlungsformen.
- Durchführung der ambulanten Rehabilitation Sucht sowie der Nachsorgebehandlung
nach einem Klinikaufenthalt.
- Betreutes Einzelwohnen für abhängige Menschen, die zeitweise oder dauerhafte Hilfen
bei der selbstständigen Lebensführung benötigen.
- Beratung und Schulungen von Betrieben zum Umgang mit suchtkranken Mitarbeitern
im Sinne der frühen Erkennung und der Arbeitsplatzerhaltung.

offene Sprechstunde jeden Mittwoch von 14:00 bis 16:00 Uhr
Termine nach Vereinbarung; 06071/986622

Die Selbsthilfe des Kreuzbundes informiert Suchtkranke und Angehörige:
jeden Montag ab 18:30 Uhr (offene Gruppe um 19:00 Uhr)
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