Vom Gersprenz-Wassermann zum Isar-Roman

Berit Walch (Foto: bw)
 
(Foto: ullstein forever)

Sie kommt aus Dieburg, ist Journalistin, Autorin, Mutter, lebt in Bayern und hat jetzt ihr erstes Buch geschrieben; Berit Walch. Die Entertainerin Sonya Kraus sagt über den Roman „der definitiv lustigste Liebesroman des Jahres“. Aber lassen wir doch Berit selbst erzählen, wie das alles war.

Kein Märchen: Es war einmal ein Mädsche, das aus Dibborsch kam. Sie war 10 Jahre alt und liebte das Leben in ihrer kleinen Stadt. Sie liebte es, wenn der Sommer die Felder am Wolfgangsee erwärmte, weil dann die beste Zeit war, Eidechsen zu jagen. Sie liebte die Süßigkeiten vom Töpfer Eck. Sie liebte es, auf die Mauer im Fechenbachschen Park zu klettern, mit Herrn Enders vom Edeka zu plaudern und Riesenradfahren auf dem Martinsmarkt. Aber am allermeisten liebte sie es, über ihre Stadt zu schreiben. Über die Felder, Herrn Enders, den Spielplatz um die Ecke, über ihre Schule und den Sommer. Und so schrieb sie beinahe jeden Tag. Mit ihren Worten erweckte sie Räuber zum Leben, die sich im Schlossgarten versteckten, Geister im Rathausturm und einen Wassermann, der in der Gersprenz wohnte. Sie überlegte sich, wie großartig es wäre, wenn dieser Wassermann all den Müll aus der Gersprenz fischte, den Menschen dort hinein warfen. Als sie die Geschichte beendet hatte, fand das Mädchen, dass es die beste war, die sie je geschrieben hatte. Und als sie eines Tages in der Stadtbücherei von einem Schreibwettbewerb las, beschloss sie, die Geschichte vom Gersprenz-Wassermann einzureichen. Sie wusste nicht, ob irgendjemand (außer ihrer Mutter) die Geschichte ebenfalls mögen würde, aber sie fand, dass es auf einen Versuch ankam. Ein paar Wochen später erhielt das Mädchen einen Brief von einer Frau Sattig. In diesem Brief stand, dass das Mädchen den Schreibwettbewerb gewonnen hätte. Es wurde ins Dieburger Rathaus geladen, schüttelte Bürgermeister Peter Christ die Hand, staunte, weil sogar ein Fotograf da war und bekam eine Urkunde, die bezeugte, dass andere Menschen die Geschichte über den Wassermann ebenso sehr liebten, wie sie selbst. Es war der Moment, in dem das Mädchen beschloss, Schriftstellerin zu werden.

Tja, so war das damals, vor 25 Jahren. Für manche ist es die Geschichte einer 10-Jährigen, die den Schreibwettbewerb einer kleinen Stadtbücherei gewann. Für mich war es der Tag, an dem sich ein Lebenstraum in mir festsetzte. Nein, festbiss. Wie ein Floh. Für andere nicht sichtbar, für mich allgegenwärtig. Aber wie das mit Lebensträumen so ist – es sind eben Träume und mit denen verdient man kein Geld. Ich wurde Journalistin beim Fernsehen. Immerhin, hier durfte ich schreiben. Ich schrieb mal Moderationstexte, mal Drehbücher und Konzepte. Letztlich aber schrieb ich nur Papier voll. Über das, was ich liebte, schrieb ich nicht. Vielleicht wäre das auch für immer so geblieben, wenn ich nicht eines Tages schwanger geworden wäre. Schwanger mit Zwillingen. Zwei kleine Wesen, die viel zu früh auf die Welt kamen. Niklas und Jonathan. Zwei Handvoll Leben, zusammen gerade mal 2500 Gramm schwer. Diese beiden Winzlinge sorgten dafür, dass ich mich daran erinnerte, wer ich wirklich war und was ich wirklich wollte. Ich verbrachte mit ihnen Stunden, Tage und Wochen, in einem Klinikzimmer auf einem Klappstuhl. Die Welt stand still - Als hätte jemand auf eine Bremse getreten. Das Leben, durch das ich bis dahin gehetzt war wie eine Getriebene, spielte sich in Slow-Motion ab. Es gab nur mich, den Klappstuhl, meine beiden Kinder auf meiner Brust und meine Geschichten. Mal dachte ich sie leise, mal erzählte ich sie den Zwillingen in ihr Ohr. Sie waren unsere Begleiter in einer kleinen, surrealen Welt, einem Klinikraum der Intensivstation. Und so kam es, dass meine Kindheit in Dieburg mit in diesem Zimmer war. Das Töpfer-Eck, die Felder am Wolfgangsee, der Schlossgarten, der Gersprenz-Wassermann. Als ich meine Zwillinge dann endlich nach fast 3 Monaten Klinik über die Türschwelle in unser Zuhause trug, wusste ich – wir haben es geschafft – und ich wusste, Träume muss man leben. Und so begann ich nach Jahren, endlich wieder eine Geschichte zu schreiben. Eine lustige (schließlich hatte ich die Wochen zuvor genug Tränen vergossen). Ich schrieb über eine junge Frau, die in München lebt und taufte sie Milla. Ich schrieb über sie, die von ihrer großen Liebe Tim verlassen wird, und dadurch in ein riesiges Chaos schlittert. Ich schrieb den Roman „30 Tage nach Tim“ und reichte ihn bei einem Verlag ein. Ich hatte keine Ahnung, ob jemand, die Geschichte von Milla ebenso sehr mögen würde, wie ich, aber ich fand, dass es auf einen Versuch ankam. Am 8. April wurde „30 Tage nach Tim“ bei forever Ullstein veröffentlicht. Und jeder, der möchte, kann ihn nun lesen, meinen Lebenstraum, der in einer kleinen Stadtbücherei in Dieburg begann.

Berit Walch im Internet:
http://forever.ullstein.de/ebook/30-tage-nach-tim/
https://www.facebook.com/berit.walch.jetzt.auch.au...
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