Ich kann die psychisch Kranken nun besser verstehen

Caritasverband Darmstadt e. V. schult Mitarbeiter für die Arbeit mit psychisch kranken Menschen

Es ist ein buntes Grüppchen von Caritas Mitarbeitern, die stolz ihr Zertifikat in den Händen halten. Sie arbeiten im Verband als Erzieher, Köche, Restaurantfachfrauen, Hauswirtschaftlerinnen, Handwerker und Verwaltungskräfte. So unterschiedlich ihre Berufe auch sind, sie alle haben in ihrem Berufsalltag mit psychisch kranken Menschen zu tun, denn der Caritasverband Darmstadt arbeitet seit einigen Jahren nicht nur mit Sozialpädagogen in diesem Bereich, sondern setzt sehr erfolgreich auf ein Personalmix mit fachfremden Quereinsteigernn in allen Angeboten der gemeindespsychiatrischen Einrichtungen.

„Mit der Einbeziehung von unterschiedlichen Berufsgruppen in die Organisation und Umsetzung von Angeboten unserer sieben Gemeindepsychiatrischen Zentren haben wir gute Erfahrung gemacht, sowohl im Betreuten Wohnen, den Tagesstätten und den Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekten“, berichtet Caritasdirektor Franz-Josef Kiefer.


Aber warum haben eigentlich ein Koch oder ein Handwerker mit den Klienten so viel zu tun? Der Caritasdirektor begründet dies unter anderem mit den neuen Wegen, die der Verband geht: „In den Gastronomieeinrichtungen des Caritasverbands wurden, unter Einbeziehung verschiedener Kostenträger, sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen bzw. Ausbildungsplätze für Psychiatrieerfahrene eingerichtet. Interessierte können sich somit zum Koch, Beikoch oder zur Servicekraft ausbilden lassen und sich ein Fundament schaffen für die spätere Erwerbstätigkeit. Aber auch in unseren Beschäftigungsprojekten wie Polsterei, Druckerei oder Wäscherei können die psychisch kranken Menschen Beschäftigungen nachgehen. Das ist enorm wichtig für deren Selbstvertrauen. Für diese neue Wege aber auch für unsere anderen gemeindespsychiatrischen Angebote wie Betreutes Wohnen und Tagesstätten brauchen wir entsprechendes Fachpersonal.“

Sabine Heckmann leitete die 14köpfige Gruppe nun ein Jahr. Sie hatte auch das Konzept dazu entwickelt, nachdem die Idee einer solchen Fortbildung vom Qualitätslenkungsteam geboren wurde. „Wir konnten den Quereinsteigern durch diese praxisorientierte Schulung viel Hintergrundwissen vermitteln, das sie direkt in die Arbeit auch umsetzen können“, so die Diplom-Sozialpädagogin. Ob Koch oder Sekretärin, alle Mitarbeiter bestätigen, dass die Schulung für alle Einsatzbereiche sehr hilfreich war. „Ich kann die psychisch kranken Menschen nun besser verstehen. Ich habe viel mehr Verständnis und bin geduldiger, wenn diese manchmal langsamer arbeiten oder auch mal alles liegenlassen.“

In 68 Stunden lernten die Mitarbeiter vieles über psychische Erkrankungen und deren Behandlung, über Krisen und die Möglichkeiten des Umgangs damit, über Kommunikation, rechtliche Fragen und Deeskalation. Neben Referenten brachten sich auch Betroffene eindrucksvoll ein und berichteten aus persönlicher Betroffenheit. „Es ist ein großer Unterschied, ob ich über Borderline nur berichte oder ob eine Betroffene sich mit der Gruppe über ihren Notfallkoffer austauscht“, so Sabine Heckmann.

Nach kurzem „Durchschnaufen“ wird es für sie bald schon wieder weitergehen, denn das Interesse an der Schulung ist so groß, es stehen schon wieder neue Mitarbeiter in Wartestellung.
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