Freihandelsabkommen - Ein Kommentar

(Foto: Wiki Commons / Nikola Štuban)
Seit den Enthüllungen eines gewissen Edward Snowden weiß die ganze Welt, dass die Amerikaner Spitzenreiter im bespitzeln von Bürgern auf der ganzen Welt sind und so groß die Entrüstung darüber auch ist, das anstehenden Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA wird nicht eine Sekunde lang in Zweifel gezogen. Warum ist das so?

Am Monat begannen in Brüssel die Gespräche über das Freihandelsabkommen und Fakt ist auch, dass die EU wesentlich stärker davon profitieren als die USA und niemand diese Partnerschaft, die als strategisch sehr wertvoll gilt, ernsthaft in Gefahr bringen will, nur weil ein paar Überseekabel angezapft wurden. Das werden sie ohnehin, egal ob die Bevölkerung davon weiß oder nicht und Obama hat ein starkes Argument: "Diese Programme haben Leben gerettet", sagte er ganz zu Beginn der Debatte und auch wenn das keine Rechtfertigung für den begangenen Rechtsbruch ist, bleibt es zumindest eine Erklärung für das, was viele Jahre lang im Verborgenen schon geschieht.

Nun steht es also an, das größte Freihandelsabkommen der Welt und das bedeutet, dass es keine Zölle mehr gibt. Konsumenten beider Partner sparen eine Menge Geld und das schafft neue Perspektiven, die wiederum neue Arbeitsplätze schaffen. Eine gute Sache, will man meinen, wäre da nicht die Vermengung und Vermischung amerikanischer Standards mit denen der EU, die wesentlich strenger und auch verbraucherfreundlicher sind als die der USA. Dort kümmert es nämlich kaum jemanden, dass in den Fleischtheken der Supermärkte hormonbehandelte Rinder zum Verkauf stehen und mit der Kennzeichnung von genveränderten Lebensmitteln hatten die USA es zuletzt auch nicht sonderlich genau genommen.. Sollte sich die EU an diese Standards anpassen? Oder wird sich die USA an die EU anpassen? Wer wird am Ende des sagen haben? Wer regiert wem oder besser: Wer kuscht vor wem?

Wenn ich mir die aktuelle Debatte um Edward Snowden so anschaue, dass keiner ihn haben will, weil keiner es sich mit den USA so recht verscherzen will, dann sollte eigentlich klar sein, wer bei einer solchen Partnerschaft die Hosen an hat und der Bub wird garantiert nicht mit "E" beginnen.

Vielleicht übernimmt die EU dann ja auch die Datenschutzrichtlinien der USA und jeder darf nach Belieben beschnüffelt und bespitzelt werden

Vielleicht aber kommt es auch ganz anders und das Freihandelsabkommen ist eine riesige Chance für ein neues Miteinander beider Kontinente im Umgang mit Grundrechten und Werten beider Mentalitäten, weshalb es durchaus lobenswert ist, dass die Verhandlungen weitergehen, weil wer nicht handelt, der nicht gewinnt.

Foto: Wiki Commons / Nikola Štuban
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Economic_in...
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.