Überraschende Wende: Max Bryan ist wieder obdachlos

Max Bryan an den Hamburger Landungsbrücken (Foto vom April 2013) (Foto: Facebook / Max Bryan)
"Scheint so, als würde die Geschichte so enden, wie sie begann, mit einem Schlafplatz an den Landungsbrücken", heißt es im Blog des einst ehemaligen und derzeit wieder obdachlosen Max Bryan, der seit Mitte April wieder auf der Straße ist - in Hamburg, wohlgemerkt.

(GZ/sb) Dabei hatte alles so gut angefangen, vor einem Jahr, als Max Bryan nach einer halsbrecherischen Radtour noch mitten im Winter eine Bleibe fand und der Gartenhof Löw im Hessischen Steinfurth den Obdachlosen liebevoll aufnahm. Viele Zeitungen hatten darüber berichtet und seit damals ist auch viel passiert. Bryan arbeitete im Garten und durfte filmen. Hausherrin Heinke von Löw (92) erlaubte dem passionierten Hobby-Filmer Aufnahmen zu machen - ein ganzes Jahr lang "Von der Saat bis zur Ernte", wie es heißt, filmte Bryan die Arbeit der Löw´s und anderer Hofbewohner in chronologischer Reihenfolge, eine Art Hof-Tagebuch für alle Freunde der natürlichen Landwirtschaft.

Im September dann der erste Erfolg. Max Bryan liefert einen Zusammenschnitt aus 70 Stunden Videomaterial, allerdings noch ohne Ton, denn der Streifen lief nur nebenher und in Endlosschleife über dem reichhaltigen Buffet japanischer Landwirte, die im September letzten Jahres auf dem Gartenhof Löw ihr Erntedankfest feierten und die dort auch zu Hause sind. Ein Jahr lang hatte Max Bryan das Leben der "Shumei´s" bis dahin dokumentiert und dabei herausgekommen seien "einzigartige Naturaufnahmen", berichtet die Wetterauer Zeitung in ihrem Artikel vom 27.9.2012.

http://www.wetterauer-zeitung.de/Home/Kreis/Staedt...

Und auch die Dezember-Aktion des 38-Jährigen hatte es in sich. "Freikarten für die Ärmsten der Stadt", forderte Bryan von den Veranstaltern des Hamburger "Rocky"-Musicals. Die lehnten zunächst ab, doch Bryan setzte sich durch. In einer beispiellosen Aktion schaffte er es mehrere Leute kostenlos ins Theater zu bringen. Menschen, die jahrelang schon in keinem Theater mehr waren und die Macher verneigten sich vor ihm. "(...) Ihre Initiative, Ihre Entschlossenheit, Ihr gutes Herz und Ihr unbeirrbarer Einsatz für die Idee und die Umsetzung ist wirklich sehr beeindruckend und verdient unseren Respekt!", schrieben die "Rocky"-Macher damals in Anerkennung seiner Leistung und Max Bryan kehrte zurück auf den Gartenhof, wo er für 2013 schon große Pläne hatte. Für März war dann sogar eine Veröffentlichung geplant, eine Chronik über den Gartenhof sollte es werden, doch dann verzettelt er sich.

Die Kampagne "Initiative Sauberes Hamburg" ( Februar 2013) traf mitten in sein Herz, sein Obdachlosen-Herz. Zwei Jahre lebte er in Hamburg auf der Straße und habe "viel Ausgrenzung und Diskriminierung erlebt", sagt er, "aber das überträfe alles", so die direkte Reaktion auf die Online-Kampagne der sogenannten "ISHH", einer Internetseite die offen gegen Bettler, Flaschensammler und Obdachlose hetzt.

(Link und Original-Seite inzwischen erloschen)

Hintergrund ist eine Aktion der Hamburger Firma Farbflut Entertainment, die etwas gedankenlos mit dem Thema Obdachlosigkeit umging und eine Seite ins Netz stellte, die zunächst wie Volksverhetzung aussah, sich dann aber als Satire entpuppte. Ganz Hamburg war auf den Betrug hereingefallen und eine Welle der Empörung schwappte von der Elbe bis an die Weser.

http://www.hamburg.de/stadt-staat/3837700/stellung...

http://www.hinzundkunzt.de/diese-satire-ist-geschm...

