Von Ägypten nach Palästina in 7 Minuten

Auch in unserer Zeit gibt es selbst in Europa noch Geschichten, die weniger vom Exodus der Israeliten nach dem gelobten Land erzählen als vielmehr von der Umsiedlung eines Pflegeheimes an einen besseren Ort. Mitten im Deutschland des 21. Jahrhunderts, in einer Welt in der nicht nur die Klügsten und Besten von klein auf daran gewöhnt werden, die Schwächeren zu achten und zu respektieren. Und die großen Unternehmen darauf Wert legen, dass ihre Bewerber bereits in der Ausbildung oder im Studium soziale Kompetenz unter Beweis gestellt haben. In dieser Welt gibt es ebenso noch für ein Pflegeheim rauen Gegenwind, also für die Schwächsten unter den Schwachen. Im Zentrum Darmstadts ereignete sich dieses Kapitel unserer Gegenwart.

Die Bewohner eines Heimes mussten relativ kurzfristig ihr altes Zuhause verlassen, weil der Hauseigentümer die seit Jahren ausstehenden Renovierungsarbeiten alle auf einmal durchführen ließ. Dies hätte beim Dableiben für die kranken Menschen monate- oder sogar jahrelanges Ertragen von Krach und Schmutz bedeutet. Deswegen reagierte der Heimleiter Bernd Volpp eben auf die vernünftigste Weise und suchte eine neue Heimstatt für alle.

Diese wurde in Darmstadt/Eberstadt gefunden. Es wäre nun zu erwarten gewesen, dass die Bauarbeiten bis nach dem Umzug ausgesetzt werden. Leider weit gefehlt, denn schon Wochen davor nahm das Hämmern und Bohren seinen Anfang und kranke bzw. mit dem Tode ringende Menschen bekamen vor ihrer letzten Reise einen Gruß unserer Wirklichkeit mit auf den Weg.

Dieser Schrecken fand am 30. Mai sein Ende, an diesem Tag begann nach dem Frühstück der Auszug in eine bessere Zukunft. Es war ein Morgen an dem sich alle aufgeregt wie eine Schulklasse am Ausflugstag vor dem Haupteingang versammelten und auf ihren Aufbruch warteten. Die Übersiedlung ins “gelobte Land“ entsprach jedoch mehr der jetzigen Zeit als der biblischen Vergangenheit mit ihren 6 x 7 Jahren für die Wegstrecke bis zum Ziel: Das Krankentransport-Unternehmen Handi Cab organisierte die Fahrt ins neue Domizil nach Eberstadt. Für den Einzelnen dauerte die Reise nur wenige Minuten, doch war der Letzte ebenso nach freudiger Begrüßung durch das Heimpersonal gegen Mittag in seinem neuen Zimmer angekommen.

So schnell das Umsiedeln ging, so anspruchsvoll waren die nun anstehenden Aufgaben. Für die Heimbewohner musste sofort alles genauso funktionieren, wie sie es von jeher gewohnt waren. Diese Aufgabe setzte voraus, dass ein kompetentes wie motiviertes Team aus den Bereichen Pflege und Hauswirtschaft einen reibungslosen Neustart garantierte. Das beinhaltete gleichsam, dass am Wochenende des Umzugs die Angestellten aus der Verwaltung neben ihrem Alltagsgeschäft freiwillig mit anpackten. Denn letztendlich steckt das “gelobte Land“ in den Menschen, die in ihm leben.
2 Kommentare
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Britta Friedrichsen aus Reinheim | 20.07.2015 | 22:45  
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Dagmar Böhm aus Eberstadt | 31.07.2015 | 11:55  
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