Caritas eröffnet Sommersammlung in Darmstadt

Armut macht krank - darüber diskutierten Nicole Frölich (Teestube Konkret), Oberbürgermeister Jochen Partsch, Moderatorin Karin Abenhausen, Caritasdirektor Dr. Werner Veith und Dr. Wolfgang Kauder
 
Die Caritassommersammlung wurde feierlich eröffnet. Viele Besucher kamen zum Auftakt.
Armut macht krank – jeder verdient Gesundheit! - Caritas gibt den „Sprachlosen“ eine Stimme

Es herrschte reges Treiben auf dem Wilhelminenplatz rund um die St. Ludwigkirche. Etwa 150 Menschen waren der Einladung des Caritasverbandes Darmstadt e. V. und des Caritasverbandes für die Diözese Mainz e. V. zur Eröffnung der Caritassommersammlung gefolgt und feierten einen festlichen Gottesdienst mit Domkapitular Eberhardt und sechs weiteren Zelebranten. Der Gottesdienst stand unter dem diesjährigen Caritas-Jahresthema „Armut macht krank – jeder verdient Gesundheit.“

In den anschließenden Podiumsdiskussionen im Zelt wurde das Thema weiter vertieft. Oberbürgermeister Jochen Partsch, Caritasdirektor Dr. Werner Veith, Sozialpädagogin Nicole Fröhlich von der Darmstädter Fachberatungsstelle Teestube KONKRET des Diakonisches Werkes und Dr. Wolfgang Kauder, Ärztlicher Leiter der Malteser Migranten Medizin in Darmstadt eröffneten unter der Moderation von Karin Abenhausen mit dem Thema „Arme Menschen mit und ohne Krankenversicherung – Wege ins System“ die Runde.

Sie diskutierten über Patienten, die es gar nicht geben dürfte: Menschen ohne Krankenversicherungsschutz, Deutsche und Ausländer, die von der medizinischen Grundversorgung ausgeschlossen sind, obwohl seit fünf Jahren ein Anspruch auf Versicherung besteht. Doch auch im qualitativ hochwertigen Gesundheitssystem Deutschlands gibt es Schwachstellen. Immer wieder fallen Menschen durch das Netz. So haben in Deutschland bis zu 800.000 Menschen keinen Zugang zur medizinischen Versorgung, im Großraum Darmstadt leben etwa 8.000 von ihnen: Es sind EU-Bürger ohne Versicherungsschutz, Migranten ohne gültigen Aufenthaltsstatus aber auch Deutsche, die ihre Krankenversicherungsbeiträge nicht mehr aufbringen können. „Gescheiterte Selbständige, Freiberufler, Handwerker, Künstler, die aus der privaten Krankenversicherung ausgeschieden sind“, so Dr. Kauder. „Aus finanzieller Not gehen die Menschen nicht zum Arzt, bis sich ihr Gesundheitszustand so verschlimmert, dass er lebensbedrohlich wird.“

Doch diese Zustände sind für die Caritas nicht hinnehmbar. „In Deutschland darf Gesundheit nicht länger von Einkommen, Bildung oder dem Aufenthaltsstatus eines Menschen abhängen. Wir brauchen ein Gesundheitssystem, zu dem alle Zugang haben. Dazu eine Politik, die Armut und Arbeitslosigkeit bekämpft, denn jeder verdient Gesundheit“, so Caritasdirektor Dr. Werner Veith. Die Caritas Hessen fordere daher u.a. die Abschaffung von Zuzahlungen zu Medikamenten und zu Hilfsmitteln wie Brillen für Personen unter der Pfändungsfreigrenze sowie die sofortige und dauerhafte Abschaffung der umstrittenen Praxisgebühr. Auf arme Menschen habe die Gebühr und die Zuzahlungen eine abschreckende Wirkung: Arztbesuche würden aufgeschoben oder vermieden, dadurch könnten Krankheiten verschleppt oder chronisch werden. Daher haben arme Menschen eine deutlich geringere Lebenserwartung: bei einer Frau aus der Armutsrisikogruppe sind es rund acht Jahre im Vergleich zu einer gut verdienenden Frau, bei Männern sind es elf!

Doch nicht nur Armut macht krank, sondern auch schlechte Arbeitsbedingungen und Langzeitarbeitslosigkeit. In der zweiten Talkrunde setzten sich Caritasdirektor Franz-Josef Kiefer, Markus Hansen, Geschäftsführer der Initiative Arbeit im Bistum Mainz und Oberbürgermeister Jochen Partsch damit auseinander.

Caritasdirektor Kiefer machen die 500.000 Langzeitarbeitslosen Sorge, die noch nicht mal mehr in den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit geführt werden. „Die Caritas muss diesen „Sprachlosen eine Stimme geben! Wir fordern daher ein Recht auf Arbeit und Teilhabe für alle Menschen, wir brauchen Hilfepläne und Individualförderung sowie die Förderung dauerhafter Beschäftigungsmaßnahmen.“

Oberbürgermeister Partsch kritisierte daher auch die Mittelkürzung des Bundes für die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt als „völlig desaströs.“

Nach den Diskussionen gab es an den Ständen und beim gemeinsamen Mittagessen noch Zeit zum Gespräch, Diskutieren und Informieren.

Diözesancaritasdirektor Thomas Domnick dankte herzlich der Big Band der Darmstädter Edith Stein Schule für die musikalische Unterhaltung, allen Helferinnen und Helfern sowie den vielen ehrenamtlichen Sammlerinnen und Sammler in den Pfarrgemeinden. Die Caritas Sommersammlung findet bis zum 14. Juni 2012 im ganzen Bistum Mainz, in Hessen und Rheinland-Pfalz, statt. Durch die Spenden können viele Menschen in Not durch Angebote der Caritas unterstützt werden. Die Hälfte der gesammelten Mittel verbleibt in jeder Pfarrgemeinde für caritative Aufgaben vor Ort.

Kontakt:
Caritasverband Darmstadt e. V.
Heinrichstraße 32 A, 64283 Darmstadt, Tel.: 06151 999-0
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