Homer ist jetzt ein Hesse

 
Bobby von Schwanheim, Bill Morrison und Sabine Bohlmann, die deutsche Synchronstimme von Lisa Simpson (Foto: K. Reiß)

Simpsons - Fer Simpel

Er ist ein echtes Frankfurter Gewächs und macht auch keinen Hehl aus seiner Herkunft. Zusammen mit der Band „reimtext“ macht er Hessebilly, also Rockebilly auf hessisch. Er fast es in einem prägnanten Statement zusammen “Hessebilly-Musik ist Südstaaten-Musik aus Südhessen und komplett auf Hessisch“. Die Musikarangements werden mit viel Witz und hessischem „Schlappmaul“ präsentiert. Dabei werden sie oft mit weltbewegenden „Alltagstratsch“ höchst unterhaltsam miteinander verbunden. Die erste CD ist gerade erschienen und heißt „Banke, Puffs & Ebbelwoi“. Sie werden sagen, was hat das Alles mit den Simpsons zu tun? Sehr viel, denn Bobby von Schwanheim hat noch viele andere künstlerische Standbeine, verrät er mir bei einem Treffen auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Unter anderem stellt er zusammen mit dem Panini Verlag, als Weltpremiere, das erste Simpson Comic in „hessisch“ vor. Er hat die Geschichten mit viel Liebe und noch mehr Lokalkolorit ins Hessische übertragen und dabei den anarchistischen Humor der Gelben perfekt getroffen.

Bembel … Schobbe … Stöffsche – die Kult-Familie babbelt, was das Zeuch hält.

Die Simpsons sind universell, kosmopolitisch, anarchistisch und vor allem unberechenbar. Zur Beweisführung begeben sich die gelben Chaoten diesmal weit über die Grenzen ihrer Heimat hinweg auf gänzlich unbekanntes Terrain … nach Hessen! Mit Die Simpsons – auf Hessisch erscheint bei Panini erstmals eine deutsche Mundart-Variante der Comics um die bekannteste Familie der Comic-Welt. Dialekt-Reihen erfreuen sich großer Beliebtheit, vor allem, wenn der einheimische Leser die Eigenarten von sich und Seinesgleichen darin wiedererkennen kann. Und das Hessische wirkt bei den Simpsons, als wären sie mit diesem Dialekt groß geworden. Vielleicht waren sie schon immer prädestiniert, hier heimisch zu werden.

Bei den Simpsons-Fans zwischen Kassel und Darmstadt sollte also vor lachen kein Auge trocken bleiben, wenn Homer und Konsorten in „Die Schobbepetzer“ ihre eigene Kneipe eröffnen und dort statt Bier en Ebbelwoi ausschenken und dazu en Handkäs reichen. Da wird Krusty zum „Lumbesäckl“ und Moe zur „Babbnas“, als er Homer wegen des Konkurrenz-Projekts die Freundschaft kündigt. Am Ende steht natürlich die ersehnte Versöhnung von Wirt und Gast, denn Moe stellt fest: „Ohne Homer isses eh fer die Fies de Lade uffzulasse. Moe’s ohne Homer is wie Rippsche mit kaam Kraut.“

Und wer das Urhessische nur aus Heinz Schenks berühmtem Blauen Bock kennt, kann mithilfe von Die Simpsons – auf Hessisch sein regionales Wissen ordentlich aufpolieren. Denn Ingeplackten („Zugezogenen“) dient ein hessisches Glossar am Ende des Bandes als Verständnishilfe. Aber selbst ohne genaue Kenntnis dessen, was man liest, macht der Band höllisch Spaß.

Auch der Chefzeichner und Creativ Direktor der Simpsons Comics, Bill Morrison war bei der Präsentation anwesend. Auf meine Frage woher die Vorlagen für die Original Simpsons Figuren stammen, sagt er "Na ja, man nimmt Menschen aus dem engeren Umfeld, Familie, Freunde, Bekannte und bildet aus deren Charakter und Aussehen die Figuren. Natürlich darf man niemals verraten wer für wen steht. Ich muß aber gestehen, in mir steckt viel von Homer (lacht)".
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