Neues Zuhause für Obdachlosen Max Bryan

Der Gartenhof zu Steinfurth - Max Bryan hat eine Wohnung (Foto: Foto: pv)
„748 Tage, 2 Jahre, 16 Tage und 15 Stunden“, so beginnt der Obdachlose Max Bryan seine lang erwartete Notiz mit dem schlichten Titel „Habe Wohnung“. Darin gibt er bekannt, dass er per sofort nicht mehr obdachlos ist und somit eine feste Bleibe gefunden hat. Mit der Bekanntgabe endet offiziell auch eine zweijährige Laufbahn des „Obdachlosen Max Bryan“, wie er oft mit Beinamen zitiert wurde.

Seine Radreise quer durch Deutschland dauerte 4 Monate und machte ihn berühmt. Ein Online-Magazin kürte ihn jüngst noch zu „Deutschlands bekanntesten Obdachlosen“, wohl auch wegen seiner unvergleichlichen Art Geschichten zu erzählen. Seine bewegende Rede vor fast 6000 Teilnehmern einer Demo gegen den Hamburger „Mietenwahnsinn“ wirkt heute noch nach. Sie war der Auslöser für die Reise, die Max Bryan danach mit dem Fahrrad unternahm.

http://www.youtube.com/watch?v=7EqGx5TVHzo

1000 Kilometer ist er inzwischen gefahren. Auf der Suche nach einer für ihn bezahlbaren Wohnung stoppte er in 18 Städten und Gemeinden, unter anderem auch in Minden, Hameln, Köln, Koblenz und Frankfurt. „Ich fahre so lange bis ich eine Wohnung habe“, sagt Max Bryan vor seiner Abreise aus Hamburg, wo er zuvor 18 Monate an den Landungsbrücken im Hamburger Hafen schlief. Ende Dezember letzten Jahres endet die ungewöhnliche Radreise dann zunächst in Bad Nauheim, der Stadt seiner Jugend, wo er Anfang der 90er eine Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann machte.

Danach fuhr er weiter. Noch im Januar und Februar fuhr der Obdachlose bei größter Eiseskälte mit dem Fahrrad über die Dörfer rund um Butzbach, Gießen und Bad Nauheim und wurde nicht fündig. Ein Pfarrer bot ihm Unterschlupf in seiner Kirche, ein anderer wollte ihn schon „erschießen“, berichten Medien einschlägig.

http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/62...

Zurück in Bad Nauheim entdeckte eine Frau den Obdachlosen dann unter den Colonaden am Bad Nauheimer Sprudel und nahm ihn zu sich, gab ihm ein Gästezimmer und wollte kein Geld dafür. Wochen später dann der entscheidende Hinweis, ein Gartenhof bei Steinfurth, könne helfen und sorgt auch für Unterbringung.

Max Bryan blieb und bekam eine Chance sich zu beweisen.

„Ich bin sehr glücklich hier sein zu dürfen“, schreibt Max Bryan in sein Tagebuch.

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/habe-wohnu...

Wochen zuvor noch sah es düster aus. Fans und Anhänger des 36-Jährigen fragten sich schon, wo der Obdachlose denn geblieben sei und nicht wenige befürchteten schon das Schlimmste, fehlte von Max Bryan zuletzt doch „jede Spur“ (dtoday).

Am Wochenende dann die Wende und ein schlichtes Posting mit dem Titel „Habe Wohnung“ sorgte für Erlösung. „Juchuuuu, Max ist wieder da“ und „Ich bin so froh, dass du nicht mehr draußen schlafen musst“, schreibt eine offenbar glühende Verehrerin des nun ehemals Wohnungslosen.

Andere sind einfach nur froh, dass Max Bryan nach so langer Zeit nun doch noch eine Wohnung gefunden hat: „Ich habe das immer mit verfolgt, und wünsche Dir viel Glück“, schreibt eine Anhängerin.

Franz F. habe sogar „Tränen in den Augen gehabt“, als er davon hörte, heißt es auf der Fanseite des Obdachlosen Max Bryan im Internet.

http://www.maxbryan.com

Bryan, der es offenbar selbst kaum glauben kann, dass es nun endlich vorbei sei, schreibt auch etwas über die Liebe. So habe er sich verliebt in eine „Frau vom Brunnen“, wie er sie nicht näher bezeichnen will.

Insgesamt gesehen ein grandioses Finale und ein würdiger Abschluss für den Obdachlosen, der nie aufgab an sich und sein Glück zu glauben. Was dem Obdachlosen in seiner Zeit auf der Straße passierte, „geschieht jeden Tag und tausend mal in Deutschland, nur wird darüber nicht oder nur sparsam berichtet“, schrieb Max Bryan zuletzt noch in sein Tagebuch.

Ob das öffentliche Leben des Max Bryan damit endet kann niemand mit Gewissheit sagen. Fans und Anhänger spekulieren bereits über ein Buch, vielleicht auch ein Film. Näheres dazu ist aber nicht bekannt (sb).
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