Obdachloser Max Bryan: 1000 Kilometer für die Wohnung - Ein Tagebuch

„Ich fahr so lange bis ich eine Wohnung habe“ (Max Bryan im Nov. 2011) (Foto: Facebook / Max Bryan)
„Ich fahre so lange, bis ich eine Wohnung habe“, sagte der Obdachlose Max Bryan vor seiner Abreise aus Hamburg im November letzten Jahres. Auf einer Demo gegen den Hamburger Mietenwahnsinn trat er schüchtern vor ein Mikrofon und Tausende hörten ihm zu (Medien berichteten) http://www.youtube.com/watch?v=7EqGx5TVHzo .

(gz/sb) Seit dem ist viel passiert. Bryan hielt Wort und fuhr mit dem Fahrrad Richtung Süden. 4 Monate und 1000 Kilometer später ist er angekommen, fand ein neues Zuhause im Hessischen Steinfurth bei Bad Nauheim (G.Z. berichtete). Auf dem Gartenhof der Freiherrin Heinke von Löw (91) lebt und arbeitet der ehemalige Obdachlose nun fleißig und hofft auf ein besseres Leben.

In einer aktuellen Notiz vom 7. Mai berichtet Bryan über sein Leben auf dem Gartenhof und lässt keine Zweifel daran, wie sehr er sich über sein neues Glück freut. „Jeden Tag eine Veränderung, ein Stück des Weges, ich lerne die Schritte, im Haushalt, der Pflege und im Garten. Ich bin dankbar und ich bin angekommen“, schreibt er in seinem Online-Tagebuch und liefert wie immer auch die Fotos mit.

Die Herkunft der Bilder war lange ungeklärt. Medienberichten zu Folge führt der Wissenschaftsautor und Hobby-Filmer schon seit längerem ein privates Videotagebuch, ein „stummer Zeuge“ und ein Mittel gegen die Einsamkeit, wie es heißt.

http://www.nachrichten.com/index.php?main=nav&spar...

Schon vor seiner Abreise aus Hamburg, im November letzten Jahres, wurde die Existenz seines Tagebuchs bekannt und es gibt Interesse. Ein Hamburger Filmemacher prüft derzeit die Sendetauglichkeit der Bilder und es wäre geradezu eine „Sensation“, wenn das Material verwertbar wäre, hoffen Fernsehkritiker.

http://www.telenewsnet.com/tvdesk/Soziales/Obdachl...

Darin auch ein Vergleich zum Hollywood-Blockbuster „Cast Away“, wo ein gewisser Chuck Noland, gespielt von Tom Hanks, sich jahrelang mit einem Volleyball unterhielt, weil er sonst gar niemanden zum reden hatte. Ähnlich einsam könnte der Obdachlose sich gefühlt haben, denn auch er schreibt, dass „Dreemos“, so der Name der Kamera, lange Zeit sein einziger Freund und Vertrauter war. „Andere haben Haustiere - ich hatte meine Kamera“, schreibt der ehemals Wohnungssuchende Max Bryan bei Facebook.

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/abschied-u...

Eine Kamera als Freund?

Viele Menschen, die auf der Straße leben sind einsam und mutlos, haben kaum Perspektiven und scheuen den Kontakt zu anderen Menschen. Eine Kamera, die wie ein Freund das Leben des Obdachlosen begleitet, wäre nicht nur Botschafter, sondern auch Mutmacher im Dienste des Mehrwertes für Andere.

Max Bryan lebte 748 Tage auf der Straße und fand nach 1000 Kilometern Radstrecke eine Wohnung. Seine Kraft über sich selbst hinauszuwachsen ist ermutigend und zeigt, dass jeder es schaffen kann, die eigenen Grenzen zu überwinden.

(sb) Gießener Zeitung

http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/66...
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