Von der Feldküche zur Küchen-Kompanie

Bratwurststand mit Feldküche heute - Fastnachtdienstag 2010
 
Café Mayer - Hauptquartier der Dieburger Prinzengarde
 
Plakette - 66Jahre - Dieburger Prinzengarde

Wie aus einen wilden Haufen Gardisten gefragte Festköche wurden. Basierend auf einem Bericht der Küchen-Kompanie von „Tom“ Dieter Kirchstein zum 40 Jubiläum der Dieburger Prinzengarde.

Es gab eine Zeit, da bestand die gesamte Prinzengarde aus 28 Mann vom Gardist bis zum Offizier. Die Hauptaufgabe der Garde war es das Prinzenpaar an Fastnacht-Dienstag um 11.11 Uhr abzuholen und deren Schutz zu gewährleisten. Das war jedoch öfter leichter gesagt, als getan! Der Besuch der Maskenbälle und so manch‘ durchzechte Nacht hatten doch ihre Spuren hinterlassen und so kam der ein oder andere Gardist mit ausgewachsenem Kater zum Dienst. Daneben gab es sellemols noch echte Winter und die eisige Kälte ließ so manchen Gardisten beim strammstehen deutlich zittern. Nun Abhilfe musste her und so beschloss der Vorstand unter Karl Hax, dass etwas unternommen werden muss. Gardist Tom Kirschstein – seines Zeichens gelernter Koch – machte den Vorschlag, man könne doch eine deftige Gulaschsuppe kochen. Die Idee wurde umgehend für Gut befunden und es wurden erstmals 10 Liter Gulaschsuppe gekocht und vor Abmarsch der Garde im Hof der Ludwigshalle ausgeschenkt. Es war ein voller Erfolg, nur der Elferrat trauerte ein wenig, hatte er doch leider nichts vom guten Süppchen abbekommen. Wer die Garde kennt, der weiß, eine Lösung ist schnell gefunden. Kurzerhand wurde beschlossen, im kommenden Jahr den Elferrat mit einzubeziehen, der sich umgehend dazu bereiterklärte sich an den Kosten zu beteiligen.
Als die nächste Fastnachtskampagne näher rückte, versuchte der Vorstand eine Feldküche aus dem 2. Weltkrieg zu organisieren. Leider scheiterte das Vorhaben daran, dass kein geeignetes Material zu finden war. Aber die Garde hatte schon immer Freunde und gute Kontakte in der Bevölkerung und Gastronomie! Und so kam Addi Scheuermann, damals Wirt des Gasthauses „Zum Pfälzer Hof“ auf die Garde zu und bot einen Notherd mit den Abmessungen 30x40 cm, den er noch aus Kriegszeiten besaß, an. Gern wurde er von der Prinzengarde übernommen und damit es eine Feldküche wird wurde der Herd kurzerhand auf einen Fahrradanhänger montiert. Man war sichtlich Stolz auf die erste eigene Feldküche, die sogar richtig rauchte.
Zwei Jahre erwies sie der Garde gute Dienste und war beim Umzug zur Abholung des Prinzenpaares dabei. Zu jener Zeit bekam die Dieburger Feuerwehr eine neue Feldküche vom Katastrophenschutz und unter Vermittlung von Karlheinz Bahmer wurde das Gerät schließlich ausgeliehen. Hatte es doch eine sehr komfortable Ölfeuerung und wesentlich mehr Kapazität. Umgehend wurde ein Küchentrupp, bestehend aus Tom Kirschstein, Karlheinz Bahmer und Paul Kraus, gegründet. Ihnen standen zahlreiche Hilfsköche zur Seite, die mit vollem Elan und Ideen zu Werke gingen.
Nun bei so professionellem Gerät und so viel Engagement des Kochtrupps wurden 200 Liter Suppe gekocht und komplett verkauft. Ein beachtlicher Erfolg! Die Kriegskasse war erstmals aus den rote Zahlen, die Freude bei der Garde groß und die Bevölkerung dankbar für ein wärmendes Süppchen in der kalten Fastnachtszeit. Auch für den Eigenbedarf hatte man jetzt ganz andere Möglichkeiten: An Aschermittwoch konnte die Truppe beim Gerätereinigen verköstigt und damit gestärkt werden. Der Beginn einer langen andauernden Tradition war geboren, noch heute kennen viele den „Trichterwirt“ und so manche Geschichte könnte hier dazu erzählt werden…
