Dumping Lähne bei Daimler - Ärger um Werkverträge weitet sich aus

Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands Daimler AG, vor der Konzerzentrale mit neuem Namen (Foto: Abbildungen: Daimler AG)
Daimler kommt bei dem Thema Werkverträge nicht zu Ruhe. Der SWR deckte auf, dass Produktionsmitarbeiter mit Werkverträgen ausgestattet wurden, deren Stundenlohn nach der Gehaltsabrechnung nicht zum Finanzieren des eigenen Lebensunterhaltes ausreichte und deswegen durch Sozialleistungen des Staates aufgestockt werden mussten. Nun gibt es erneut Vorwürfe gegen sogenannte Dienstleister, die im Auftrag Daimlers Personal zur Verfügung stellen.

Testfahrten zum Dumpinglohn?

Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob Dienstleister bei Daimler ihre Angestellten mit Dumpinglöhnen abspeisen. Konkret geht es um den Vorwurf, dass Testfahrer mit 3,80 Euro Bruttolohn für eine Stunde erhielten. Bei Hochrechnung eines solchen Bruttolohns müsste ein Fahrer mindestens 400 Teststunden drehen, um sein Leben nach allen Abzügen halbwegs gescheit finanzieren zu können.
Werkverträge stellen ein häufiges Problem bei solchen Unternehmen dar. Im Zuge einer Zollkontrolle gegen Schwarzarbeit wurde der letzte Fall bekannt. Der Daimler-Konzern geht jedoch davon aus, dass alle Vorschriften der Dienstleister eingehalten werden und es weder Schwarzarbeit noch Scheinarbeit gibt. Ob Daimler tatsächlich so unwissend ist, wird die Staatsanwaltschaft ebenso überprüfen, wenn gleich gegen den Konzern kein Strafverfahren eingeleitet wird.

Was sind eigentlich Werkverträge?

Ein Werkvertrag ist ein privater Vertrag über den Austausch einer Leistung. Im konkreten Fall von Daimler bestellte der Konzern eine Dienstleistung bei einem Dienstleistungsunternehmen. Das Testen eines Fahrzeugs und als Dienstleistung erbringt der Dienstleister nicht das Fahrzeug oder die Testfahrt an sich, sondern das daraus resultierende Ergebnis. Wie der Dienstleister seine Dienstleistung erfüllt, spielt dabei keine Rolle. Im Gegenzug muss Daimler einen Werklohn entrichten, wenn die bestellte Leistung erfüllt wurde.
Um eine Testfahrt durchführen zu können, benötigt der Dienstleister ein Auto und einen professionellen Testfahrer. Das zu testende Auto wird vom Automobilhersteller Daimler zur Verfügung gestellt, weil dieser bestimmte Werte herausbekommen möchte, damit ein Fahrzeug in Serienproduktion gehen kann.


Daimler kontaktiert nun einen Dienstleister, der Testfahrten als Dienstleistung anbietet. Das kann ein externes Unternehmen, aber auch ein Subunternehmen des Konzerns durchführen. Im konkreten Fall gibt es keine Anhaltspunkte, welcher Dienstleister die Tätigkeit durchgeführt hatte.
Der Dienstleister schließt ein Werkvertrag ab und muss durch sein eigenes Personal seine Dienstleistung erfüllen. Solche Dienstleister stellen Personen häufig zu niedrigeren Löhnen an, als die Stammfahrer der Hersteller verdienen. Manchmal auch für 3,80 Euro.
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