"So was könne man nicht machen, das gehört bestraft", forderten Online-Aktivisten dann in Reaktion auf die volksverhetzenden Inhalte der Satire-Seite, die damit offenbar nur eines im Sinn hatte: Kostenlose Werbung für das umstrittene Computerspiel "Pennergame" zu machen, gegen das Max Bryan seitdem mobil macht. Wochenlang entlarvte er das Farbflut´sche System bis ins Detail und ein sogenannter "Abschlußbericht" sollte das Thema auch zum Ende bringen, doch dann die überraschende Wende: Max Bryan verliert seine Bleibe auf dem Gartenhof und kehrt zurück nach Hamburg, wo er wieder auf der Straße ist, warum und wieso erklärt er hier:

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/hamburg-50...

Darin heißt es: "Vielleicht habe ich mich zu sehr um Andere gekümmert, als um meine eigenen Pflichten im eigenen Leben", und irgendwie hat er damit wohl auch Recht, denn ein ganzes Jahr lang hatte er Zeit seine Angelegenheiten zu regeln, für Einkommen und Versicherung zu sorgen, stattdessen aber unzählige Aktionen, darunter viel Gutes, aber eben auch nichts, was ihn persönlich und im eigenen Leben weiter brachte.

"Entsprechend hart ist die Strafe und ich bin selbst Schuld daran", schreibt er einsichtig in seinem Blog und viele glaubten schon, er sei "vom Hof geflogen", weil er den Bogen überspannte, sich zu sehr mit "Pennergame" beschäftigte. Tage später dann aber die Richtigstellung und Bryan beteuerte, den Hof freiwillig verlassen zu haben, um der alten Dame nicht länger zur Last zu fallen. "Sie hätte mich nie vor die Tür gesetzt", schreibt Bryan in seinem Blog und spricht von "Bauchschmerzen" der Hausherrin Heinke von Löw (92) und das nicht nur wegen ihm.

Der Hof habe ganz grundlegend "Sorgen" und Bryan brauche ein eigenes Einkommen - unabhängig vom Hof - etwas, wovon er auch Miete zahlen könne, erst dann könne er zurück auf den Hof, so die Erklärung in seiner Notiz vom 24. Mai 2013.

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/zur%C3%BCc...

Rührend darin auch der Abschnitt, wo Bryan sich vornimmt den Hof retten zu wollen und seiner Hausherrin "die Sorgen zu nehmen", indem er nach Hamburg fährt und dort das Geld verdient, dass sie brauche, um seine Bleibe auf dem Hof halten zu können, aber die alte Dame schmunzelte nur und sagte: "Ich mag sie, aber das wird doch eh nix", so ein Zitat in Bryan´s Bericht danach und Bryan selbst könne gut verstehen, dass seine einstige Chancengeberin den Glauben an sein Fortkommen verloren hatte, zu viel Zeit schon habe er verschwendet, mit Dingen, die nichts einbrachten und die Auseinandersetzung mit "Pennergame" war nur "bezeichnend dafür", erklärt Bryan reumütig und hofft nun auf Hamburg, wo er genug Geld verdienen will, um auf den Hof zurückkehren zu können. Das dies nicht ganz leicht werden wird, zeigt sein aktuelles Posting von letzter Woche. Darin teilt er mit, dass es nicht ganz einfach ist, in Hamburg an Medikamente zu kommen. Seit 3 Wochen schon ist er krank, wohl ein Infekt, der sich gerade "manifestiert", so der Hinweis in seinem Blog.

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/krank-und-...

Problem auch: Max Bryan hat seit über 16 Monaten keine Krankenversicherung mehr und zum Arbeitsamt zurück will er auch nicht. Viele können das nicht verstehen und bieten Hilfe an.

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/zur%C3%BCc...

"Es ist mein Leben, meine Entscheidung und meine Konsequenz" (...) und "ich will dem Staat nicht auf der Tasche liegen", antwortet Bryan kämpferisch und glaubt trotzdem fest an sein Glück und an seinen Erfolg.

"Um Erfolg zu haben, brauchst Du nur eine einzige Chance!", hieß es damals in dem Video, dass anlässlich seiner heute noch viel beachteten Rede von 2011 im Internet erschien.

http://www.youtube.com/watch?v=7EqGx5TVHzo

Inzwischen hat Max Bryan diesen Satz erweitert: "Und manchmal auch eine Zweite, eine Dritte und eine Vierte (Chance), egal wie oft" (...) "Höre nie auf Chancen zu vergeben, dann wird aus jedem noch was".

Mitte Juni will er sein Versprechen einlösen und auf den Hof zurückkehren. Mit eigenem Einkommen und "die Dinge der Vergangenheit bereinigt".

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