Der Teamgeist der Truppe und die so positive Resonanz aus der Bevölkerung führte zu dem Beschluss, die Küchen-Kompanie auszubauen. Es war eine wahre Freude zu sehen, wie Gardisten sich bei der Verrichtung der Küchenarbeit ins Zeug legten und selbst Familienväter, die normalerweise die Küche meiden, zu begeisterten Hilfsköchen wurden. So mancher Gardistenbraut und –frau kam das im eigenen Haushalt zugute. Es wurde aber auch die Geselligkeit nie vergessen und der ein oder andere Schabernack getrieben und so manch‘ Gläschen geleert. Es kam so auch schon mal vor, dass ein hungriger Esser, der vermeintlich ein knuspriges Schnitzel vor sich wähnte, vor lauter Gier in einen panierten Spüllappen gebissen hat.
Beim durch den KVD ausgetragenen Schlossgartenfest 1968 kam es dann zum ersten Einsatz der Küchen-Kompanie mit Festküche. Die Prinzengarde führte als erstes eine Neuerung in der Festverpflegung ein. So wurde ein wunderschönes Speisezelt mit Cafeteria gebaut. An drei Tagen wurden bis zu 10 verschiedene Speisen gereicht. Höhepunkt war der Frühschoppen am Montag, hier wurden nahezu 3000 Essen in den verschiedensten Variationen ausgegeben. Das Ganze war natürlich nur mit der tatkräftigen Unterstützung der Frauen, Freundinnen und Gardemädchen zu bewältigen. Unter der Regie von Schichtführer Willi Weber sorgte Horst Herrmann mit seinem Kassenteam für einen reibungslosen Verkauf. Natürlich gab es auch immer einen „Personalstammtisch“ in unmittelbarer Nähe zur Küche, denn neben der Arbeit sollte das Feiern nicht zu kurz kommen.
Schnell hatte sich die gute Küche der Garde herumgesprochen. Und so wurde nicht nur auf eigenen Festen gekocht. Auch der Keller’sche Männergesangverein und die Sängerlust ließen die Küche in Regie der Prinzengarde managen. An den Schlossgartenfesten sorgte die Küchen-Kompanie stets für eine vielfältige und abwechslungsreiche Speisekarte. Als dann das erste große Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen der Garde gefeiert wurde, gab es neben den Köstlichkeiten aus der Küche auch besondere Eigenkompositionen in der Getränkegastronomie. Der eine oder die andere erinnert sich vielleicht noch an die Cocktails mit den süffisanten Namen „Gardefurz“ und „Tünchers Trommelfeuer“. Natürlich wurden diese besonders erlesenen Getränke schon damals von den Gardemädchen dargereicht. So wird es auch an diesem Fest ein besonderes Getränk in der Bar der Damengarde geben – lassen Sie sich überraschen.
Noch heute steht die Feldküche mit großem Bratwurststand jährlich am Fastnachtdienstag auf dem Marktplatz. Dort gibt es vor, während und nach dem Umzug Bratwurst und die gute Bohnesupp. So manche Familie und auch Fastnachtsgruppe, wie die Stoppelhopser, holt sich seit Jahren Ihren Topf Suppe und einige Bratwürstchen, damit die Küche an den stressigen Tagen nicht kalt bleibt. Früher wurden wir hier vom Schützenverein „Diana“ aus Ober-Roden tatkräftig unterstützt, heute leisten Ehefrauen, ehemals aktive und passive Mitglieder den Einsatz, damit die aktive Truppe ihren Auftrag zum Schutze des Prinzenpaares uneingeschränkt ausüben kann.

Qellennachweis:
Bericht basiert auf dem Bericht „Die Feld- und Festzeltküche der Prinzengarde Dieburg“ – Ein Bericht der Küchen-Kompanie von Tom Dieter Kirschstein (1990)
Überarbeitet und ergänzt zum 66 Jubiläum der Dieburger Prinzengarde von Till Neumann (2016)
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